Illustration: Glücklicher Montag

Abwarten und Tee trinken ist kein guter Plan gegen lokale Hitze!

In den vergangenen Sommermonaten herrschte in Leipzig eine langanhaltende Hitze, die mit einer ausgeprägten Dürreperiode verbunden war. Die Tendenz zu immer heißeren Sommern und einer Zunahme von Hitzetagen und Tropennächten ist unverkennbar. In den heißen Sommerwochen dieses Jahres und insbesondere den hochsommerlichen Nächten sind erhebliche Temperaturunterschiede von 10° Celsius zwischen dicht bebauten Innenstadtquartieren und größeren Freiflächen in Randlagen zu verzeichnen. Die regelrechte Aufheizung der Stadt hat vielfältige Folgen. Unmittelbar zu spüren sind Beeinträchtigungen von Gesundheit und Lebensqualität.

Deswegen haben die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam mit der Stadtratsfraktion komplexe, lokal wirksame Maßnahmen gegen die Belastungen von Hitzesommern aufgeschrieben und die Stadtverwaltung beauftragt, diese in ein Fachkonzept zu schreiben. Dieses Konzept für die Bewältigung der lokalen Hitzeentstehung und Folgen soll als eine Fortschreibung teilweise schon bauftragter und aktiver Konzepte der Fachverwaltungen (wie Luftreinhalteplan, Straßenbaumkonzept, Gründachstrategie etc.) die als integriertes Umwelt-Konzept unter der Zielstellung der Verringerung von Hitzestress verstanden und weiterentwickelt werden.

Als Themen / Maßnahmen für das Gesamtpaket werden genannt:

1. Frischluftschneisen und Grünflächen schützen

Frischluftschneisen, Kaltluftentstehungszonen und Biotopverbindungen sollen transparent definiert und bei der Ausweisung von Bauflächen und der Aufstellung von Bebauungsplänen rechtlich verbindlich vor Bebauung geschützt werden. Zudem soll die Bebauung kleinerer mikroklimatisch relevanter Grünflächen mit gewachsenem Baumbestand nur im Ausnahmefall und unter Durchführung von Kompensationsmaßnahmen erfolgen.

2. Mikroparks in allen Stadtteilen schaffen

Um positive stadtklimatische und kleinräumige Effekte in dichtbesiedelten Quartieren zu erreichen, ist ein Konzept für kleinere Mikroparks, Pocketparks bzw. Quartiersparks z. B. auf bestehenden Brachen, autofrei zu gestaltenden Straßen oder Plätzen sowie zu entwickelnden städtebaulichen Projekten zu entwickeln und umzusetzen.

3. Baumstarke Stadt und Straßenbaumkonzept

Ziel muss es sein, jährlich 1.000 Neupflanzungen zusätzlich zu den notwendigen Nachpflanzungen von Straßenbaumpflanzungen umzusetzen. Um größtmögliche Effekte zu erreichen, sind in den nächsten fünf Jahren bevorzugt besonders hitzeanfällige, dichtbebaute Straßen ohne Grün mit Ost-West-Ausrichtung, mit hitzebeständigen Baumarten zu bepflanzen. Die Zielstellungen des verwaltungsseitig immer noch ausstehenden Straßenbaumkonzepts sind anzupassen. Zugleich ist ein Parkbaumkonzept zu entwickeln, mit der Zielsetzungen für Bepflanzung von öffentlichen Grünflächen festgelegt werden. Für private Baumspenden gilt es stärkere Anreize zu schaffen.

4. Mehr Wasserflächen schaffen

Der Beitrag von Wasser zur Abkühlung in städtischen Räumen muss in der Planung von Freiräumen und städtebaulichen Entwicklungsprojekten berücksichtigt werden. Ziel muss eine stadträumlich verteilte Sicherung und Schaffung von naturnahen Wasserflächen mit gewässertypischer Vegetation oder alternativ Springbrunnen, Wasserzwischenspeicher (Regenrückhaltebecken) o. ä. sein.

5. Versiegelung vermeiden und Entsiegelung vorantreiben

Grundsätzliches Ziel ist eine Netto-Null-Neuversiegelung im gesamten Stadtgebiet. Großflächige Versiegelungen des Stadtraums sind im Rahmen der städtebaulichen Planung zu vermeiden. Zugleich sind Flächen z. B. bei der Überholung oder Sanierung von Stadträumen je nach Anforderungsprofil grundsätzlich zu entsiegeln.

6. Innenhöfe schützen

Eine Bebauung von Innenhöfen ist im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten auszuschließen. Für Ausnahmeregelungen sind Voraussetzungen und Art der Bebauung klar zu definieren. Die Entsiegelung und Begrünung von Innenhöfen soll durch eine entsprechende Satzung bei Neubau- oder Sanierungsvorhaben beauflagt und bei Bestandsimmobilien gefördert werden.

7. Albedo-Strategie gegen aufheizende Oberflächen

Der Einfluss von Materialität und Farbe von Fassaden, Dächern und Untergründen auf die Hitzeentwicklung im städtischen Raum muss stärker berücksichtigt werden. Auf Grundlage einer Albedo-Strategie ist bei der Genehmigung von Bauprojekten durch eine Gemeindesatzung der Einsatz unnötig hitzeaufnehmender Oberflächen auszuschließen. Bauherren und Hauseigentümer sind hinsichtlich des Einsatzes reflektierender Materialien und Farben zu beraten.

8. Grüne Dächer und Fassaden

Bei Neubauten und baulichen Veränderungen sind grundsätzlich Gründächer und an geeigneten Flächen begrünte Fassaden vorzusehen. Die Voraussetzungen für Dach- und Fassadenbegrünungen, auch mit Bäumen, sind verbindlich und transparent zu regeln und zu bewerben. Die Dach- und Fassadenbegrünung von Bestandsgebäuden soll verstärkt gefördert werden. Bauherren und Hauseigentümer sind bei der Durchführung entsprechender Maßnahmen proaktiv zu beraten.

9. Abkühlung ermöglichen

Um Abkühlung bei Hitze zu ermöglichen, ist von den Kommunalen Wasserwerken ein Programm zur flächendeckenden Versorgung mit Wasserspendern und Trinkbrunnen aufzulegen. Bei Schwimmhallenneu- und -umbau ist darauf hinzuwirken, dass auch eine Nutzung als Freibad bei Hitze (Cabriolösung) möglich ist.

10. Beratung und Prävention stärken

Um gesundheitlichen Hitzebelastungen vorzubeugen, sind Beratung und Prävention im Umgang mit sommerlicher Hitze zu stärken. Die vorhandenen Angebote unterschiedlicher Akteure sind in einem Netzwerk zu bündeln und ausbauen. Neben unmittelbarer Beratung, z. B. durch geeignete Öffentlichkeitsarbeit, eine Hotline u. ä. sind gezielte Präventionsangebote für Wohnungsbauträger, Unternehmen, Bildungseinrichtungen u. ä. zu entwickeln.