Zum Richtfest der Kita „Kleine Handwerker“ in der Riebeckstraße 63

Foto: Martin Jehnichen

Pressemitteilung vom 15. Januar 2019

zum Richtfest äußert sich Stadträtin Petra Cagalj Sejdi, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Jugendhilfeausschuss:

„Wir freuen uns darüber, dass nun bald eine neue Kita in Leipzig ihre Tore öffnen und mit der Kita „Kleine Handwerker“ in der Riebeckstraße 63 das Betreuungsangebot für Kinder in Leipzig somit erweitert wird. Ganz besonders erfreut uns aber, dass nun auch ein neuer und positiver Geist in das Gelände der ehemaligen städtischen Arbeitsanstalt einzieht.

Über mehr als hundert Jahre diente der Gebäudekomplex in unterschiedlichen politischen Systemen immer wieder der Ausgrenzung und Stigmatisierung von Menschen. Dass jetzt eine Kita die Riebeckstraße 63 mit Leben erfüllt, ist ein erster Schritt in die Neugestaltung und inhaltliche Umwidmung der Einrichtung.

Im Mai vergangenen Jahres beschloss der Stadtrat auf unseren grünen Antrag hin, dass hier ein Ort des Gedenkens entstehen muss, seitdem treffen sich unterschiedliche Akteure der Stadt und beraten über die mögliche Umsetzung. Ein erster öffentlicher Teil dieser Umsetzung wird ein Symposium zu den Ereignissen und der Forschung zur Riebeckstraße 63 am 15.03. und 16.03. vor Ort sein.

Mit der Kita Kleine Handwerker und dem Symposium wird für die ehemalige städtische Arbeitsanstalt Riebeckstraße nun endlich eine neue Zeit anbrechen.“

Zur Geschichte der Riebeckstraße 63:

Die Geschichte des Gebäudekomplex in der Riebeckstraße 63 ist geprägt von Ausgrenzung, Diskriminierung und Qual. Als sogenannte städtische Arbeitsanstalt diente die Einrichtung im Nationalsozialismus der Demütigung, Inhaftierung und Auslieferung von Menschen. Opfer der Nationalsozialisten, die als „Kriminelle, Asoziale, renitente Arbeiter, psychisch Kranke...“ eingestuft wurden, wurden in die Arbeitsanstalt eingewiesen. Viele von ihnen wurden von dort aus nach Sachsenhausen, Auschwitz und in andere Vernichtungslager deportiert. Die Einweisung in die Riebeckstraße war für sie der erste Schritt in den sicheren Tod, ihre letzte (unfreiwillige Adresse) in Leipzig.

Auch zu DDR-Zeiten diente das Haus zur Ausgrenzung und Demütigung von Menschen. Als venerologische Station getarnt wurden hier Frauen unter dem Vorwand sie hätten eine Geschlechtskrankheit, festgehalten, gequält und für Versuche genutzt.

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