Anfrage: Abhängigkeit der Stadt Leipzig gegenüber Microsoft

Anfrage vom 05. Februar 2026

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Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten in den transatlantischen Beziehungen gilt eine stärkere Loslösung von proprietärer Software und einzelnen Herstellern derzeit als politisch gewünscht. Schon 2020 haben sich Bund, Länder und Kommunen zum Ziel gesetzt, die Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung kontinuierlich zu stärken [1]. Mittlerweile lösen sich immer mehr Organisationen von Microsoft [2]. Auch für Leipzig liegt die Vermutung nahe, eine hohe Abhängigkeit gegenüber Microsoft-Produkten zu haben.
Aus diesem Grund fragen wir an:

1. Wie hoch wird die Abhängigkeit der Stadtverwaltung von Microsoft-Produkten entsprechend der Souveränitätsdimensionen [1] eingeschätzt?

2. Welche, wie viele und wo werden derzeit Microsoft-Produkte und -Lizenzen in der Stadtverwaltung (einschließlich Beteiligungsunternehmen) eingesetzt?

3. Zu Kosten und Vertragslaufzeiten:

a. Wie hoch sind aktuell und waren in den letzten 5 Jahren die jährlichen Kauf-, Lizenz- und Wartungskosten für Microsoft-Produkte?
b. Welche Laufzeiten haben die einzelnen Kauf-, Lizenz- und Wartungsverträge für Microsoft-Produkte?

4. In welche Fachverfahren sind per Schnittstelle Microsoft-Produkte integriert und damit Voraussetzung für das Fachverfahren selbst?

5. Zu openDesk als mögliche Microsoft-Alternative:

a. Wurde das vom Bund entwickelte openDesk bereits als Alternative zu Microsoft Office und Microsoft Teams geprüft?
b. Zu welchem Ergebnis kam diese Überprüfung?
c. Welche Kriterien und Betrachtungszeiträume wurden bei der Analyse angenommen?

6. Welche weiteren Betrachtungen und Maßnahmen wurden bereits ergriffen, um Microsoft-Produkte durch Alternativen zu ersetzen, um Kostensteigerungen zu vermeiden und die Hersteller-Abhängigkeit zu reduzieren? Wie lauten die Ergebnisse?

7. Zur Umstellung auf Windows 11:

a. Welche Kosten hat die Umstellung auf Microsoft Windows 11 verursacht?
b. In welchem Umfang war die Arbeit der Stadtverwaltung durch die Umstellung eingeschränkt?
c. Mussten Extended Security Updates in Anspruch genommen werden? Wie viele Arbeitsrechner sind weiterhin mit Windows 10 oder niedriger in Betrieb?
d. Wie viele Arbeitsrechner mussten für die Umstellung auf Windows 11 ersetzt werden und welche Kosten sind dadurch entstanden?

[1]: https://www.it-planungsrat.de/fileadmin/beschluesse/2021/Beschluss2021-09_Strategie_zur_Staerkung_der_digitalen_Souveraenitaet.pdf
[2]: https://www.heise.de/ratgeber/Die-Erfahrungen-von-Behoerden-und-Unternehmen-mit-freien-MS-Office-Alternativen-11069385.html

Antwort vom 23.03.2026

1. Wie hoch wird die Abhängigkeit der Stadtverwaltung von Microsoft-Produkten entsprechend der Souveränitätsdimensionen [1] eingeschätzt?

Die Stadt Leipzig setzt Microsoftprodukte beim Betriebssystem sowie im Bereich der Office Produkte ein. Die Anwendungslandschaft weist viele Schnittstellen zwischen den Office-Produkten und den über 400 eingesetzten Fachanwendungen auf. Weiterhin werden Microsoftprodukte bei Basisdiensten wie E-Mail, Kollaborationsplattformen, Verzeichnisdiensten sowie der Datenbank-Infrastruktur eingesetzt. Darüber hinaus werden auch OpenSource-Produkte genutzt.

 

2. Welche, wie viele und wo werden derzeit Microsoft-Produkte und -Lizenzen in der Stadtverwaltung (einschließlich Beteiligungsunternehmen) eingesetzt?

Auf den städtischen Endgeräten wird auf Betriebssystemebene Microsoft Windows genutzt. Weiterhin ist Microsoft Office vorhanden. Zu Grunde liegt ein Mengengerüst von ca. 7.300 Endgeräten. Hinzu kommen einige Einzelplatzlizenzen für Produkte wie MS Project, Visio und Access.  Für Beteiligungsunternehmen kann keine Aussage getroffen werden. Diese haben eigene Verträge, unabhängig von der Stadtverwaltung.

 

3. Zu Kosten und Vertragslaufzeiten:

a) Wie hoch sind aktuell und waren in den letzten 5 Jahren die jährlichen Kauf-, Lizenz- und Wartungskosten für Microsoft-Produkte?

Die Stadtverwaltung Leipzig bezahlt keine Kauf-, Lizenz- oder Wartungsgebühren an Microsoft im Bereich der Endgerättechnik. Die städtischen Endgeräte werden inkl. der bereits unter 2. benannten Software über unseren IT-Dienstleister für einen Zeitraum von 5 Jahren gemietet. In diesen Kosten sind auch die Lizenz- und Wartungskosten enthalten. Die beschriebenen Kosten sind Teil eines Servicepaketes und werden daher nicht einzeln ausgewiesen.

Lizenzkosten für Serverprodukte von Microsoft fallen ebenfalls nicht an, da diese über den IT-Dienstleister als Service bezogen werden.

Lediglich Einzelplatzlizenzen für MS Project und Visio und Access werden seitens der Stadtverwaltung Leipzig über unseren IT-Dienstleister gekauft (siehe 2.). Dabei handelt es sich um Standalone Lizenzen welche generell unbefristet gültig sowie wartungsfrei sind.

 

b.  Welche Laufzeiten haben die einzelnen Kauf-, Lizenz- und Wartungsverträge für Microsoft-Produkte?

Die Produkte gem. 3.a. werden über einen Zeitraum von 5 Jahren gemietet und sind damit Bestandteil der Endgeräte- bzw. Serverinfrastruktur. Arbeitsplatzlizenzen werden ohne Wartung und Support gekauft, d. h. es gibt keine definierten Laufzeiten. Die Nutzung ist bis zur Abkündigung grundsätzlich möglich.

 

4. In welche Fachverfahren sind per Schnittstelle Microsoft-Produkte integriert und damit Voraussetzung für das Fachverfahren selbst?

Eine Reihe verschiedene Fachanwendungen nutzen Microsoft-Officeprodukte. Durch unterschiedliche Wechselwirkungen zwischen über 400 Fachverfahren und Basisdiensten mit den Microsoft-Officeprodukten liegt keine abschließende Übersicht vor. Hintergrund ist, dass einige Anwendungen (z.B. Autista, VOIS, etc.) teilweise nicht im Einfluss der Stadt Leipzig liegen und daher nicht abbildbar sind.

Beispiele für Anwendungen sind die Verfahren von PROSOZ und IKOL. Bei jeder Ausschreibung wird die Notwendigkeit im Anforderungskatalog neu geprüft und bewertet.

 

5. Zu openDesk als mögliche Microsoft-Alternative:

a) Wurde das vom Bund entwickelte openDesk bereits als Alternative zu Microsoft Office und Microsoft Teams geprüft?

Eine konkrete Prüfung ist nicht erfolgt. Die Stadt Leipzig und der IT-Dienstleister beschäftigen sich aktiv mit OpenSource-Alternativen und digitaler Souveränität. Es gibt aktiv Prüfungen wo OpenSource Anwendungen genutzt werden können. Die Lecos verfolgt u.a. Herstellerstrategien in Hardware und Software und prüft konkret Rahmenbedingungen für die Nutzung von Cloud-Anbietern, wie z.B. „govdigital“ und Delos-Cloud. Außerdem ist die Lecos Mitglied im Kommunalen Open Source Board.

 

b) Zu welchem Ergebnis kam diese Überprüfung?

Siehe 5.a.

 

c) Welche Kriterien und Betrachtungszeiträume wurden bei der Analyse angenommen?

Siehe 5.a.

 

6. Welche weiteren Betrachtungen und Maßnahmen wurden bereits ergriffen, um Microsoft-Produkte durch Alternativen zu ersetzen, um Kostensteigerungen zu vermeiden und die Hersteller-Abhängigkeit zu reduzieren? Wie lauten die Ergebnisse?

Im Rahmen der Planung der Ausstattung mit Technik führt unser IT-Dienstleister umfangreiche Betrachtungen/Analysen durch, um uns die effizientesten technischen sowie Software-Lösungen zur Verfügung zu stellen. Dies schließt auch die Betrachtungen des Einsatzes von Microsoftprodukten ein. Aktuell sind die Microsoftprodukte im Rahmen der Sicherstellung des Betriebes notwendig (z.B. im Rahmen der Abhängigkeit der Fachverfahren und Basisdiensten). Eine Öffnung im Rahmen der Ausschreibungsunterlagen findet Berücksichtigung.

 

7. Zur Umstellung auf Windows 11:

a) Welche Kosten hat die Umstellung auf Microsoft Windows 11 verursacht?

Das Umstellungsprojekt hat Einmalkosten in Höhe von 315.000 Euro verursacht. Dies entspricht Umstellungskosten von ca. 43 EUR je Endgerät. Auch für Alternativen wie OpenSource-Anwendungen würden hier entsprechende Kosten anfallen.

 

b) In welchem Umfang war die Arbeit der Stadtverwaltung durch die Umstellung eingeschränkt?

Das Umstellungsprojekt wurde so ausgerichtet, dass die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung jederzeit sichergestellt blieb. Ziel war es, die Migration unter voller Berücksichtigung von Arbeitsfähigkeit, Einsatzbereitschaft und Verfügbarkeit der Systeme durchzuführen. Dieses Ziel wurde vollumfänglich erreicht.

 

c) Mussten Extended Security Updates in Anspruch genommen werden?

Von Seiten der Stadtverwaltung wurde kein Extended Support in Anspruch genommen. Die Migration auf Windows 11 wurde bereits vor Support-Ende Windows 10 erfolgreich fertig gestellt. Die Umstellung der ca. 7.300 Endgeräte verlief reibungslos und ohne größere Unterbrechungen des Arbeitsalltags. Im Vergleich zu anderen Behörden wurde für die Stadt Leipzig daher kein Extended Support benötigt. Für Windows- bzw. Datenbanklizenzen wird dies durch den IT-Dienstleister geprüft und bei Bedarf umgesetzt.

Wie viele Arbeitsrechner sind weiterhin mit Windows 10 oder niedriger in Betrieb?

Keiner, nicht umgestellt Endgeräte wurde deaktiviert und können erst nach Update auf eine aktuelle Version des Betriebssystems wieder genutzt werden.

 

d) Wie viele Arbeitsrechner mussten für die Umstellung auf Windows 11 ersetzt werden und welche Kosten sind dadurch entstanden?

Im Zuge der Umstellung wurden 510 Endgeräte ausgetauscht, die nicht kompatibel waren. Dabei handelte es sich um einen regulären Austausch der Endgeräte, weil diese ihre Lebensdauer erreicht hatten und damit sowieso getauscht werden mussten. Zusätzliche Kosten sind hierdurch nicht entstanden.

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