Antrag: Haltestellen werden cool: Verbesserung der Verschattung an Leipziger Haltestellen zur Klimaanpassung und Erhöhung der Aufenthaltsqualität

Antrag vom 21. Mai 2026

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Beschlussvorschlag:

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, 

  1. gemeinsam mit den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) ein kurz- und mittelfristiges Konzept zur signifikanten Verbesserung der Verschattung an ÖPNV-Haltestellen zu entwickeln und Möglichkeiten der Umsetzung zu prüfen.
    Fokus für Möglichkeiten der Umsetzung soll auf niedrigschwelligen Maßnahmen, Umsetzungen im Zuge von ohnehin laufenden Maßnahmen, bei notwendigen Instandsetzungen oder Verkehrssicherungsmaßnahmen liegen.
  2. dem Stadtrat bis zum vierten Quartal 2026 einen Sachstandsbericht über die Gespräche mit den LVB und erste Arbeitsergebnisse der im Hitzeaktionsplan vorgesehenen "AG Hitzeanpassung im ÖPNV" vorzulegen. 
  3. in Zusammenarbeit mit den LVB mögliche Fördermittel auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene für die Umsetzung dieser Maßnahmen zu prüfen und zu beantragen.
  4. mindestens in die Neuausschreibung der Außenwerbekonzession ab dem Jahr 2034 die notwendigen Kriterien und Maßnahmen des erarbeiteten Konzepts zur Verbesserung der Verschattung an Haltestellen zur Klimaanpassung und Erhöhung der Aufenthaltsqualität einfließen zu lassen. 

Begründung:

Das Konzept soll folgende Maßnahmen prüfen und gegebenenfalls vorschlagen: 

  1. Installation von zusätzlichen Verschattungselementen an bestehenden Wartehäuschen und offenen Haltestellenbereichen. Natürliche, kostengünstige Verschattungsmöglichkeiten (z. B. Baumpflanzungen oder Rankhilfen für Kletterpflanzen) im direkten Umfeld von Haltestellen sollten priorisiert untersucht werden, unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit und der Sichtbeziehungen. 
  2. Einsatz von nachhaltigen, klimaresilienten Baustoffen und Bauweisen bei Neu- und Umbaumaßnahmen von Haltestellen.  
  3. Integration weiterer Hitzeanpassungsmaßnahmen z. B. Installation von Trinkbrunnen in Haltestellenbereichen.  
  4. Priorisierung von Haltestellen mit besonders hoher Frequenz, geringem Schutz im Bestand und/ oder hohem Risiko für Hitzebelastung (z. B. auf großen, offenen Plätzen oder an Hauptverkehrsachsen). An besonders sonnen- und hitzebelasteten Haltestellen soll die Maßnahmenumsetzung kurzfristig erfolgen, um Erfahrungen für die Umgestaltung weitere Haltestellen zu gewinnen. 

Der Klimawandel führt zu einer Zunahme von Hitzetagen und intensiver Sonneneinstrahlung, insbesondere in den Sommermonaten. Öffentliche Räume müssen jetzt an diese neuen klimatischen Bedingungen angepasst werden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürger*innen zu schützen. Haltestellen sind wichtige Orte des öffentlichen Lebens, an denen täglich Tausende von Menschen, darunter besonders vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen, auf ihre Verkehrsmittel warten. Das von der Stadt gewünschte und geförderte nachhaltige Mobilitätsverhalten der Bürger*innen bedarf einer Klimawandelanpassung der gesamten Nutzung des ÖPNV. Die umschließt neben dem Aufenthalt in den Bussen und Bahnen (Klimatisierung der Fahrzeuge) auch die Wartezeiten an den Haltestellen. In künftig immer heißeren Sommermonaten muss der ÖPNV nutzbar bleiben, damit er weiter einen Beitrag zur klimagerechten Mobilität leisten kann. Angenehm kühle Wartebereiche fördern zusätzlich die Aufenthaltsqualität in stark frequentierten Bereichen des öffentlichen Raums und tragen so zur sozialen und gesundheitlichen Resilienz aller Leipziger*innen bei. 

Aktuell bieten viele der bestehenden Fahrgastunterstände (FGU) in Leipzig nur unzureichenden Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Obwohl in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen wurden, moderne Wartehäuschen mit Gründächern und Solarmodulen zu installieren, tragen diese nicht zur ausreichenden Verschattung der Wartebereiche bei. Sie verschatten nur kleine Teilbereiche der Haltestellen, bei schräg stehender Sonne auch nicht vollständig. Gerade zu Stoßzeiten ist deshalb ein Großteil der wartenden Fahrgäste gezwungen, in der prallen Sonne zu stehen. Dies führt an heißen Tagen zu einer erheblichen Belastung für die wartenden Menschen, fördert Vermeidungsverhalten, mindert die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs und setzt Fehlanreize zur Nutzung des auf ganzer Wegekette klimatisierten Autos. 

Durch Begrünung mittels Bäumen, Rankhilfen für Kletterpflanzen o.ä. können nicht nur größere Wartebereiche flächendeckend verschattet werden, sondern es wird zusätzlich ein verstärkter Kühlungseffekt gegenüber der bereits begrünten Haltestellendächern eines Fahrgastunterstands erreicht. 

Der Hitzeaktionsplan der Stadt Leipzig (VII-DS-10035) enthält als Maßnahme 10 bereits das Vorhaben, im Lauf der Jahre 2025/26 beim Bau neuer Haltestellen Verschattungselemente "in Betracht zu ziehen". 

Dies erachten wir als deutlich zu unambitioniert. Der Antrag soll das Vorhaben forcieren. Der Aufbau hitzeangepasster Haltestellenbereiche muss wesentlich schneller erfolgen und deshalb müssen auch Lösungen für bestehende Haltestellen entwickelt werden. 

Im Rahmen der Priorisierung der möglichst kurzfristigen Maßnahmenumsetzung zur Gewinnung praktischer Erfahrungswerte mit einzelnen Maßnahmenoptionen sollten besonders sonnen- und hitzebelastete Haltestellen entsprechend der Klimaanalysekarte Tag der Stadt Leipzig vorrangig berücksichtigt werden. Dazu gehören beispielsweise die Haltestellen Wilhelm-Leuschner-Platz, Augustusplatz, Lindenauer Markt und Hauptbahnhof, welche aus diesem Grund als Pilotprojekte vorgeschlagen werden. 

Dabei sollen gezielt Verschattungsmethoden praktisch getestet werden, die dann standardisiert und so kostengünstig an einer größeren Zahl von Haltestellen skaliert werden können. Die Konzepte sind so zu erstellen, dass auch bestehende Haltestellen, an denen in nächster Zeit keine größeren Umbaumaßnahmen geplant sind, von der Verschattung profitieren können. Bei der Abschätzung der Kosten sind diese möglichen Mindereinnahmen durch Fahrgastverluste bzw. Folgekosten vermehrter MIV-Nutzung an Hitzetagen gegenüberzustellen. 

Eine verbesserte Verschattung an Haltestellen ist ein wichtiger Beitrag zur Klimaanpassung im urbanen Raum, steigert die Aufenthaltsqualität für die Fahrgäste und fördert die Nutzung des umweltfreundlichen ÖPNV. Es geht nicht nur um den Schutz vor Sonne und Hitze, sondern auch um die Schaffung angenehmerer Wartebedingungen, die zur Wertschätzung und Nutzung des öffentlichen Raums beitragen. 

 

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