Antrag: IBA Internationale Bauausstellung muss nach Leipzig kommen

Beschlussvorschlag:

Der Oberbürgermeister wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die derzeit im Aufbau befindliche IBA Internationale Bauausstellung Sachsen in Leipzig oder als gemeinsame IBA von Stadt und Region durchgeführt wird.


Begründung:

Internationale Bauausstellungen sind ein Sonderformat der Stadt- und Regionalentwicklung. Während die ersten IBAs vor allem mit ihrer Architektur Neuland betraten, haben sich Internationale Bauausstellungen in ihrer räumlichen Dimension und gesellschaftlichen Bedeutung seither stark verändert. Heute sind IBAs Baukultur-Ausstellungen, die neben ästhetischen und technologischen Aspekten zunehmend komplexe soziale, wirtschaftliche und ökologische Fragen in ihre Arbeit einbeziehen.

Nachdem IBAs bereits in Sachsen-Anhalt und in Thüringen stattgefunden haben, ist eine IBA in Sachsen eine große Chance, um die vielfältigen Herausforderungen im Planen und Bauen in Sachsen und Leipzig exemplarisch in Pilotprojekten zu untersuchen, Lösungen zu finden und beispielhaft umzusetzen. Die Stadt Leipzig ist dafür prädestiniert, setzt sie doch seit vielen Jahren Architektur-, Stadtplanungs- und Stadtentwicklungsprojekte auf hohem Niveau um und hat nicht zuletzt mit der Leipzig-Charta einen europaweiten Standard für die Entwicklung der Städte, Gemeinden und Regionen gesetzt.

Da sich bereits eine Initiative IBA Impulsregion Leipzig (www.iba-impulsregion-leipzig.de) gegründet hat und der Ministerpräsident einen STARK-Bewilligungsbescheid an den Verbandsvorsitzenden des Kommunalen Forum Südraum Leipzig übergeben hat, besteht die Sorge, dass dieses wichtige Format an der Stadt Leipzig vorbeigeht. Die Stadt Leipzig sollte dringend dafür Sorge tragen, dass sie in diesem Projekt als wichtige Akteurin in der Region auftritt. Nicht zuletzt werden durch eine IBA erhebliche Fördermittel und privates Kapital aktiviert, die die Stadt Leipzig dringend braucht, um ihre positive Entwicklung weiter vorantreiben zu können.

Um die Dimension einer IBA aufzuzeigen, sei auf die IBA Emscher Park verwiesen, die von 1989 bis 1999 im Ruhrgebiet stattfand und ein großes Strukturwandelprojekt war, um die Region von einer Industrie- zu einer Kulturlandschaft zu transformieren. In diesem Zeitraum wurden rund 2,5 Milliarden Euro investiert. Die Finanzierung erfolgte durch öffentliche Mittel von Bund, Ländern, und Kommunen sowie durch europäische Fördermittel. Die Internationale Bauausstellung IBA Stadtumbau Sachsen-Anhalt fand von 2002 bis 2010 statt und konzentrierte sich auf den Stadtumbau in Regionen mit starkem Bevölkerungsrückgang, vor allem in den Städten Sachsen-Anhalts. Die Investitionen beliefen sich auf rund 90 Millionen Euro, finanziert durch öffentliche Gelder des Bundes, des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Europäischen Union. Die IBA Thüringen startete im Jahr 2012 und hatte ihr Präsentationsjahr im Jahr 2023. Die Exponate der IBA Thüringen sind die 41 Projekte in ganz Thüringen, viele als fertige Objekte, andere noch im Bau, einige stellen sich als Konzepte oder Netzwerke dar. Es wurden rund 120 Mio. investiert.

Die benannten Beispiele zeigen die Vorteile auf, die eine IBA in Sachsen für Leipzig bieten würde.

 

Verwaltungsstandpunkt vom 21.05.2025

Das Anliegen des Antrages wird bereits berücksichtigt.

Begründung des Vorschlags:

Die Initiative der IBA-Impulsregion Leipzig, kam bereits vor Beginn der Prä-IBA-Phase, welche mit Bewilligungsbescheid des STARK-Programms am 1.6.2024 startete, auf die Stadt Leipzig zu, um ein Mitwirken der Stadt zu ermöglichen. Die Stadt ist daher seit April in den Arbeitsgremien der IBA verstreten. In der Entscheidungsgebenden Steuerungsgruppe war seit Mitte 2024 der Bürgermeister und Beigeordnete für Umwelt, Klima, Ordnung und Sport und ist seit März 2025 der Bürgermeister und Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bau vertreten. Auf der Arbeitsebene sind insbesondere das Stadtplanungsamt und das Amt für Stadtgrün und Gewässer aktiv eingebunden.

Unabhängig davon, dass die inhaltlichen und organisatorischen Impulsgeber und Initiatoren aus dem Leipziger Südraum die Federführung inne haben, ist die im Antrag geforderte aktive Einbringung und gemeinsame Gestaltung einer IBA für die Region, d.h. für Stadt und Region, bereits durch die Mitwirkung der Stadt an den Arbeitsprozessen gewährleistet.

Sachstandsbericht:

Der Region um Leipzig steht durch Kohleausstieg und dadurch bedingten Transformationsprozessen in Energieerzeugung und Wirtschaftsprozessen, globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel sowie einer Gleichzeitigkeit von Wachstum und demographischem Wandel in der Region, erneut ein erheblicher zweiter Strukturwandel innerhalb einer Generation bevor. Um einen modellhaften, innovativen, zukunftsfähigen Prozess zur Gestaltung dieses Strukturwandels im sächsischen Teil des Mitteldeutschen Reviers unter Einbeziehung von Wirtschaft, Bürgerschaft und Expertentum aus Sachsen, Deutschland und Europa durchzuführen, soll eine Internationale Bauausstellung (IBA) unter dem aktuellen Titel „Impulsregion Leipzig“ als ein strukturpolitisches Dach für den Kohleausstieg initiiert werden. Unter den drei thematischen Säulen „Zirkuläres (Um)Bauen, Klimaresiliente und Demokratische Landschaften“ (s.u.) wird aktuell eine Prä-IBA-Phase zur Untersuchung der Machbarkeit durchgeführt. Die Realisierungsphase der IBA ist von 2026 bis 2036 geplant, um eine qualitätvolle Umsetzung des Strukturstärkungsgesetzes zu befördern.

Federführende Initiatoren des Prozesses sind u.a. das Kommunale Forum Südraum Leipzig, DOKMitt e.V. und der Deutsche Werkbund Sachsen e.V. Das Kommunale Forum Südraum erhielt am 30.05.2024 einen Bewilligungsbescheid für die Finanzierung der o.a. Prä-IBA-Phase, welche vom 01.06.2024 bis 31.12.2025 durchgeführt und über das STARK-Programm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird. Im Rahmen dieser 18-monatigen Arbeitsphase werden die Machbarkeitsstudie erarbeitet und verschiedene Fachwerkstätten durchgeführt. Die Arbeit wird, wie bei Internationalen Bauausstellungen üblich, von einem externen fachlich hochbesetzen Fachbeirat begleitet.

Bislang fanden Fachwerkstätten (eine Auftakt- und zwei inhaltliche Werkstätten) statt. Ein Zwischenbericht der Machbarkeitsstudie wurde im März 2025 allen Mitgliedern der Arbeits- und der Steuerungsgruppe vorgestellt.

Die drei thematischen Säulen der IBA werden im Rahmen der Machbarkeitsstudie untersetzt und gemeinsam mit den Vertretern der Arbeits- und Steuerungsgruppe, dem Fachbeirat und Vertretern aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft und Fachverbänden diskutiert:

  • Nachhaltig bauen und umbauen – zirkuläre Ansätze, Prozesse, Technologien und Materialien für das Handwerk, den Neubau vor allem aber die Bestandspflege aufbauen und entwickeln,
  • Ressourcen schützen und Landschaft gestalten – regenerative Ansätze für den Erhalt, das Bewirtschaften und Weiterentwickeln der natürlichen Schätze der Region finden,
  • Demokratisch planen und bauen – neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Kommunalpolitik und -verwaltung, Bürgerinnen und Bürgern sowie weiteren Akteuren – auf Augenhöhe – beim Planen und Bauen und der identitätsstiftenden baulichen und räumlichen Gestaltung vorschlagen und anwenden.

Wenngleich eine finale übergreifende thematische Zielsetzung und Definition des Alleinstellungsmerkmals für die Region Leipzig im Verhältnis auch zu früheren oder aktuellen IBAs aktuell weiter untersetzt wird, finden sich zu diesen drei Themenfeldern zahlreiche relevante Anknüpfungspunkte an Herausforderungen, die im Stadtgebiet Leipzig im Zusammenspiel mit der Region entwickelt werden können und müssen. Im Laufe der nächsten Monate werden im Zuge der sich kontinuierlich entwickelnden Machbarkeitsstudie mögliche Schwerpunktthemen oder -projektansätze für die Stadt Leipzig dezernatsübergreifend weiter herausgearbeitet.

Entsprechend des Ergebnisses der Machbarkeitsstudie und den daraus folgenden Möglichkeiten zur Finanzierung und zur Umsetzung, würde die tatsächliche IBA im Jahr 2026 für einen Zeitraum von 10 Jahren starten. Sollte dies gelingen, ist beabsichtigt, dass sich die Stadt Leipzig auch in die Umsetzungsphase aktiv und impulsgebend einbringen wird.
Zu gegebenem Zeitpunkt wird hierzu eine Entscheidungsvorlage in den Stadtrat eingebracht.

Aktuelle Informationen sind in Anlage 1 sowie unter https://www.iba-impulsregion-leipzig.de/ zu finden.

Zeitplan:

Prä-IBA Phase: 01.06.2024 bis 31.12.2025

Vorr. Umsetzungsphase IBA: 2026-2036

 

Beschluss der Ratsversammlung am 27. August 2025

Der Antrag wurde nach einer Rede als erledigt zurückgezogen.

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