Antrag: Graue Energie und Treibhausgaspotenziale bei Bauvorhaben reduzieren

Antrag vom 16. Februar 2021

Beschlussvorschlag:

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Graue Energie und das entsprechende Treibhausgaspotenzial von Bauvorhaben zu reduzieren. Dabei sind Bauvorhaben in Form von Gebäuden und Anlagen der Infrastruktur zu berücksichtigen. Gegenstand der Reduktionsmaßnahmen sind Bauvorhaben der Kommune, der kommunalen Unternehmen sowie von privaten Vorhabenträger*innen.

Insbesondere sollen die folgenden Punkte berücksichtigt werden:

  1. Die Graue Energie und das Treibhausgaspotential sollen als Indikatoren bei Bauvorhaben in den verschiedenen Stufen des Planungsprozesses (insbesondere bei Variantenuntersuchungen) bilanziert und ausgewiesen werden.
  2. Die aktualisierte Energieleitlinie der Stadt soll die Graue Energie und das Treibhauspotential von Bauvorhaben berücksichtigen und dabei Standards für eine Reduktion formulieren.
  3. Ein Förderprogramm und entsprechende Informationsmaterialien sollen aufgesetzt werden, um Bauherr*innen zu unterstützen und die Verbreitung von energiearmen und ressourcenschonenden Baustoffen und Materialien zu fördern.
  4. Im Rahmen der Bauleitplanung soll in Abstimmung mit den Vorhabenträger*innen darauf hingewirkt werden, die Graue Energie und das Treibhausgaspotential zu reduzieren.
  5. Die Stadtverwaltung gewährleistet insbesondere in Stadtplanungsamt, Amt für Gebäudemanagement, Verkehrs- und Tiefbauamt sowie Referat für Nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz eine entsprechende Weiterbildung von Mitarbeitenden und Berücksichtigung von Qualifikationsnachweisen bei der Neubesetzung von Stellen.
  6. Building Information Modelling (BIM) soll als Standard bei der Planung für Stadtverwaltung, Planende und Betreibende aufgenommen werden, um entsprechende Variantenuntersuchungen zur Gesamtenergiebilanz einfacher ausführen zu können.

 

Begründung:

Die Klimakrise macht keine Pause. Trotz der geringeren Treibhausgasemissionen durch Lockdowns war das Jahr 2020 wieder eins der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Stadt Leipzig hat die Klimakrise anerkannt und den Klimanotstand ausgerufen. Es ist unabdingbar, volle Verantwortung für Treibhausgasemissionen zu übernehmen. Dazu zählen auch vor- und nachgelagerte Prozesse, die von Akteur*innen in der Stadt wesentlich beeinflusst werden können.

Die Baustoffherstellung macht ca. 8% der Treibhausgasemissionen in Deutschland aus. Bei einem typischen Neubau gehen ca. 50% des Energieverbrauchs auf die Herstellung der Materialien zurück. Um alle Einsparpotenziale auszuschöpfen, müssen Energieaufwände und Treibhausgasemissionen des gesamten Lebenszyklus berücksichtigt werden. Zum gesamten Lebenszyklus zählen neben dem Betrieb auch vor- und nachgelagerte Prozesse wie Herstellung und Entsorgung von Baumaterialien sowie Errichtung, Erhalt und Rückbau.

Das Klimasofortmaßnahmenprogramm berücksichtigt viele Belange des Kilmaschutzes. Auch das Energie- und Klimaschutzkonzept bietet umfassende Ansatzpunkte. Auf dieser Basis gilt es, künftig graue Energie und graue Emissionen explizit zu berücksichtigen. Die klimagerechte Stadtentwicklung und Bauleitplanung soll mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus von Gebäude und Anlagen der Infrastruktur durchgeführt werden. Bauleitplanungen müssen Klima- und Ressourcenschutz über den Lebenszyklus fokussieren. Bei den Förderprogrammen der Stadt kann sich z.B. an der Stadt München orientiert werden, die die Verwendung von regionalen und klimafreundlichen Baustoffen finanziell fördert. Vorteile ergeben sich nicht nur in ökologischen Belangen, sondern auch darin, dass die Stadt Leipzig sich fit macht für kommende europäische und nationale Förderprogramme, die auf nachhaltiges Bauen ausgerichtet sein werden. Beispielsweise ist hier die Initiative des neuen „europäischen Bauhauses“ im Rahmen des „europäischen Grünen Deals“ zu nennen.

Nach 30 Jahren Forschung und 12 Jahren Erprobung stehen Methoden und Instrumente zur Berücksichtigung der Grauen Energie für Konstruktion zur Verfügung. Grundlage dafür bietet die Methode der Ökobilanzierung unter Berücksichtigung entsprechender Normen für Grundsätze und Vorgehensweisen (DIN EN ISO 14040 und DIN EN ISO 14044), Gebäude (DIN EN 15978) und
Bauprodukte und Dienstleistungen (DIN EN 15805). Kostenfreie Datenbanken sind bereitgestellt vom Bundesbauministerium (BMUB) (www.ökobaudat.de) und Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung (BBSR) („eLCA“ https://www.bauteileditor.de). Darüber hinaus können die Kriterien und Hilfestellungen des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), Referat Bauingenieurwesen, Nachhaltiges Bauen, Bauforschung (https://www.bnb-nachhaltigesbauen.de), die Toolbox „Klimaneutrales Bauen“ (https://www.dgnb.de/de/themen/klimaschutz/toolbox) der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) berücksichtigt werden. Weitere Informationen können z.B. aus „Gemeinsamer Aufruf: Den ganzen Lebenszyklus beim Bauen in den Blick nehmen - eine Schlüsselfrage für den Klimaschutz“ (Deutsche Umwelthilfe et al. 2021) oder dem Factsheet „Die graue Energie: Der entscheidende Hebel für Klimaschutz beim Bauen“ (Bauwende e. V. 2020) entnommen werden.

 

 

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