Antrag: Leipzig wird altersfreundliche Stadt
Antrag vom 18. September 2025
Link zum Antrag im Ratsinformationssystem
Beschlussvorschlag:
Die Ratsversammlung beschließt:
- Die altersfreundliche Stadt wird strategisches Ziel für die Stadt Leipzig.
- Die Initiierung des WHO-Projekts "Altersgerechte Stadt" wird eine übergreifende und generationenverbindende Arbeitsgrundlage für die Stadt Leipzig.
- Der Oberbürgermeister erstellt in einer umfassenden Dialogoffensive unter Einbindung aller relevanten Institutionen und Engagierten einen Aktions- und fortfolgend einen 3-jährlichen Umsetzungsplan zur altersfreundlichen Stadt Leipzig.
- Leipzig strebt die Aufnahme in das WHO-Netzwerk „Age-friendly Cities“ an.
Begründung:
Leipzig ist jung, auch unsere Älteren sind jung. Wir wollen sie gewinnen, weiterhin tatkräftig für unsere Stadtgesellschaft engagiert dabei zu sein. Expert*innen meinen: „Altersfreundliche Kommunalpolitik … bedeutet, in fast allen Aufgabenbereichen altersgruppenübergreifende Strategien zu entwickeln … heißt, dass die „klassische“ Seniorenarbeit mit Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse der älteren Bevölkerung in Zukunft nicht ausreichen wird. Die aktive Einbindung der Älteren in die Stadtentwicklung ist erforderlich!“[1] Wir schätzen das Wissen und die Ressourcen älterer Leipziger*innen hoch und wollen diesen Schatz sichtbar und nutzbar machen.
Zunächst ist eine Analyse zum bereits weit entwickelten Ist-Stand mit einer Fehlstellen-Betrachtung zu erheben und der Handlungsbedarf zu klären. Um Altersfreundlichkeit zu priorisieren, ist eine strategische Umsetzung wesentlich. Damit Altenfreundlichkeit erlebbar ist, muss sie in den Quartieren ansetzen. Hier müssen Gesundheitsvorsorge und Pflege bedarfsgerecht angeboten werden und eine Infrastruktur für Aktives Altern und Engagement vorgehalten werden. Insbesondere in der einkommensarmen Boom-Stadt Leipzig müssen Maßnahmen gegen Altersarmut ergriffen werden. Die Unterstützung der Digitalisierung älterer Menschen ist unerlässlich für ihre Teilhabe.
Internationaler Standard und Synergieeffekte
Das Programm "Age-Friendly-Cities" ist ein anerkannter internationaler Standard, der Leipzigs Weltoffenheit unterstreicht und auch relevant bei Bewerbungen um sportliche und kulturelle Großveranstaltungen ist. Das Programm basiert auf acht eng miteinander verbundenen Themenbereichen, die das Leben in Leipzig insbesondere für ältere Menschen verbessern sollen. Dazu gehören:
- sichere und barrierefreie öffentliche Räume, sturzfreie Fußwege und Wohnungen
- ein zugängliches, bezahlbares und sicheres öffentliches Verkehrssystem
- Verfügbarkeit von bezahlbarem und barrierearmem Wohnraum
- soziale und kulturelle Freizeitangebote
- eine Gesellschaft, die ältere Menschen wertschätzt und ihre aktive Teilnahme fördert
- Möglichkeiten für freiwillige Arbeit und bezahlte Anstellungen
- zeitnahe, verständliche und niedrigschwellige Information und Kommunikation
- gut erreichbare Gesundheits- und Unterstützungsdienste
Der systematische Ansatz ermöglicht, eine kohärente und langfristige Vision für die Stadtentwicklung zu verfolgen, anstatt auf Einzelmaßnahmen zu beschränken.
Der Aktionsplan soll folgende Schritte beinhalten:
- Erfassung der aktuellen Situation und Identifizierung spezifischer Bedürfnisse aller Altersgruppen in Leipzig
- Erarbeitung klarer Strategien und Ziele zur Förderung einer altersfreundlichen Umgebung
- Sicherstellung der politischen Unterstützung und formale Beschlussfassung der notwendigen Maßnahmen im Stadtrat
- Implementierung der Maßnahmen und kontinuierliche Überwachung des Fortschritts
- aktiver Austausch und Aufbau von Kooperationen mit relevanten Akteur*innen sowie der Öffentlichkeit
Mit dem Beschluss demonstriert Leipzig sein Engagement für eine inklusive und altersgerechte Stadt, die den demografischen Wandel als Chance begreift.
[1] Chris Menke, Sozial-/Altenhilfeplanerin der Stadt Münster, siehe https://altenpolitik.gruene-nrw-lag.de/files/2021/11/Age-friendly-Cities-LAG.pdf
Dieser Antrag wurde maßgeblich durch die Arbeitsgemeinschaft 60plus des Kreisverbandes Leipzig von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erarbeitet.
Verwaltungsstandpunkt vom 27. Januar 2026
Alternativvorschlag:
Die Stadt Leipzig unterstützt die Ziele des WHO-Netzwerks „Age-friendly Cities“ und berücksichtigt diese bei der Fortschreibung der relevanten Fachplanungen.
Begründung:
Die Zielstellungen des Antrags werden grundsätzlich begrüßt. Mit Blick auf die demographische Entwicklung wird das Engagement für eine inklusive und altersgerechte Stadt immer wichtiger.
Die Forderungen des Antrags sind allerdings schon weitestgehend im Verwaltungshandeln berücksichtigt. So finden sich die zentralen Ziele des WHO-Projekts „Altersgerechte Stadt“ wieder in den Handlungsfeldern der Leipzig-Strategie und insbesondere in den seniorenpolitischen Leitlinien der Stadt Leipzig.
Zu Beschlusspunkt 1:
Bezüglich der geforderten strategischen Verankerung ist insbesondere auf die inklusive Stadtentwicklung als eines von vier Handlungsfeldern im städtischen Zielbild hinzuweisen. Darüber hinaus sind die in der Antragsbegründung einzeln aufgeführten Themenbereiche aus dem Programm „Age-Friendly Cities“ in folgenden strategischen Zielen berücksichtigt:
- Sichere und barrierefreie öffentliche Räume, sturzfreie Fußwege und Wohnungen > Strategisches Ziel: Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur
- ein zugängliches, bezahlbares und sicheres öffentliches Verkehrssystem > Strategisches Ziel: Nachhaltige Mobilität
- Verfügbarkeit von bezahlbarem und barrierearmem Wohnraum > Strategisches Ziel: Bezahlbares Wohnen
- Soziale und kulturelle Freizeitangebote > Strategisches Ziel: Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraumangebote
- eine Gesellschaft, die ältere Menschen wertschätzt und ihre aktive Teilnahme fördert > Strategisches Ziel: Inklusive Bürgerbeteiligung und lokale Demokratie
- Möglichkeiten für freiwillige Arbeit und bezahlte Anstellungen > Strategisches Ziel: Inklusive Bürgerbeteiligung und lokale Demokratie (Engagementförderung) und Wirtschaft diversifizieren, Mittelstand stärken (attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten)
- zeitnahe, verständliche und niedrigschwellige Information und Kommunikation > Strategisches Ziel: Inklusive Bürgerbeteiligung und lokale Demokratie (Bürgerbeteiligung und Kommunikation)
- gut erreichbare Gesundheits- und Unterstützungsdienste > Strategisches Ziel: Gesunde Stadt
Nicht zuletzt gehört das Projekt Ein „Dorf“ für Ältere – Gemeinsam würdevoll und umsorgt leben zum Arbeitsprogramm der Stadt Leipzig, das die Leipzig-Strategie 2035 umsetzt.
Zu Beschlusspunkten 2, 3 und 4:
Aufbauend auf den strategischen Zielen und den seniorenpolitischen Leitlinien gibt es Fachpläne, welche die Leitlinien und Ziele mit konkreten Maßnahmen, Zeitplänen und Finanzen untersetzen. Zu nennen sind hier vor allem die Fachpläne „Älter werden in Leipzig – 2023 bis 2028“ und „Offene Seniorenarbeit“. Leipziger Seniorinnen und Senioren profitieren auch von der Umsetzung von Maßnahmen aus dem Teilhabeplan (Beschluss Dezember 2017, Umsetzungsbericht 2024 VIII-Ifo-01101). Der Plan beschreibt, wie die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Stadtgesellschaft verbessert und die Stadt inklusiver gestaltet werden kann.
Auch der geforderte übergreifende, generationenverbindende und dialogorientierte Ansatz wird unterstützt. Die Erstellung, Fortschreibung und auch die Umsetzung von Fachplänen sieht bereits heute eine breite Beteiligung relevanter Akteure, sowie Evaluationen und regelmäßige Berichte zu Umsetzungs- und Ist-Ständen vor. Die Verwaltung versteht die Aufgabe einer altersgerechten Stadt dabei als dezernatsübergreifende Querschnittsaufgabe. So werden Bedarfe älterer Menschen etwa auch bei der Ausgestaltung wohnungspolitischer Strategien oder bei Maßnahmen zur Verbesserung der innerstädtischen Mobilität aktiv eingebracht.
Sowohl der Fachplan „Offene Seniorenarbeit“ als auch der Teilhabeplan befinden sich aktuell in der Evaluierung. Im Rahmen der anschließenden Fortschreibungen soll ein gemeinsamer Fachplan „Offene Angebote für soziale Teilhabe“ entstehen. Mit diesem wird eine Handlungsgrundlage geschaffen, um Offene Angebote der Begegnung, Beratung und Hilfestellung in Leipzig bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Ziel ist es, eine integrative Fachplanung aus der Kommune für die Kommune zu entwerfen, die auf konkrete Bedingungen vor Ort und Bedarfe der unterschiedlichen Zielgruppen, hierunter vor allem einkommensschwache und oder von Einsamkeit bedrohte Ältere, abstellt. Bei der Erstellung ist eine umfassende Beteiligung vorgesehen. Über die Auftaktvorlage zur Fachplanung wurde die Ratsversammlung im Oktober 2024 informiert (VII-Ifo-10447).
Die Fortschreibung der Fachpläne bietet die Chance, den bereits eingeschlagenen Weg hin zu einer altersfreundlichen Stadt konsequent weiterzuverfolgen und dabei den gewünschten integrativen, generationenübergreifenden und dialogorientierten Ansatz noch weiter zu stärken. In dem Prozess können auch Ziele des WHO-Netzwerks „Age-friendly cities“ aktiv berücksichtigt werden. In diesem Sinne ist die Stadt Leipzig auch offen dafür, sich mit den teilnehmenden Kommunen über Fortschritte, „best practice“-Erfahrungen und Instrumente auszutauschen. Eine formale Mitgliedschaft in dem Netzwerk wird aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für erforderlich gehalten. Insbesondere werden ggf. mit der Mitgliedschaft verbundene Pflichten kritisch gesehen – etwa, wenn gesonderte Planungen, Evaluierungen und Berichterstattungen im Rahmen des Netzwerks notwendig wären. Diese zu erwartenden Aufgaben wären redundant und als zusätzliche freiwillige Aufgabe in Zeiten der Haushaltskonsolidierung abzulehnen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die kommunalen Zielstellungen aus den seniorenpolitischen Leitlinien sowie den aktuellen Fachplanungen in weiten Teilen mit den Zielsetzungen des WHO-Netzwerkes „Age-friendly Cities“ decken. Eine Aufnahme in das Netzwerk ist derzeit nicht notwendig, eine spätere Aufnahme soll an dieser Stelle aber nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Sie könnte im Rahmen der Erstellung des Fachplans „Offene Angebote für soziale Teilhabe“ mit geprüft werden.