Bündnisgrüne Fraktionen in Leipzig und Sachsen kritisieren Motorbootfreigabe für Cospudener See – Landesregierung ignoriert kommunale und ökologische Bedenken
Pressemitteilung vom 12. Dezember 2025
Foto: Martin JehnichenDie Fraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Leipziger Stadtrat und im Sächsischen Landtag kritisieren scharf die gestrige Entscheidung der Landesdirektion Sachsen, den nördlichen Teil des Cospudener Sees ab Februar 2026 für Motorboote freizugeben. Die Freigabe widerspricht nicht nur den langjährigen Forderungen der Anrainerkommunen Leipzig und Markkleeberg, sondern missachtet auch naturschutzfachliche Gutachten und die Interessen der Naherholungssuchenden.
Nicole Schreyer-Krieg, umweltpolitische Sprecherin der Stadtratsfraktion erklärt dazu:
„Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die den Cospudener See als Ort der Ruhe und des Naturschutzes schätzen. Schon jetzt leidet das Gewässer unter massivem Nutzungsdruck. Motorboote werden Lärm, Wellenschlag und Umweltbelastungen weiter verschärfen – auf Kosten von Flora, Fauna und Anwohner*innen.“
Die Landesregierung habe es versäumt, die rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen, obwohl dies juristisch möglich gewesen wäre. Stattdessen setze das CDU-geführte Infrastrukturministerium auf eine kurzsichtige Tourismusstrategie, die langfristige ökologische und soziale Folgen ignoriert.
Claudia Maicher, Mitglied des Sächsischen Landtages und Leipziger Abgeordnete:
„Es ist ein Unding, dass die Landesdirektion nun Tatsachen schafft, obwohl Leipzig und Markkleeberg sich seit Jahren klar gegen Motorboote positionieren. Die Landesregierung hätte die Sächsische Schifffahrtsverordnung längst novellieren können, um differenzierte Regelungen – etwa für Elektroboote – zu ermöglichen. Stattdessen wird hier mit Verweis auf vermeintliche Rechtspflichten politische Untätigkeit kaschiert.“
Die Bündnisgrünen verweisen auf die langjährige Arbeit ihrer Fraktionen für einen nachhaltigen Umgang mit den Leipziger Seen. Bereits 2023 hatten sich die Fraktionen in einem gemeinsamen Antrag für zeitliche Sperrungen und eine Ausweitung des Landschaftsschutzgebiets „Leipziger Auwald“ ausgesprochen – ohne Erfolg. „Die Freigabe ist ein Rückschritt für den Artenschutz und die Lebensqualität in der Region“, betont Nicole Schreyer-Krieg. „Wir werden die Landesregierung weiterhin auffordern, diese Fehlentscheidung zu korrigieren – notfalls mit rechtlichen Mitteln.“
Der Cospudener See ist ein zentrales Naherholungsgebiet im Leipziger Neuseenland und dient als Rast- und Überwinterungsplatz für Vögel. Studien zeigen, dass Motorboote – selbst mit E-Antrieb – durch Lärm und Wellenschlag empfindliche Ökosysteme stören. Die Stadt Leipzig und Markkleeberg hatten sich in Stadtratsbeschlüssen gegen eine Freigabe ausgesprochen. Die Landesdirektion begründet ihre Entscheidung jedoch mit fehlenden rechtlichen Differenzierungsmöglichkeiten zwischen Antriebsarten.