Antrag: Leipziger Olympiabewerbung „Berlin+“ nur mit verbindlichen Nachhaltigkeits und Beteiligungskriterien

Antrag vom 19. Februar 2026

Link zum Antrag im Ratsinformationssystem

Beschlussvorschlag:

  1. Der Stadtrat beschließt, dass die Stadt Leipzig die Olympiabewerbung im Rahmen von „Berlin+“ nur unterstützt, wenn die Verwaltung bis 30. Juni 2026 ein verbindliches Konzept vorlegt, das folgende Zielstellungen verfolgt:
  • Das Olympische Dorf wird auf einer geeigneten - verkehrlich gut an den Umweltverbund angebundenen - Fläche so errichtet, dass diese für eine Nachnutzung auf dem Mietwohnungsmarkt attraktiv ist und dabei möglichst 70 % (idealerweise 100 %) der Wohnungen nach den Spielen als mietpreisgebundener Wohnraum durch die LWB bereitgestellt werden können.
  • Neben einer zweiten Multifunktions‑Arena werden statt Neubauten von Sportstätten bestehende Anlagen (z. B. Kohlrabizirkus, Sportforum, Kanuslalom in Markkleeberg, Messehallen etc.) ertüchtigt, modular erweitert und unter Bedingung einer gesicherten Nachnutzung qualifiziert.
  • Jede im Zuge der Bewerbung notwendige Flächenversiegelung wird durch mindestens gleich große Entsiegelungsmaßnahmen kompensiert (Ziel der Netto‑Null‑Versiegelung). Entsprechende Ausgleichsflächen sind frühzeitig zu definieren und dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Ordnung zur Kenntnis zu geben.
  • Zusätzlich wird in Leipzig ein “Olympischer Wald” angelegt.
  • (Schnell)radwege werden als Olympisches Fahrradnetz ausgebaut, das alle Sportstätten, das Olympische Dorf und die Region (Leipzig‑Halle, Markkleeberg) verbindet; gleichzeitig wird der ÖPNV durch zusätzliche Investitionsmittel vor allem in den Hauptachsen verstärkt, durch innovative Angebote wie autonome Shuttles ergänzt und durch eine Verbesserung der S-Bahn-Taktung optimiert.
  • Für das Leipziger Bewerbungskonzept wird ein bindendes Nachhaltigkeitskapitel zu Klimaneutralität, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, soziale Fairness usw. Verankert.
  • Bis spätestens 30.06.2026 wird ein angemessenes Bürgerbeteiligungsverfahren (Werkstätten, Online‑Plattform, Kritiker‑Dialoge, Bürger*innenrat) durchgeführt; die Durchführung eines Bürgerentscheides nach § 25 SächsGemO unter Berücksichtigung des verbindlichen Nachhaltigkeitskonzeptes in der Kommunikation und Fragestellung zum Ende des Prozesses hinsichtlich zeitlicher und finanzieller Realisierbarkeit geprüft. Das Prüfergebnis wird dem Stadtrat bis zum 15.04.2026 vorgelegt.
  1. Die Verwaltung wird beauftragt, die voraussichtlichen Gesamtkosten der genannten Maßnahmen zu ermitteln, einen Deckungsvorschlag (Förderung durch Bund, Land, IOC und Sponsoren sowie anteilige Nutzung des Sondervermögens für die sächsische Olympiabewerbung) zu unterbreiten und einen Kostendeckel zu definieren, der im Lichte der aktuellen Neuverschuldung der Stadt verantwortbar ist.

Begründung

Leipzig ist nach vielen Jahres des Wachstums weiterhin mit einer akuten Wohnungsnot und einer stark versiegelten Stadtfläche konfrontiert. Olympische und Paralympische Spiele versprechen internationales Ansehen, einen touristischen Boom, interkulturellen Austausch und auch massive Investitionen in die Infrastruktur. Ohne klare Vorgaben im Sinne der Nachhaltigkeit würde eine Olympiabewerbung allerdings das Risiko von Verdrängung, Kostenexplosion und ökologischer Belastung erhöhen.

Durch die verpflichtende Nachnutzung des Olympischen Dorfes als mietpreisgebundener bezahlbarer Wohnraum sichern wir diesen für die wachsende Bevölkerung und verhindern spekulative Grundstücksentwicklungen.

Die Ertüchtigung bestehender (Sport)stätten nutzt vorhandene Infrastruktur, spart Baukosten und vermeidet Leuchtturmprojekte, für die in der Folge eine adäquate Nachnutzung fehlt oder die anschließenden Unterhaltungskosten eine wirtschaftlich nachhaltige Nutzung verhindern.

Mit dem Anlegen eines “Olympischen Waldes” in Leipzig sollen statt ökologischer Verschlechterungen ökologische Verbesserungen die Folge von Olympia sein und dem Ziel der Waldmehrung - möglichst an ökologisch besonders sensiblen Stellen - Rechnung getragen werden.

Der Ausbau von Rad‑ und ÖPNV‑Netzen garantiert eine klimaneutrale Mobilität im Sinne des Umweltverbundes, eine Netto‑Null‑Versiegelung verhindert und reduziert Hitzeinseln sowie den Verlust von Lebensräumen für Flora und Fauna.

Durch ein verbindliches Nachhaltigkeitskapitel sollen Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und soziale Gerechtigkeit im gesamten Projekt verbindlich verankert werden.

Ein umfassendes Bürgerbeteiligungsverfahren stärkt die demokratische Legitimation, erhöht die Akzeptanz und ermöglicht frühzeitige Anpassungen an vielfältige Bedürfnisse. Ziel muss sein, die Leipziger*innen aktiv in die Bewerbungsidee einzubeziehen, ihre Ideen und Anregungen aufzunehmen und ebenso auf Widerstände einzugehen und ihnen die Chance zu geben, sich konstruktiv mit Gelingensmöglichkeiten zu befassen. Ob dies in einem Bürgerentscheid wie etwa in München endet, ist zu prüfen.

Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann die Olympiabewerbung zu einem Motor für eine sozial‑ökologische Stadtentwicklung werden und Leipzig langfristig stärken.

Verwaltungsstandpunkt vom 29. April 2026

Dem Antrag VIII-A-02479 wird mit folgenden Ergänzungen zugestimmt.

Die Zielsetzungen des Antrags VIII-A-02479 sind als Leitlinien für den weiteren Prozess der Konzeption um Olympische und Paralympische Spiele im Konzept „Berlin+“ bereits aufgenommen und werden auch im weiteren Prozess als Grundsätze berücksichtigt.

Begründung:

Die Stadtverwaltung begrüßt die im Antrag formulierten Zielsetzungen zu Nachhaltigkeit, Mobilität und Bürgerbeteiligung.

Strategische Einordnung

  • Zielsetzungen: Die im Antrag VIII-A-02479 genannten Zielstellungen zu Nachhaltigkeit, sozialer Wohnraumnutzung, Mobilität und Bürgerbeteiligung werden als Leitplanken für das weitere Verfahren der Leipziger Beteiligung an „Berlin+“ übernommen.
  • Verfahrensstand: Da die konzeptionelle Phase unter DOSB-Federführung läuft, sind detaillierte lokale Festlegungen derzeit weder sachgerecht noch möglich. Die Verwaltung wird den aktuellen Stand der Bewerbung sowie die Ermittlung der Kosten voraussichtlich im April/Mai 2026 dem Stadtrat mit der Vorlage „Leipzigs Beteiligung an einer deutschen Konzeption um Olympische und Paralympische Spiele“ zur Entscheidung vorlegen.
  • Fristen: Der im Antrag geforderte Termin (30.06.2026) für ein verbindliches Gesamtkonzept ist aufgrund der Abhängigkeit von nationalen Entscheidungen nicht haltbar.

Sachstandsbericht

Olympisches Dorf und Nachnutzung (Mockau)

  • Standort: Das Olympische/Paralympische Dorf ist konzeptionell als Teil-Dorf auf landeseigenen Flächen in Leipzig-Mockau vorgesehen.
  • Soziale Nutzung: Die Zielsetzung einer sozial orientierten Nachnutzung ist bereits Teil der Bewerbung, wobei der Fokus aktuell auf besonderen Wohnformen (z. B. studentisches Wohnen, Auszubildendenwohnen) liegt.
  • Trägerschaft: Entscheidungen über die Projektträgerschaft durch die LWB oder konkrete Finanzierungsmodelle können erst bei fortschreitender Planung getroffen werden.

Vorrang für Bestand und Problematik der Ausgleichsflächen

  • Infrastruktur: Die Verwaltung teilt die Auffassung, dass eine nachhaltige Spielstätten-Infrastruktur primär auf der Ertüchtigung und modularen Erweiterung bestehender Anlagen (zum Beispiel Sportforum, Leipziger Messe, Kanupark Markkleeberg) basieren sollte.

Die Weiterentwicklung des Stadionumfelds einschließlich der Arena- und Halleninfrastruktur ist Bestandteil des vorliegenden Rahmenplans.

Zu diesem Zweck hat die Stadt Leipzig ein Realisierungskonzept in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten für den Neubau einer Ballsporthalle mit ca. 5.000 Plätzen, die Erweiterung der Quarterback Immobilien Arena auf ca. 12.000 Plätze sowie die Errichtung eines Sportmuseums auf den Flächen der Arena I und Arena II am Sportforum zu untersuchen. Im Rahmen dieses Realisierungskonzeptes werden die zeitliche Koordinierung der Bauvorhaben und ein Verkehrskonzept entwickelt. Das Ergebnis soll Ende 2026 vorliegen und Anfang 2027 ausgewertet sein. Bei der Umsetzung der genannten Maßnahmen können die Olympischen und Paralympischen Spiele einen beschleunigenden Effekt entfalten.

  • Flächenbilanz: Die Forderung nach einer „Netto-Null-Versiegelung“ wird im Impetus der Zielrichtung einer nachhaltigen Konzeption grundsätzlich begrüßt und geprüft. Bei einem Kompensations-/ Entsiegelungserfordernis sind gleichwohl städtische Kompensationsflächen in Leipzig aufgrund der vergleichsweise hohen baulichen Dichtenund gleichzeitig einer Vielzahl von bereits bestehenden hochwertigen Grün-, Frei- und Landwirtschaftsflächen, nahezu vollständig erschöpft.
  • Externer Ausgleich & Wald: Die Realisierung eines „Olympischen Waldes“ oder großflächiger Entsiegelungen kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugesichert werden. Anstelle eines „Olympischen Waldes“ ist durch die Verwaltung zu prüfen, ob auch über die Pflanzung von Straßenbäumen oder Platzbegrünungen ein Kompensationsanteil geleistet werden kann.

Mobilität

  • Verkehrsinfrastruktur: Geeignete Radrouten werden auf Basis vorhandener Planungen  als Olympisches Fahrradnetz weiterentwickelt Zudem soll die geplante Netzerweiterung im ÖPNV vorangetrieben werden, um zukünftig zusätzliche Beförderungskapazitäten zu schaffen.
  • Mobilitätsangebot: Im Zuge einer Olympiakonzeption wird in Rückkopplung mit den lokalen Dienstleistern in ÖPNV und SPNV ein, auf den veranstaltungsinduzierten Bedarf angepasstes, Beförderungsangebot bereitgestellt. Die Ergänzung des Angebotes durch autonome Shuttles ist bereits Teil der konzeptionellen Überlegungen.

Bürgerbeteiligung

  • Das Bewerbungsverfahren befand sich in den vergangenen Monaten in einer sehr dynamischen bundesweiten Abstimmungsphase. Zahlreiche zentrale Rahmenbedingungen, insbesondere zur Beteiligung der Öffentlichkeit sowie zur möglichen Bewertung von Referenden mussten zunächst in enger Abstimmung zwischen dem DOSB, Berlin als Hauptstandort und den beteiligten Partnerstädten weiter präzisiert werden.
  • Leipzig hat dennoch bereits einen Workshop mit Vertreter/-innen aus Sport, Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Politik durchgeführt; ein weiteres Format folgte Anfang 2026 mit der Leipziger Sportlandschaft. Die Ergebnisse fließen kontinuierlich in die weitere Planung und Abstimmung mit Berlin mit ein.
  • Eine verbindliche Festlegung auf das im Antrag genannte Beteiligungsverfahren bis zum 30.06.2026 ist nicht umsetzbar. Ziel ist es jedoch, in der internationalen Phase ein mehrstufiges Beteiligungskonzept, unter anderem mit Werkstätten und Dialogformaten, durchzuführen.
  • Angesichts der Rolle Leipzigs als Partnerstadt, in der lediglich einzelne Wettbewerbe stattfinden würden, und der Schwerpunktsetzung auf Berlin als Hauptaustragungsort erscheint ein Bürgerentscheid nicht als angemessenes Instrument.

Kosten

Eine konkrete Kostenkalkulation ist erst nach nationaler Entscheidung und finaler Konzeption durch Berlin möglich.

Zeitplan

ab 2026 Verfeinerung der Konzepte

04.6.2026 Abgabe Konzepte beim DOSB, anschl. Evaluation der Konzepte

26.9.2026 außerordentliche Mitgliederversammlung zur Entscheidung zum Bewerber

ab 2027 Bewerberstatus Deutschland mit einer Region/Stadt

 

Beschluss in der Ratsversammlung vom 27. Mai 2026

Der Antrag wurde zugunsten der Vorlage aufgrund der dortigen konzeptionellen Ausführungen für weitgehend berücksichtigt und damit erledigt erklärt und zurückgezogen.

Zurück