AU-Pflicht ab Tag 1: OBM muss Leipziger Beschäftigte schützen!

Foto: Martin Jehnichen

Die schwarz-rote Bundesregierung plant in ihrem jüngsten Reformpaket, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) bereits ab dem ersten Krankheitstag vorzuschreiben. Das Vorhaben stößt auf massive Kritik von Ärzteverbänden und Gewerkschaften. Unter anderem die Städte München und Hannover haben bereits angekündigt, die Verschärfung für ihre eigenen Beschäftigten nicht umzusetzen, soweit rechtlich zulässig. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat deshalb eine offizielle Anfrage an den Leipziger Oberbürgermeister gestellt.  

Dazu erklärt Chantal Schneiß, gesundheitspolitische Sprecherin sowie Sprecherin für Arbeitnehmer*innenrechte:

„Die Pläne der Bundesregierung sind ein Schlag ins Gesicht aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wer sich am ersten Tag ins Wartezimmer schleppen muss, anstatt sich auszukurieren, gefährdet sich und andere. Das ist ein absurder Generalverdacht gegen alle Beschäftigte.“

Besonders gefährlich ist dabei ein Effekt, den Arbeitsmediziner als Präsentismus bezeichnen: Wer krank zur Arbeit erscheint, riskiert nicht nur eine Verschleppung der eigenen Erkrankung, er steckt auch Kolleginnen und Kollegen an und trägt Krankheitserreger direkt in die Belegschaft. Was die Bundesregierung als Maßnahme gegen hohe Krankenstände verkauft, könnte so das genaue Gegenteil bewirken. Mehr kranke Menschen am Arbeitsplatz, mehr Ansteckungen, längere und schwerere Krankheitsverläufe und am Ende noch höhere Fehlzeiten.

Zudem warnt Chantal Schneiß vor einer drohenden Überlastung der Hausarztpraxen, die bereits jetzt am Limit arbeiten: „Wenn wir die Praxen mit Menschen fluten, die lediglich einen bürokratischen Nachweis für eine harmlose Erkältung benötigen, blockieren wir dringend notwendige Termine für ernsthaft Kranke. Das ist gesundheitspolitischer Irrsinn.“

Die Stadt Leipzig hat eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Beschäftigten und muss als Vorbild vorangehen. „Wir fragen die Verwaltungsspitze an, ob sie sich München und Hannover anschließt und diese bürokratische Schikane für die Angestellten der Stadtverwaltung, der kommunalen Unternehmen und der Eigenbetriebe abwendet“, fordert Schneiß abschließend. „Ein wirksames Instrument dafür wäre der Abschluss einer entsprechenden Dienstvereinbarung. Wir brauchen eine Kultur des Vertrauens, keine Überwachung. Wer den Krankenstand senken will, muss bei Prävention und besseren Arbeitsbedingungen ansetzen.“

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