Antrag: Zweiter Standort/ dezentrales Stadtteilzentrum Dölitz-Lößnig-Dösen-Marienbrunn (DöLöDö)

Neufassung des gemeinsamen Antrages der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, die  Linke und SPD vom 13. Januar 2022

Beschlussvorschlag:

  1. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, den Standort Johannes-R.-Becher-Straße 22 unter Beibehaltung der Angebote des Leipziger Tanztheater e.V. und "suedpol - Mobile Jugendarbeit" des Jugendhaus Leipzig e.V. als perspektivischen zweiten Standort des gemeinwesenorientierten Stadtteilzentrums Dölitz-Lößnig-Dösen-Marienbrunn zu sichern.
  2. Dazu werden in einem ersten Schritt umgehend die notwendigen baulichen Schwachstellen behoben, um einen weiteren Verfall der Bausubstanz zu verhindern.
  3. Die Verwaltung wird sich im Jahr 2022 mit der IG Lößnig und dem neuen Träger des gemeinwesenorientierten Zentrums (DRK Kreisverband Leipzig) dazu verständigen, welche künftige Trägerschaft (gleicher Träger wie Moritzhof oder Trägerkooperation) sowohl zielgruppenspezifische als auch gemeinwesenorientierte Arbeit leisten kann. Hierbei werden die gewonnenen Erkenntnisse des Betriebs des neuen Zentrums im Moritzhof in die konzeptionelle Weiterentwicklung einbezogen.
  4. Für die Sanierung und perspektivische Erweiterung des Objektes wird im Jahr 2022 eine Vorplanung und konkrete Kostenermittlung für eine umfassende Sanierung des Gebäudes vorgenommen.
  5. Auf Grundlage dieser Vorplanung werden im Doppelhaushalt 2023/24 entsprechende Planungsmittel zur Verfügung gestellt und eine Sanierung im Jahr 2025 umsetzen zu können.


Sachverhalt:


Der Jugendhilfeausschuss hat entschieden, das geplante gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum Dölitz-Lößnig-Dösen-Marienbrunn (DöLöDö) im Einkaufszentrum Moritzhof in die Trägerschaft des DRK, Kreisverband Leipzig zu geben. Hier sollen entsprechend des im Mai 2020 vom Stadtrat beschlossenen Konzeptes (Nr. VI-DS-05781-NF-01) Angebote der Familienbildung, der Senior*innenarbeit, Schuldner*innen- und Sozialberatung, Schwangerschaftsberatung, Migrationsberatung sowie vielfältige Kultur- und Nachbarschaftsangebote einen Platz finden.

Von der IG Lößnig, die die im Stadtteil aktiven Akteur*innen bündelt, wurde der Standort Johannes-R.-Becher-Straße 22 mehrfach als Wunschort für das gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum ins Gespräch gebracht.

Dieser Ort wird seit Langem durch das Leipziger Tanztheater genutzt. Dessen Aktivitäten umfassen tänzerische Früherziehung, zeitgenössischen Tanz für Kinder, Senior*innentanz und eine Kooperation mit dem Werner-Vogel-Schulzentrum. Weiterhin sind die Säle eine Produktionsstätte für Tanz verschiedener Ensembles.

Seit Oktober 2020 nutzt das Streetworkangebot des Jugendhaus e. V. laut Beschluss des Stadtrates die Räume in der Johannes-R.-Becher-Straße.

Im April 2021 wendete sich die IG Lößnig mit einem Brief an Stadträt*innen und Verwaltung. Darin heißt es: „Ein alleiniges Ansiedeln eines Stadtteilzentrums am Mietobjekt Moritzhof wird unsererseits als sehr ungeeignet eingeschätzt, da eine Raumnutzung im Moritz-Hof durch Jugendliche und Jugendgruppen großes Konfliktpotential birgt. Die Errichtung eines
Kontaktladens im Objekt Moritzhof ist für die Mobile Jugendarbeit nicht geeignet (Niedrigschwelligkeit, Eingang über und Nähe zum Moritzhof).“

Die Antragsteller*innen schließen sich dieser Position an und schlagen vor, mit dem Objekt Johannes-R.-Becher-Straße 22 einen zweiten Standort für das gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum zu etablieren. Kurzfristig ist dazu die Behebung der gröbsten baulichen Mängel notwendig, um den weiteren Verfall des Gebäudes durch den Eintritt von Wasser zu stoppen. Dies sollte mit überschaubarem Mittelaufwand und ohne weitere Planungsleistung umsetzbar sein und aus den verfügbaren Instandhaltungsmitteln des Liegenschaftsamtes finanzierbar sein. Mittelfristig braucht es eine Sanierung des Objektes, zudem kann eine Erweiterung geprüft werden. Dazu braucht es zunächst eine Vorplanung und Kostenschätzung, um die konkrete Planungsleistung in 2023 in die Wege zu leiten. Diese ist wie die anschließenden Sanierungskosten im Doppelhaushalt 2023/24 einzuplanen.

Parallel dazu wird das neue Gemeinwesenzentrum im Moritzhof seinen Betrieb aufnehmen. Die Praxis wird zeigen, wie die unterschiedlichen Zielgruppen die neuen Räumlichkeiten annehmen und miteinander in Austausch treten werden. Aus diesen Erkenntnissen heraus sollte dann in Kooperation mit der IG Lößnig und den anderen vor Ort tätigen Trägern, insbesondere der Kinder- und Jugendarbeit, die konzeptionelle Nutzung der Johannes-R.-Becher-Straße ebenso wie die Frage der künftigen Trägerstruktur diskutiert werden. Ein trägerübergreifendes Kooperationsmodell der erfahrenen und vor Ort engagierten Träger wäre hier im Sinne des Gemeinwesens und der vielfältigen Zielgruppen wünschenswert.

Eine Vermischung der Diskussion um das gemeinwesenorientierte Zentrum mit dem Offenen Freizeittreff Paradise der Kindervereinigung Leipzig lehnen die Antragsteller*innen explizit ab. Dieser Schwerpunktraum weist vielfältige Bedarfe auf, denen es künftig mit unterschiedlichen, vor allem aber auch umfangreicheren Angeboten zu begegnen gilt. Hier wäre im Hinblick auf die nächste Kinder- und Jugendförderung 2023/24 und vollkommen unabhängig von der Entwicklung des gemeinwesenorientierten Zentrums im Moritzhof ein personeller Aufwuchs des Trägers des OFT Paradise notwendig und wünschenswert, um die Potenziale des genutzten Objektes mit seinen zahlreichen Räumlichkeiten effektiver und für mehr interessierte Besuchergruppen und Angebote parallel nutzen zu können.

Gemeinsamer Antrag von Bündnis 90 / Die Grünen, Die LINKE & SPD vom 30. September 2021

 

Die Stadtverwaltung wird beauftragt den Standort Johannes-R.-Becher-Straße 22 als zweiten Standort des gemeinwesenorientierten Stadtteilzentrums Dölitz-Lößnig-DösenMarienbrunn zu sichern. Der Standort findet unter Beibehaltung der Angebote des Leipziger Tanztheater e.V. und "suedpol - Mobile Jugendarbeit" des Jugendhaus Leipzig e.V. Eingang in das Konzept des Stadtteilzentrums. Die IG Lößnig wird in allen konzeptionellen und umsetzungsbezogenen Fragen beteiligt. Für die Sanierung und perspektivische Erweiterung des Objektes werden im Jahr 2022 Planungsmittel zur Verfügung gestellt (Deckungsquelle: Haushaltsbeschluss A 0100/17/18) und die notwendigen Mittel zur Sanierung im Doppelhaushalt 2023/24 eingeplant.


Begründung:

Die Verwaltung beabsichtigt das gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum Dölitz-LössnigDösen-Marienbrunn (DöLöDö) im Einkaufszentrum Moritzhof anzusiedeln. Hier sollen entsprechend des im Mai 2020 vom Stadtrat beschlossenen Konzeptes (Nr. VI-DS-05781NF-01 ) Angebote der Familienbildung, der Seniorenarbeit, Schuldner- und Sozialberatung, Schwangerschaftsberatung, Migrationsberatung sowie vielfältige Kultur- und Nachbarschaftsangebote einen Platz finden.

Von der IG Lößnig, die die im Stadtteil aktiven Akteure bündelt, wurde der Standort Johannes-R.-Becher-Straße 22 mehrfach als Wunschort für das gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum ins Gespräch gebracht. Dieser Ort wird seit langem durch das Leipziger Tanztheater genutzt. Dessen Aktivitäten umfassen tänzerische Früherziehung, zeitgenössischer Tanz für Kinder, Seniorentanz und eine Kooperation mit der Werner Vogel Schule. Weiterhin sind die Säle eine Produktionsstätte für Tanz verschiedener Ensembles. Seit Oktober 2020 nutzt das Streetworkangebot des Jugendhaus e.V. laut Beschluss des Stadtrates die Räume in der Johannes-R.-Becher-Straße. Im April 2021 wendete sich die IG Lößnig mit einem Brief an Stadträt*innen und Verwaltung. Darin heißt es: „Ein alleiniges Ansiedeln eines Stadtteilzentrums am Mietobjekt Moritzhof wird unsererseits als sehr ungeeignet eingeschätzt, da eine Raumnutzung im Moritz-Hof durch Jugendliche und Jugendgruppen großes Konfliktpotential birgt. Die Errichtung eines Kontaktladens im Objekt Moritzhof ist für die Mobile Jugendarbeit nicht geeignet (Niedrigschwelligkeit, Eingang über und Nähe zum Moritzhof).“ Die Antragssteller*innen schließen sich dieser Position an und schlagen vor mit dem Objekt Johannes-R.-Becher-Straße 22 einen zweiten Standort für das gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum zu etablieren. Mittelfristig wird dafür eine Sanierung des Objektes erforderlich sein, zudem kann eine Erweiterung geprüft werden. Dies ist finanziell abzusichern.

 

Verwaltungsstandpunkt:

Der Antrag ist abzulehnen. Derzeit ist vorgesehen, das gemeinwesenorientierte Stadtteilzentrum Dölitz, Lößnig, Dösen, Marienbrunn im „Moritzhof“ zu etablieren. Hier ist das von der Ratsversammlung beschlossene Konzept sehr gut umsetzbar.

Ein zusätzlicher Standort entspricht nicht den Maßstäben der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Das Objekt in der Johannes-R.-Becher-Str. wäre vor einer umfassenden Nutzung als Stadtteilzentrum aufwendig zu sanieren. Die Grobkostenschätzung des Liegenschaftes für Maßnahmen und Kosten zur Herrichtung des Objektes belaufen sich auf 677.824,00 Euro (brutto). Diese finanziellen Mittel müssten zusätzlich bereitgestellt werden. Die Sanierung ist nicht geplant.

Daneben entstünde personeller und konzeptioneller Mehraufwand bei der Betreuung von zwei Standorten, der sich negativ auf den Umfang der inhaltlichen Angebote auswirken würde. Der Betrieb von zwei Standorten für eine Maßnahme der gemeinwesenorientierten Arbeit ist auch in Blick auf den Klimanotstand nicht vertretbar. Die Räumlichkeiten im Moritzhof können ohne zusätzliche Bau- und Investitiosmaßnahmen in Nutzung genommen werden.

Mit Blick auf Angebote für junge Menschen und Jugendgruppen fördert das Amt für Jugend und Familie die Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit „OFT Paradise“ in Lößnig. Diese Einrichtung verfügt über zahlreiche Räumlichkeiten, die – genau wie die Räumlichkeiten im Moritzhof – multifunktional zu nutzen sind.

Die geschilderten Bedenken in Bezug auf mögliche Konflikte von Nutzungsgruppen ist zwar nachvollziehbar, die Lösung dieser ist aber vorrangig eine pädagogische Aufgabe, die von den sozialpädagogischen Fachkräften des Trägers der freien Jugendhilfe gut gelöst werden kann. Es ist gerade Ziel und Anspruch eines gemeinwesenorientierten Stadtteilzentrums, Zielgruppen unterschiedlichen Alters sowie unterschiedlicher sozialer Herkunft und Subkultur gut zu integrieren.

Eine zielgruppenübergreifende Nutzung von Räumlichkeiten wird in den Einrichtungen der Soziokultur bereits erfolgreich gelebt. Für die Moderation von etwaigen Konflikten steht im Offenen Seniorentreff eine Fachkraft zur Verfügung.

Darüber hinaus verfügen die Räumlichkeiten im Moritzhof über einen separaten Zugang.

Die Johannes-R.-Becher-Str. kann weiter als Außenstelle des Leipziger Tanztheaters dienen.

Beschluss der Ratsversammlung am 9. Februar 2022

Der Antrag wurde im Sinne der Neufassung vom Stadtrat beschlossen.

Abstimmungsergebnis: 39/21/1

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