Grüne fordern Jung zu geordnetem Übergang auf

Foto: Martin Jehnichen

Pressemitteilung vom 2. Mai 2018

Zur angekündigten Kandidatur des Leipziger Oberbürgermeisters Burkhard Jung als Präsident des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes erklärt Norman Volger, Fraktionsvorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

„Der kurzfristige Entschluss von Herrn Jung kommt wenig überraschend. Er bekennt damit endlich Farbe. Statt sich weiter seiner Verantwortung als gewählter Oberbürgermeister der Stadt Leipzig zu stellen, folgt er offenbar der Verlockung eines großen Geldinstituts. Schlechter Stil ist dabei insbesondere, dass er diesen ganz sicher von langer Hand geplanten Karriereschritt den Leipzigerinnen und Leipzigern als kurzfristige Entscheidung, die er am vergangenen Wochenende gemeinsam mit seiner Familie getroffen habe, zu verkaufen versucht. Kein Gremium, ob Städte- oder Gemeindetag, nominiert einen Kandidaten ohne dessen ausdrückliche Zustimmung. Herr Jung scheint demnach bereits zu seinen öffentlichen Treuebekundungen und seiner Absicht, im Jahr 2020 erneut als OBM zu kandidieren, seinen Weggang aus Leipzig geplant zu haben. Wer Herrn Jung kennt weiß, dass er selten etwas dem Zufall überlässt, sondern im Gegenteil sehr akribisch und langfristig denkt.

Überraschend ist dabei auch, dass seine eigene Partei offenbar in keinster Weise informiert und involviert war und nun wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen panisch reagiert. Offenkundig fehlt der SPD in Leipzig schon länger die Bindung zu ihrem eigenen Oberbürgermeister.

Man hat bereits seit längerem den Eindruck, als wäre die SPD in Leipzig und der Oberbürgermeister regierungsmüde. Spätestens mit der Ankündigung von Jungs Wechselabsichten und den SPD-internen Reaktionen darauf, ist auch bei den Bürgerinnen und Bürgern offenkundig wahrnehmbar, das es der SPD an Gestaltungswillen für die Zukunft unserer Stadt fehlt.

Unsere Fraktion steht Oberbürgermeister Jung bekanntlich seit Jahren in vielen Sachfragen sehr kritisch gegenüber und kann demnach dem angekündigten Weggang durchaus positive Aspekte abgewinnen, bietet eine tatsächliche Neuwahl doch neue Chancen für die zukunftsorientierte Entwicklung unserer Stadt und ihrer kommunalen Unternehmen.

Wir erwarten im Minimum und gehen auch davon aus, dass Oberbürgermeister Jung einen geordneten und planvollen Übergang organisiert, Neuwahlen mit einer bereits terminisierten Wahl aus Kosteneffizienzgründen verbindet und bis dahin uneingeschränkt und mit ganzer Kraft sein Amt ausfüllt.“

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