Antrag: Klimaanpassung und Biodiversität fördern - keine Neupflanzungen mit invasiven Arten
Antrag vom 20. Mai 2026
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Beschlussvorschlag:
Der Oberbürgermeister wird beauftragt,
- bei städtischen Pflanzungen (Stadtbäume sowie Bäume in Parks und Grünanlagen) ab dem 4. Quartal 2026 auf Gehölze aus der Liste „Gehölze mit Angaben zu Wuchs, Standort, besonderen Eigenschaften sowie Einstufung nach Eignung zur Förderung der Biodiversität“ des Instituts für Vegetationskunde und Landschaftsökologie (IVL) der Kategorien 1a, 1b und 2 zurückzugreifen. Auf Neupflanzung invasiver Arten wird verzichtet. Dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Ordnung wird im 4. Quartal 2026 ein erster Sachstand gegeben.
- die der Begrünungssatzung anhängende GALK-Liste (Anlage 2) zu ersetzen mit einer Liste der Kategorien 1a, 1b und 2 des IVL. Ein entsprechender Beschlussvorschlag ist dem Stadtrat bis zum 4. Quartal 2026 vorzulegen.
Begründung:
Die Stadt Leipzig nutzt für Baumpflanzungen die GALK-Liste [1] und empfiehlt diese auch für private Pflanzungen im Zusammenhang mit der Begrünungssatzung. Die Liste steht jedoch in der Kritik, da sie viele nicht-heimische, z.T. invasive Arten enthält, die nicht ausreichend zur Artenvielfalt beitragen, da sie als Nahrungsquelle für Tiere, wie Bienen, Vögel und Säugetiere, oft nicht nutzbar sind.
Leipzig ist “Kommune der biologischen Vielfalt”. Der Stadtrat hat zudem beschlossen, Maßnahmen gegen invasive Arten zu ergreifen und auch eine Abkehr von der bisherigen städtischen Empfehlung zur Pflanzung invasiver Arten einzuleiten (Protokollnotiz zu Beschluss VII-A-07605-NF-03). Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, wieso nicht ausschließlich Pflanzungen (bzw. Empfehlungen für Pflanzungen) für ökologisch und klimatisch angepasste Arten erfolgen, sondern weiterhin z.T. invasive und ökologisch nicht wertvolle Arten eingesetzt werden.
Zu1)
Der NABU hat Neupflanzungen von Straßenbäumen in Leipzig von 2019-2023 analysiert und festgestellt, dass nur etwa 10 % heimische Arten waren, 3 % der Pflanzungen waren invasive Arten. Baumpflanzungen in Parks und Grünanlagen bestanden zu 37 % aus heimischen Arten und zu 6 % aus invasiven Arten [2]. In sehr vielen Fällen werden zudem Zuchtformen gepflanzt, auf die die hiesige Fauna nicht spezialisiert ist und die somit auch nicht primär biodiversitätsfördernd wirken.
Um sowohl die Klimawandelanpassung als auch die Biodiversitätskrise bei Neupflanzungen zu bedenken, beantragen wir, künftig auf invasive Arten zu verzichten und Gehölze zu verwenden, die sowohl biodiversitätsfördernd sind als auch an den Klimawandel angepasst sind.
Das Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie (IVL) hat speziell für Leipzig im Rahmen der Erstellung des Parkpflegekonzepts eine Gehölzliste erarbeitet, welche eine sehr gute Grundlage bietet. Sie listet in den Kategorien 1a, 1b und 2 weit über 50 Gehölzarten, welche heimisch mit hohem Beitrag zur Biodiversität (Kategorie 1a), heimisch mit nennenswertem Beitrag zur Biodiversität (1b) und nicht-heimisch mit hohem Beitrag zur Biodiversität (2) sind.
Zu 2)
In Antwort auf die Einwohneranfrage VIII-EF-02140 lehnt die Verwaltung aktuell eine Anpassung der Gehölzliste in der Begrünungssatzung ab, schließt diese aber für die Zukunft nicht aus. Wir wollen mit dem vorliegenden Antrag nun auf eine Umsetzung drängen. Der wiederholte Verweis des Amts für Stadtgrün und Gewässer, dass diese Liste nur eine Empfehlung und nicht abschließend sei, ist nicht hilfreich, da sich Privatleute, Planungsbüros, Bauunternehmen etc. nach Belieben Bäume und Sträucher aus der Liste aussuchen und im Zweifel keine weitere Prüfung bezüglich der Umweltverträglichkeit vornehmen. Daher ist es entscheidend, dass die Verwaltung hier eine verantwortungsbewusste Vorauswahl trifft und nur Gehölze empfiehlt, welche auch sinnvoll eingesetzt werden können - sowohl in Bezug auf Klimawandelanpassung als auch in Bezug auf Biodiversität.
Hierbei sollen ebenfalls die Kategorien 1a, 1b und 2 der vom Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie für Leipzig erstellten Liste herangezogen werden.
Quellen:
[1] Stadt Leipzig, Baumpflanzungen.