Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt Sicherheit durch langfristige Finanzierungsaussagen für die Umweltbibliothek Leipzig

Pressemitteilung vom 24. September 2014

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat einen Antrag eingereicht, der den Erhalt der Umweltbibliothek langfristig erreichen möchte.

Stadtrat Norman Volger, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erklärt: „Seit Jahren schrumpft die Stadt Leipzig den kommunalen Zuschuss für die Umweltbibliothek ein. Jahr für Jahr wird weniger ausgezahlt. Unsere Fraktion hat mit Änderungsanträgen zum Haushalt über Jahre versucht dieser Entwicklung gegenzusteuern. Wir erkennen, dass die bedeutsame Arbeit der Umweltvereine, die sich insbesondere durch ihre hervorragenden Bildungsangebote auszeichnen und ihre Rolle als Träger öffentlicher Belange in der Bewertung umweltrechtlicher Fragen auch eine angemessene Bezahlung braucht.
Wir sehen die Umweltbibliothek Leipzig in ihrem Weiterbestehen akut gefährdet, denn das langsame Ausbluten des Vereins bedeutet, dass die Umweltbibliothek in absehbarer Zeit aufgeben müsste. Das kann unsere Fraktion nicht verantworten.“

Die Begründung zu unserem Antrag enthält alle unsere Beweggründe für den Antrag, durch welchen wir der Ratsversammlung folgenden Beschluss vorschlagen:

  1. Der Leipziger Stadtrat unterstützt das Fortbestehen der Umweltbibliothek Leipzig des Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e. V. und beschließt im 26. Jahr ihres Bestehens ihre eigenständige Förderung als wichtige Informationseinrichtung in der Stadt Leipzig.
  2.  Der Trägerverein erhält dazu für die Umweltbibliothek Leipzig – analog dem Förderverein Auwaldstation - einen eigenen Titel im kommunalen Haushalt, der ab dem Haushaltsjahr 2015 jährlich mit 75.000 € untersetzt wird.

Begründung:
Die Umweltbibliothek Leipzig ist 1988 bei der AG Umweltschutz des Jugendpfarramtes der evangelischen Kirche als Teil der regimekritischen Umweltbewegung der DDR entstanden. Deren Beitrag zur Friedlichen Revolution war das Aufdecken und Bekannt machen der gravierend schlechten Umweltsituation in der DDR und des daraus erwachsenden Unmuts und Widerstands in der Bevölkerung: gegen die Zerstörung ganzer Landstriche durch Tagebaue oder die Vergiftung von Gewässern, Böden und Luft durch die Landwirtschaft und ungefilterte Industrieabgase und –abwässer. Insbesondere das Gebiet zwischen Leipzig-Halle und Bitterfeld-Wolfen galt damals als eine der am höchsten belasteten Regionen in Europa. Die Umweltbibliothek war mit ihrer Informationsarbeit ein wichtiges Korrektiv zur damals staatlich verordneten Geheimhaltung von Umweltdaten.

Damals wie heute war und ist die Umweltbibliothek eine zentrale Informationsstelle in Umweltfragen in der Region. Die Nutzerschaft reicht von Schülerinnen bis zu Verwaltungsmitarbeitern und von Pädagogen bis zu Planungsbüros. Wie bei anderen wichtigen Leipziger Einrichtungen reicht der Nutzerkreis auch über die Stadtgrenzen hinaus: u.a. liefert die Leipziger Umweltbibliothek per Fernleihe vielen kleinen und mittleren Stadtbibliotheken in Sachsen Medien für deren Leser, da sie über einen breiten Bestand unterschiedlichster Medien zu vielfältigen Themen – vom umweltgerechten Bauen über die Umweltpädagogik, von der Umweltpolitik und der Umweltpsychologie bis zum Natur- und Gewässerschutz – verfügt, der in dieser Breite und Tiefe in öffentlichen Allgemeinbibliotheken nicht vorgehalten wird und der selbst für Universitäts- und Fachhochschulbibliotheken eine wertvolle Ergänzung darstellt. Dies zeigt sich auch in der Nutzung vieler Leipziger Studenten vor allem von HTWK und Universität Leipzig. Die Umweltbibliothek hat zudem 2005 wie auch 2011 wertvolle öffentliche Auszeichnungen ihres Engagements und Angebotes erfahren und wurde als „offizielles Projekt der Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der UNESCO ausgezeichnet.

Während die Umweltbibliothek nun 2014 auf 26 erfolgreiche Jahre zurückblickt, ist gleichzeitig ihr weiterer Fortbestand ungewiss. Die seit 1993 bestehende Förderung durch die Stadt Leipzig ist im Laufe der Jahre um ein Viertel gesunken, während gleichzeitig – wie ja auch bei allen städtischen Einrichtungen - alle Kosten deutlich gestiegen sind. Mit einer Förderung von aktuell noch ca. 30 T €, kann aber keine, auf die allgemeine Öffentlichkeit ausgerichtete und mit entsprechenden Öffnungszeiten ausgestattete Einrichtungen dauerhaft arbeiten. Die Differenz, um Miete, Personal, Medienbeschaffung, Bibliothekstechnik und sonstige Sachkosten bezahlen zu können, ist auch mit der seit 1990 bei der Umweltbibliothek vorhandenen Mitfinanzierung über Stiftungen, Unternehmen, Spenden, Arbeitsmarktförderungen und die in der Vereinslandschaft unvermeidbare Bereitschaft zur Arbeit für geringste, weit unter öffentlichen Tarifen liegende Entlohnung nicht auszugleichen. Insbesondere ist ein qualitätsvoller Betrieb nicht allein mit vollständig wechselndem Personal im Bundesfreiwilligendienst zu bewerkstelligen.

Analog dem Beschluss des Stadtrates über die Förderung der Auwaldstation Leipzig, soll der Förderverein der Umweltbibliothek daher einen eigenen Haushaltstitel und über eine entsprechend analoge Vereinbarung eine mehrjährige Zusage über die kommunale Unterstützung erhalten.

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