Antrag gemeinsam mit der SPD-Fraktion: Anwendung des digitalen Vegetations- und Flächenmonitorings Urban Green Eye in der Verwaltung sicherstellen
Antrag vom 21. Oktober 2025
Link zum Antrag VIII-A-01923 im Ratsinformationssystem
Beschlussvorschlag:
Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Daten des digitalen Vegetations- und Flächenmonitorings Urban Green Eye öffentlich zur Verfügung zu stellen und sicherzustellen, dass auf dessen Basis geeignete digitale Fachanwendungen der Verwaltung entwickelt werden. Hierbei sind insbesondere die Kontrolle von Verpflichtungen aus Bauleitplanungen und städtebaulichen Verträgen (Baumpflanzungen und erhalt, Ausgleichsmaßnahmen) sowie das vom Stadtrat beauftragte Monitoring von Ver- und Entsiegelung zu berücksichtigen.
Begründung:
Mit dem Projekt Urban Green Eye wurde unter maßgeblicher Beteiligung der Stadt Leipzig ein satelliten- und KI-gestütztes cloud-basiertes Portal zur Erhebung klimaanpassungsrelevanter Indikatoren für die Integration in kommunale Verfahrensabläufe entwickelt. Damit ist es nun möglich, die Veränderungen von Grünbeständen digital zu erfassen und zu vergleichen. Das Tool kann eine geeignete Basis für zahlreiche Anwendungen von Management des städtischen Grün- und Baumbestandes bis hin zur Kontrolle von Baumpflanzungen und dem Monitoring von Ver- und Entsiegelung bilden. Hierzu ist es jedoch notwendig, entsprechende digitale Anwendungen zu entwickeln, die beispielsweise automatisch bei digital festgestellten Abweichungen zu Pflanzvorgaben eine Meldung an die Sachbearbeitung und weiterhin an dem verpflichteten Bauherrn generiert. Eine Umsetzung bietet das Potential, personalaufwendige Kontrollen vor Ort zu vermeiden und die Kontrollintensität zu erhöhen. Zugleich kann der Umsetzung des Monitorings zu Flächenver- und -entsiegelungen nachgekommen werden. Weitere Anwendungen sind denkbar.
Verwaltungsstandpunkt vom 20. Januar 2026
Alternativvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Daten aus dem Forschungsprojekt UrbanGreenEye:
- für das Stadtgebiet auf www.leipzig.de bzgl. der Indikatoren Überschirmung, Grünvolumen, Vitalität und Versiegelung öffentlich zur Verfügung zu stellen bis zum II. Quartal 2026 und
- in ein jährlich stadtweites Vegetations- und Versiegelungsmonitoring für die Jahre 2026 ff. zu überführen.
Sachverhalt:
1. Begründung des Vorschlags
Die im Projekt Urban Green Eye entstandenen Ergebnisse (Daten, Datenprodukte) leisten als weitere digitale Ressourcen einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung von verschiedensten Fachplanungen sowie von Digitalen Zwillingen in Leipzig und unterstützen vor allem das digitale Vegetations- und Flächenmonitoring. Die hier verarbeiteten Fernerkundungsdaten und daraus abgeleiteten Produkte sind durch eine hohe zeitliche Auflösung, eine mittlere Bodenauflösung und flächendeckende Verfügbarkeit gekennzeichnet. Damit stellen sie eine sinnvolle Ergänzung zu denen bereits im Basisdienst Geodateninfrastruktur Leipzig (GDI-L) integrierten, teilweise objektbezogenen Daten aus Fachsystemen (z. B. Baumkataster, Brachflächenkataster) und Sensorik (z. B. Feuchte- und Grundwasserpegelsensoren) dar. Die Ergebnisse sind sehr gut für stadtweite Monitoringaufgaben geeignet und können durch eine Veröffentlichung auch in weitere Anwendungsfälle eingebettet werden.
Insbesondere der Indikator Beschirmungsgrad (Baumüberschirmungsgrad), welcher wesentlich für die Ermittlung der geforderten Angaben gem. Art 8 der „Wiederherstellungsverordnung – Verordnung (EU) 2024/1991 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Juni 2024 über die Wiederherstellung der Natur und zur Änderung der Verordnung (EU) 2022/869“ beiträgt, ist dabei hervorzuheben. Dieser wurde durch die EU-Kommission als nationaler Indikator für die Ermittlung des Beschirmungsgrades in Deutschland anerkannt und dementsprechend durch den Deutschen Städtetag auch zur Anwendung empfohlen. Die Verordnung ist seit dem 18. August 2024 in Kraft getreten und damit rechtsverbindlich.
Weiterhin wird ein jährliches Monitoring zum Grünvolumen und zur Gehölzvitalität umgesetzt. Darüber hinaus wird aktuell im Amt für Umweltschutz ein Klimaanpassungsprogramm erarbeitet. Die Einbindung der flächendeckenden Informationen aus den Satellitenbilddaten des UrbanGreenEye-Projektes wie zum Beispiel Hitzebetroffenheitsindex, Versiegelungsgrad, Grünvolumen und Vitalität stehen ebenfalls für ein Monitoring von Klimaanpassungsmaßnahmen zur Verfügung.
Sowohl für die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses Nr. VII-02929 „Flächenverbrauch reduzieren - Strategie für Netto-Null-Versiegelung bis 2030 entwickeln“ als auch für die Umsetzung des Beschlusses Nr. VII-A-06824 „Doppelte Innenentwicklung“ ist die Nutzung des satellitengestützten Versiegelungsmonitorings aus UrbanGreenEye von großer Bedeutung und kann ein Monitoring des Flächenverbrauchs unterstützen. Nach den übergeordneten politischen Vorgaben aus der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes und des Freistaates Sachsen ist der Flächenverbrauch durch Siedlung und Verkehr zu reduzieren. Diese Ziel ist in einschlägigen Rechtsnormen wie z.B. dem BauGB (Gebot des sparsamen Umgangs mit Boden) verankert.
Auch der Planungsgrundsatz „Doppelte Innenentwicklung“ dient der Reduzierung des Flächenverbrauchs, in dem zur Schonung von Flächenneuinanspruchnahme im Außenbereich auf eine Nachverdichtung im Innenbereich gesetzt wird. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die ökologische, soziale und ökonomische Aspekte berücksichtigt, ist dabei neben der baulichen Entwicklung gleichzeitig die grün-blaue Infrastruktur zu erweitern und zu qualifizieren.
Die Kontrolle von Verpflichtungen aus Bauleitplanungen und städtebaulichen Verträgen kann nicht mit den aktuell zur Verfügung stehenden Daten realisiert werden.
2. Sachstandsbericht
Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung von Daten aus UrbanGreenEye:
Die gewonnenen Daten zeichnen sich durch eine hohe zeitliche Auflösung und eine mittlere räumliche Auflösung (10 x 10m bzw. 30 x 30m für die Oberflächentemperatur) aus. Damit sind diese sehr gut für strategische und stadtweite Fragestellungen geeignet. Bei kleinräumigen und mikroskaligen Fragestellungen ist dagegen auch weiterhin auf hochaufgelöste Bildflugdaten zurückzugreifen.
Allerdings kann bei einer Auflösung von 10 x 10m insbesondere beim Monitoring des urbanen Grüns bereits eine beachtliche Detailschärfe und damit Aussagekraft erreicht werden.
Inwieweit die aus dem Forschungsvorhaben vorliegenden Datengrundlagen für ein konkretes Monitoring von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Sinne einer Umsetzungskontrolle und eines Monitorings der Erfolgskontrolle geeignet sind, ist mit konkreten Anwendungsbeispielen ab dem Jahr 2026 folgende zu überprüfen. Diese Anwendung war nicht Gegenstadt des Forschungsvorhabens und wird auch künftig keine Überprüfungen vor Ort ersetzen können.
Hinsichtlich des beabsichtigten Monitorings der Versiegelung ist ein Rückgriff auf die Daten ebenfalls sinnvoll und zielführend. Auswertungen auf Luftbildbasis lassen zwar generell eine größere Detailschärfe zu, sind allerdings nicht kontinuierlich verfügbar und bedürfen eines hohen finanziellen Aufwandes zur Ermittlung des Versiegelungsgrades. UrbanGreenEye liefert im Gegensatz dazu jährliche Angaben, welche somit in ein kontinuierliches Monitoring überführt werden können.
Personalaufwand:
Die bisherige personelle Bearbeitung im Projekt erfolgte durch die 100-%ige Förderung u. a. einer Personalstelle (1,0 VzÄ) im Rahmen der Förderrichtlinie „Entwicklung und Implementierungsvorbereitung von Copernicus Diensten für den öffentlichen Bedarf zum Thema Klimaanpassungsstrategien für kommunale Anwendungen in Deutschland“ des vormaligen Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Diese Förderung endet zum 31.12.2025. Alle weiteren Entwicklungen und Anpassungen erfolgen unter Nutzung vorhandener Kapazitäten.
3. Zeitplan
Zu Beschlusspunkt 1: bis zum II. Quartal 2026
Zu Beschlusspunkt 2: fortlaufend ab 2026