Antrag: Erinnerung an die „Lille“ lebendig halten - Widerstand der Meuten im Leipziger Osten würdigen

Antrag vom 20. Juni 2025

Beschlussvorschlag:

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, eine differenzierte Form des Erinnerns an den Widerstand der Leipziger Jugend im Leipziger Osten gegen die nationalsozialistische Diktatur zu schaffen. Hierzu ist ein Beteiligungsprozess zu organisieren, der insbesondere Jugendliche vor Ort, Stadtbezirksbeirat, Kulturakteur*innen und Vereine vor Ort aktiv einbezieht. Hierfür sind angemessene Mittel im Doppelhaushalt 2027/2028 einzustellen und ist eine Realisierung bis Oktober 2028 vorzusehen.

Begründung:

Der jugendliche Widerstand gegen den Nationalsozialismus durch die Leipziger Meuten ist ein wichtiger Teil unserer Stadtgeschichte. Nachdem die Meuten in Wissenschaft, Kunst und Kultur zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen haben, wurde durch den Stadtrat die Schaffung eines Erinnerungsorts an die größte Gruppe der Meuten (Reeperbahn), welche im Leipziger Westen aktiv war, beschlossen. Dieser Erinnerungsort wurde mittlerweile als Denkmal an alle Leipziger Meuten am Lindenauer Markt realisiert. Mit dem Erinnerungsort wird ein wichtiger Teil der widerständigen Jugendkultur im Nationalsozialismus gewürdigt. Gleichwohl ist festzuhalten, dass dieser Erinnerungsort der Dezentralität der verschiedenen Orte, an denen die Meuten aktiv waren, nicht vollständig gerecht wird und ein Erinnern an den jeweiligen konkreten Orten nicht ersetzen kann. Schließlich beschränkte sich das Wirken der Meuten nicht auf den Leipziger Westen. Am Bernhardiplatz, damals Lilienplatz, im Leipziger Osten gab es - neben der zweiten großen Gruppe „Hundestart“ in Kleinzschocher - mit der „Lille“ eine dritte große Gruppe mit ca. 40 Mitgliedern. Im Oktober 1938 wurden mutmaßliche Rädelsführer der Meuten Hundestart und Lille wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« vor dem Leipziger Volksgerichtshof zu verhältnismäßig harten mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, infolge derer es teilweise zu Suiziden der Betroffenen kam. Der 90. Jahrestag in 2028 ist ein geeigneter Zeitpunkt für die Realisierung eines Gedenkorts im Leipziger Osten, um die Erinnerung an den Widerstand der Jugendlichen gegen den Nationalsozialismus auch hier lokal sichtbar zu machen. Geeignete Erinnerungsformen an den jeweiligen Wirkungsstätten der verschiedenen Meuten können dazu beitragen, in die Stadtteile auszustrahlen und das Erinnern im Kontext der jeweils verschiedenen Stadtteilkulturen zu ermöglichen.

Verwaltungsstandpunkt vom 06. August

Die Erinnerung an den Widerstand der Leipziger Jugend im Nationalsozialismus wird mit dem kürzlich eingeweihten „Meuten Memorial“ auf dem Lindenauer Markt bereits berücksichtigt. Ein weiterer Gedenkort zur Erinnerung an den jugendlichen Widerstand im NS ist nicht vorgesehen.

Begründung:

Im April 2025 wurde das ursprünglich vom Jugendparlament initiierte „Meuten Memorial“ auf dem Lindenauer Markt eingeweiht. Es steht stellvertretend für den Widerstand verschiedener Leipziger Meuten im Nationalsozialismus und beinhaltet auch das Gedenken an Meuten in anderen Stadtteilen, wie im Leipziger Osten. Ein weiterer Gedenkort zur Erinnerung an den jugendlichen Widerstand im NS ist nicht vorgesehen.

Das Theater der Jungen Welt (TdJW) hat in Kooperation mit dem Kollektiv Plus X für den Lindenauer Markt einen Gedenkort entwickelt, bestehend aus 3 Steinen (1,4 m x 0,5 m x 0,5 m), die zum Verweilen einladen. Die Steine tragen eine eingearbeitete LED-Laufschrift.

Der Stadtverwaltung ist bewusst, dass es im Stadtgebiet verschiedene Gruppen der Leipziger Meuten gab. Diesem „dezentralen Wirken“ trägt das „Meuten Memorial“ Rechnung, indem die eingearbeiteten LED-Schriften auf andere Orte der Meuten im Leipziger Stadtgebiet (u.a. in Reudnitz, Kleinzschocher, Connewitz) hinweisen. Das „Meuten Memorial“ bleibt durch die LED-Schrift flexibel wandelbar; und es ist vorgesehen, dass im Rahmen partizipativer Projekte der Inhalt der Aufschriften neu ausgerichtet werden kann.

Ein alternativer Ansatzpunkt für das Erinnern an die Meute „Lille“ im Leipziger Osten könnte sein, im Austausch mit dem Theater der Jungen Welt (TdJW) Ideen für die Bespielung der LED-Laufschriften des „Meuten Memorials“ zu entwickeln, die temporär eine bestimmte Meute herausgreifen. Der Gedenkort ist zudem mit einem QR-Code versehen, so dass eine Verlinkung zu weiterführenden Informationen im Internet möglich wird.

Darüber hinaus ist vorstellbar, dass weitere Theaterformate oder Vermittlungsprojekte im Leipziger Osten initiiert werden – ähnlich wie dies mit Johannes Herwigs „Bis die Sterne zittern“ 2023 im Werk 2 erfolgte oder mit Formaten rund um die Einweihung des „Meuten Memorials“ gemeinsam mit Sascha Lange.

Einen knappen Sachstand zu alternativen Erinnerungsformen kann dem Fachausschuss Kultur vorgestellt werden. Allerdings bleiben zivilgesellschaftliche Impulse für die Ideenentwicklung entscheidend.

 

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