Dringliche Anfrage: Nach der Hitze ist vor der Hitze - Klimawandelanpassung in Leipzig nach den jüngsten Hitzerekorden
Anfrage vom 18. Juni 2026
Link zur Anfrage im Ratsinformationssystem
Die jüngste Hitzewelle hat auch in Leipzig deutlich gemacht, dass Klimaanpassung nicht nur eine strategische, sondern eine akute Frage der Daseinsvorsorge ist. Der mittlerweile vollständige Ausfall des Straßenbahnverkehrs der LVB wegen Hitzeschäden insbesondere an der Fugengussmasse an Schienen und Weichen sowie der Überforderung der Klimaanlagen in den Fahrzeugen und die parallel auftretenden Belastungen in der Wasserversorgung zeigen die Verwundbarkeit zentraler städtischer Infrastrukturen.
Leipzig hat mit dem Hitzeaktionsplan 2024–2026 wichtige erste Schritte beschlossen, darunter Kommunikationsmaßnahmen, Trinkbrunnen, Sonnensegel und Schutzangebote für besonders gefährdete Gruppen. Die jüngste Hitzewelle hat jedoch gezeigt, dass es nicht bei Einzelmaßnahmen bleiben kann, sondern dass die Stadt ihre Klimaanpassung systematisch, verbindlich und spürbar fortentwickeln muss. Der nächste Bericht zum Stand der Umsetzung des Ratsbeschlusses steht erst für nach dem Sommer (September 2026) an. Das Klimawandelanpassungskonzept soll nach letztem Stand bis Ende dieses Jahres vorliegen.
Gerade die Belastungen des öffentlichen Verkehrs und der Wasserversorgung verdeutlichen, dass Hitzeschutz auch eine Frage der Funktionsfähigkeit städtischer Kernsysteme ist.
Die nächste Hitzewelle kann uns im Juli oder August begegnen, kurzfristige Vorkehrungen zu treffen, wäre somit angezeigt. Vor diesem Hintergrund ist eine zeitnahe, belastbare und umfassende Auskunft der Verwaltung erforderlich.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:
- Welche Kenntnisse und Fallzahlen liegen der Stadtverwaltung zu gesundheitlichen Notfällen infolge der hinter uns liegenden massiven Hitzewelle insbesondere aus den Leipziger Kliniken vor?
- Wie bewertet die Stadtverwaltung die Auswirkungen der jüngsten Hitzewelle auf Leipzig insgesamt, insbesondere auf Gesundheit, Mobilität, Stadtgrün, technische Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge sowie Handel und Wirtschaft?
- Welche konkreten Schäden, Störungen, Zusatzaufwände oder Kosten sind der Stadtverwaltung, den Eigenbetrieben und stadtnahen Unternehmen infolge der Hitzewelle bisher bekannt, insbesondere bei den Leipziger Verkehrsbetrieben, den Wasserwerken sowie weiteren relevanten Bereichen? Wurden die freiwillig eingesprungenen Mitarbeiter*innen für ihre geleisteten Überstunden bei der enormen Hitze angemessen entschädigt?
- Welche Maßnahmen des Hitzeaktionsplans 2024–2026 sind seit dem Beschluss im April 2025 bereits vollständig umgesetzt, welche befinden sich in Umsetzung und welche wurden bislang nicht begonnen?
- Wie schätzt die Stadtverwaltung insbesondere die Umsetzung und Wirkung des eingesetzten Kommunikationskonzeptes zum Hitzeschutz in der letzten Woche ein?
- Welche weiteren, ggf. kurzfristigen, Klimaanpassungsmaßnahmen plant die Stadtverwaltung angesichts der jüngsten Hitzewelle, insbesondere zum Schutz vulnerabler Gruppen, zur Kühlung öffentlicher Räume, Schulen sowie Kitas, Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie weiterer besonders belasteter Bereiche?
- Welche Konsequenzen zieht die Stadt aus der Hitzewelle für die öffentliche Infrastruktur, wie den ÖPNV und die Wasserinfrastruktur
- Für welche konkreten Maßnahmen wurden bzw. werden die Mittel des mit Haushaltsbeschluss VIII-HP-10223 bereitgestellten ‚Budgets für Maßnahmen zur Klimawandelanpassung‘ für Maßnahmen mit einem deutlichen Effekt für den Hitzeschutz und mit konkretem Bezug zu Maßnahmen des Hitzeaktionsplanes eingesetzt? Welche Fördermittel von EU, Bund und Land wurden beantragt, bewilligt oder abgerufen und welche weiteren Anträge sind geplant? Welchen Einfluss hat die aktuelle Haushaltssperre auf die Hitzeschutzmaßnahmen und welche finanziellen Folgen kommen aufgrund der Verzögerungen oder der Nichtumsetzung der geplanten Maßnahmen auf die Stadt zu?