Ursachenbekämpfung statt Zwei-Klassen-Lösung

Foto: Martin Jehnichen

Pressemitteilung vom 5. Dezember 2017

Zu der Forderung nach einer erneuten Flüchtlingsambulanz in Leipzig äußert sich die migrationspolitische Sprecherin der Grünen Stadtratsfraktion, Petra Cagalj Sejdi, folgendermaßen:

„Vertreter der Kinderambulanz der Uniklinik hatten schon in der Vergangenheit z. B. beim Workshop des Referats Migration und Integration der Stadt Leipzig zum Thema Gesundheit über die Überlastung der Kinderambulanz berichtet. Doch bereits in dieser Runde von Experten aus Migrantenorganisationen und migrantischen Selbstorganisationen wurde sehr schnell deutlich, dass eine separate Flüchtlingsambulanz hierfür keine Lösung bieten wird.

Viele Eltern nutzen die Kinderambulanz, da sie keine andere Möglichkeit sehen, ihr Kind zeitnah und sicher behandeln zu lassen. In Leipzig mangelt es an Kinderärzten, für Eltern ist es allgemein schwer einen Kinderarzt zu finden, noch schwieriger ist es für Geflüchtete, die oftmals sprachliche Probleme haben und sich im Gesundheitssystem und in der Stadt nicht wirklich gut auskennen. Hinzu kommt, dass viele Ärzte nur ungern ausländische Patienten ohne Dolmetscher in die Sprechstunde nehmen und die Betroffenen in vielen Fällen wieder nach Hause geschickt werden. Im Notfall als Patient einen geeigneten Sprachmittler zu finden, der obendrein bezahlbar ist, ist für die meisten Betroffenen eine unüberwindbare Hürde.
Auch die Tatsache, dass ein großer Teil der Geflüchteten keine Gesundheitskarte besitzt und sich vor dem Arztbesuch erst einen Krankenschein beim Sozialamt holen muss, führt dazu, dass Arztpraxen im akuten Notfall nicht aufgesucht werden können.

Die Einrichtung einer zusätzlichen Flüchtlingsambulanz würde sicher nicht den erwarteten Zulauf haben, das zeigte bereits in der Vergangenheit die Flüchtlingsambulanz im St. Georg. Viele Geflüchtet hatten dabei das Gefühl einer Zwei-Klassen-Medizin und machten daher lieber von ihrem Recht Gebrauch, einen anderen Arzt aufsuchen zu können. Anstatt der Einrichtung einer speziellen Flüchtlingsambulanz sollten Lösungen gefunden werden, wie Menschen ausländischer Herkunft an den Leipziger Kliniken behandelt werden können, ohne dass dies für die Klinik ein Problem darstellt. Daneben müsste auch den Ärzten in den Arztpraxen die Hemmung vor einer Untersuchung ohne Sprachkenntnisse genommen und das interkulturelle Handwerkszeug bereitgestellt werden. Ein  Beispiel können hierzu vielleicht auch andere deutsche Großstädte liefern, die schon längere Erfahrungen mit ausländischen Patienten haben.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre sicher auch eine bessere Aufklärung über das Gesundheitssystem in Deutschland, über die unterschiedlichen Möglichkeiten in Leipzig, wie z. B. Arztpraxen, Kliniken, Bereitschaftsdienst, Notarzt usw. Hierzu braucht es vor allem einen niedrigschwelligen und zeitgemäßen Zugang zu diesen Informationen.“

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