Anfrage: Bekommt Leipzig einen Kälteplan?
Anfrage vom 29. Juli 2026
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Das Umweltbundesamt empfiehlt, die kommunale Wärmeplanung um eine Kälteplanung zu ergänzen und sieht insbesondere in Großstädten ein relevantes Potential. Im Zuge der Novellierung des Wärmeplanungsgesetzes werden Kommunen ab 45.000 Einwohner*innen zur Kälteplanung verpflichtet.
Dieser Sommer hat auch in Leipzig wieder einmal gezeigt: Die Hitzebelastung nimmt zu und der Kühlungsbedarf steigt. Ab gewissen Temperaturen stoßen andere Maßnahmen wie Verschattung an Gebäuden an ihre Grenzen. Perspektivisch muss Leipzig sich auf das Thema Kühlung vorbereiten.
Eine Alternative zu Klimaanlagen, die ihre Umgebung im Außenbereich durch Abwärme weiter aufheizen, ist die Fernkälte. Ähnlich wie Fernwärme wird sie durch ein Rohrsystem zu den Gebäuden geführt. In Kältespeichern kann Kälte gespeichert werden. Einige Städte wie Hamburg, Chemnitz, München, Heidelberg, aber auch Wien und Paris nutzen bereits Fernkälte, vor allem für die Kühlung von Museen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Wohn- und Bürogebäuden oder Einkaufszentren. Fernkälte kann CO2-neutral erzeugt werden.
Insbesondere Wärmepumpen können zur Kühlung eingesetzt werden. Gegenüber konventionellen Klimaanlagen können über Fernkältesysteme der Energieverbrauch um bis zu zwei Drittel und die CO2-Emissionen mindestens um die Hälfte gesenkt werden. Bei Nutzung erneuerbarer Erzeugung kann Fernkälte klimaneutral erzeugt werden. Bei der gemeinsamen Planung und Nutzung bereits vorhandener Infrastrukturen für Erzeugung und Verteilung von Wärme können Synergien entstehen.
Wir fragen daher an:
- Welche Pläne gibt es in Leipzig bezüglich des Baus eines Fernkältenetzes und ggf. Kältespeichern?
- Welche Schritte sind geplant, um der absehbaren gesetzlichen Verpflichtung zur kommunalen Kälteplanung im Rahmen der Fortschreibung des kommunalen Wärmeplans nachzukommen?
- Wurde bereits eine Erfassung
a) zum Bestand an Kühlsystemen,
b) zum Bedarf an Kühlung in Leipzig durchgeführt?
Wenn ja, mit welchem Ergebnis? Wenn nein, ist eine solche Erfassung geplant?
- Welche städtischen Gebäude nutzen Kühlsysteme? Welcher Stromverbrauch ist damit verbunden? Wo ist die künftige Nutzung von Fernkälte vorstellbar?
- Wie stellt sich die technische Effizienz eines Fernkältesystems gegenüber strombasierter Kühlung dar?
- Welche Potenziale und Synergien zur Nutzung von Fernkälte ergeben sich in Leipzig aus erneuerbaren Energiequellen vorhandenen Verteilsystemen oder der kombinierten Nutzung mit Wärmeerzeugung?
- Mit welchen Investitionskosten rechnet die Stadt bei Ausbau eines Kältenetzes? Welche Fördermittel stehen dafür eventuell zur Verfügung?