Antrag: Auwald-Kommunikationskonzept entwickeln

Antrag vom 5. Dezember 2019

Beschlussvorschlag:

Die Stadtverwaltung wird beauftragt ein Kommunikationskonzept für den Auwald und alle Maßnahmen, die den Auwald betreffen aufzustellen. Dabei ist sicherzustellen, dass die Bürger der Stadt Leipzig umfassend und frühzeitig über die Maßnahmen im Wald und die Entwicklung des selbigen, insbesondere hinsichtlich des Forstwirtschaftsplans informiert werden und die Hinweise der Bürger*innen einbezogen und beachtet werden.  

Zukünftig soll die Stadt neben der Diskussion in der AG Stadtwald und dem Naturschutzbeirat in mindestens zwei Bürger*innenversammlungen über das aktuelle Geschehen im und am Wald unterrichten und dadurch auch Hinweise der Bürger*innen aufnehmen.
 

Sachverhalt:

Viele Bürger bewegt das Geschehen im und am Auwald, wie die Diskussionen um den Forstwirtschaftsplans 2018 und 2019 zeigen. Dabei wird auch deutlich, dass es zum Teil an Kenntnis an den Zusammenhängen zwischen Forsteinrichtung und Forstwirtschaftsplan fehlt und es nicht gelingt die Maßnahmen umfassend und klar zu kommunizieren.

Es ist ein Gewinn für die Stadt, dass sich so viele Menschen für die Entwicklung des Waldes interessieren und daran Anteilnehmen. Es ist auch die Aufgabe der Verwaltung Maßnahmen klar zu kommunizieren und die Bürger*innen einzubeziehen um Missverständnisse zu vermeiden.

Mit einem klaren, transparent geführten und kommunizierten Verfahren können Missverständnisse vermieden und die Beteiligung der Bürger*innen gestärkt werden.

 

Verwaltungsstandpunkt vom 12. Dezember 2019

Sachverhalt bereits berücksichtigt

Die Stadtverwaltung hat bereits in den letzten Jahren verschiedene öffentliche Informations- und Diskussionsformate zum Auwald und die diesen betreffenden Maßnahmen etabliert, die im beantragten Sinne in Zukunft noch intensiver genutzt werden können
Strategische Ziele

Das Auensystem ist von zentraler Bedeutung für den stadtweiten und regionalen Freiraumverbund, auch gemäß der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie und besitzt somit auch für das Ziel des Erhalts und der Verbesserung der Umweltqualität eine entscheidende Funktion. Entsprechend ist das Auensystem im INSEK 2030 als Schwerpunktgebiet mit stadtweiter und regionaler Bedeutung für den Grün- und Gewässerverbund ausgewiesen.

Anlass

Die Stadtverwaltung hat die gestiegenen Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich Information und Partizipation an der Pflege und Entwicklung des Leipziger Auensystems aufgenommen und arbeitet an der Weiterentwicklung und Verzahnung der bereits bestehenden Informationsangebote und Diskussionsformate und deren Ergänzung insbesondere mit digitalen Formaten.

Die Erstellung eines eigenen Kommunikationskonzeptes wird dafür nicht als erforderlich angesehen. Die weiterführende Vernetzung und Bündelung der einzelnen Aktivitäten wird durch die Koordination und Zusammenarbeit der zuständigen Führungskräfte der Stadtverwaltung sichergestellt.

Es wird vorgeschlagen, den beschriebenen Prozess auch seitens des Stadtrates in den genannten Gremien aktiv zu begleiten. Zu gegebener Zeit könnte dann eine Evaluierung und weiterführende Fokussierung des Erreichten erfolgen, soweit sich dies als sachdienlich erwiese.

In den letzten Jahren wurden insbesondere folgende Formate entwickelt, die auch zukünftig regelmäßig und bei Bedarf auch anlassbezogen genutzt werden können, um die Bürgerinnen und Bürger entsprechend zu informieren und einzubeziehen:

Das Umweltinformationszentrum (UiZ) im Amt für Umweltschutz ist seit Jahren öffentlichkeitswirksam hinsichtlich des Auwaldes tätig, insbesondere über die jährliche Ausrichtung des Leipziger Auwaldtages, der Leipziger Naturschutzwoche und unterschiedliche Fachberatungen (z. B. Forstsprechstunde, Pilzberatung, Wasserhaushalt). Vor allem die erstgenannte Forstsprechstunde, die zuletzt alle 2 Monate regelmäßig über die Aktivitäten der Abteilung Stadtforsten im Amt für Stadtgrün und Gewässer, informiert ist im aktuellen Zusammenhang des hier gestellten Antrags von besonderer Bedeutung. Die Kommunikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit der verschiedensten Thematiken erfolgt dabei jedes Jahr über Flyer, Presse, Plakate, Exkursionen, Vorträge, Internet, Wettbewerbe, Gesprächsrunden.

Darüber hinaus bietet das UiZ für Kinder und Pädagogen ganzjährig auwaldspezifische Umweltbildungsmaterialien und/oder Module an, wie Lehrtafeln zu Auwaldarten, altersgerechte Touren durch den Auwald zu einzelnen Themen, Mitmachangebote und sonstige thematischen zielgruppenorientierte Veröffentlichungen.

Entsprechende Informations- und Kommunikationsformate werden seit 6 Jahren auch im Rahmen des Projektes „Lebendige Luppe“ angeboten, zu dem das Kontaktbüro des städtischen Projektpartners NABU Landesverband Sachsen umfassen Umweltbildungsangebote und –materialien anbietet und zudem der Öffentlichkeit ebenfalls mit regelmäßigen Öffnungszeiten jederzeit als Informationsquelle zur Verfügung steht. Darüber hinaus finden in dem Kontaktbüro vierteljährlich öffentliche Bürgerabende statt, auf denen nicht nur über die aktuellen Aktivitäten im Projekt, sondern auch darüber hinaus zur Auenentwicklung von Seiten der Stadtverwaltung informiert wird.

Ein zentrales Format im Sinne der im Antrag angeführten Zielsetzung stellen die seit 2016 existierenden Leipziger Auengespräche dar, die von der sozialwissenschaftlichen Begleitung des Projektes „Lebendige Luppe“ der Uni Leipzig initiiert worden sind, um vor allem engagierten und interessierten Bürgerinnen und Bürger sowie regionalen Akteuren ein Austauschformat, insbesondere auch mit der Stadtverwaltung, zur zukünftigen Auenentwicklung und dafür relevanten Einzelthemen anzubieten.

Genannt werden müssen auch bereits länger währende Traditionsveranstaltungen. So fiel der Beschluss einen jährlichen „Tag des Leipziger Auwaldes“ zu initiieren, bereits zum 2. Auensymposium am 16. April 1994. 2019 feierte der Leipziger Auwaldtag bereits sein 25jähriges Jubiläum. Nachdem die größeren Städte, darunter auch Leipzig, die Durchführung von Naturschutzwochen beschlossen, findet 2020 ebenfalls bereits die 64. Leipziger Naturschutzwoche statt, bei der auch der Auwald und die Auenentwicklung regelmäßig Thema sind.

Der Auwald und seine Entwicklung stellen ebenso einen ständigen Schwerpunkt der Bürgersprechstunden des Bürgermeisters für Umwelt, Ordnung und Sport dar.

Darüber hinaus findet der Dialog mit Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Stakeholdern u. a. in der AG Stadtforsten des Amt für Stadtgrün und Gewässer und dem Naturschutzbeirat der unteren Naturschutzbehörde im Amt für Umweltschutz statt.

All diese Formate können und sollen in Zukunft noch intensiver genutzt werden, um über das Geschehen am und im Auwald und zu Auenentwicklung und entsprechenden Projekten, die Auswirkungen auf den Auwald haben, zu informieren und zu diskutieren.

Insbesondere zu den Aktivitäten und Planungen der Abteilung Stadtforsten ist eine intensive Kommunikation im Rahmen des Beschlusses zum Forstwirtschaftsplan 2019 bereits aufgenommen worden und kann mit den genannten Formaten umgesetzt werden.

Ebenso ist im Verwaltungsstandpunkt VII-A-00516-VSP-01 bereits ein Beschlussvorschlag für die Erarbeitung eines integrierten, gesamträumlichen Auenentwicklungskonzeptes vorgeschlagen worden, das auch einen regelmäßigen Evaluierungsansatz enthalten soll und über dessen Erarbeitung und die Erkenntnisse des Evaluierungsprozesses ebenfalls regelmäßig informiert wird.


Beschluss der Ratsversammlung am 10. Juni 2020

Der Antrag wurde vom Stadtrat inkl. des Ergänzungsvorschlages der Fraktion Die Linke beschlossen.

Ergänzung:

Zusätzlich prüft die Stadt Leipzig im Rahmen des Kommunikationskonzeptes die Umsetzung folgender Maßnahmen und legt dem Stadtrat bis zum 4. Quartal 2020 mit dem Konzept eine geeignete Auswahl dieser vor.

Die Stadt prüft außerdem welche Maßnahmen mit den bestehenden Stellen abgedeckt werden können, ob durch die Umsetzung des Auwaldkommunikationskonzeptes weiterer Stellenbedarf entsteht und wie Synergieeffekte z. B. durch die Einbindung des Schulbiologiezentrums hergestellt werden können.

  • eine eigene interaktive und Benutzer*innenfreundliche Homepage mit:
    • virtuellen Auwaldrundgängen
    • Kartenmaterial
    • einer umfassenden Erklärung zum Leipziger Auwald, seiner Geschichte, seiner Dynamik sowie den beheimateten Arten
    • ein FAQ mit den häufigsten Fragen
    • Experteninterviews, auch mit Ton und Video
  • regelmäßige Waldführungen mit anerkannten Expert*innen
  • Ausweitung der schulischen und außerschulischen Auwaldbildung
  • kontinuierliche Social-Media-Arbeit zum Auwald
 

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