Grüne Stadtratsfraktion begrüßt Variantenuntersuchung zur Markthalle und hält am städtebaulichen Leitbild für den Wilhelm-Leuschner-Platz fest

Pressemitteilung vom 18. Juni 2020

Der Stadtrat berät derzeit den auf Vorschlag von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau den von der Verwaltungsspitze bestätigten Entwurfsplan Nr. 392 "Wilhelm-Leuschner-Platz". Zudem wurde am gestrigen 17. Juni der Entwurf zur Beauftragung einer Machbarkeitsstudie für die Markthalle an den Stadtrat zur Beratung und Beschlussfassung übergeben.
Tim Elschner, Stadtrat und stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:

„Die Fraktion freut sich, dass mit der Beauftragung einer Machbarkeitsstudie, die vor dem spezifischen Hintergrund unserer Stadt und des hiesigen Marktumfeldes Varianten für die Realisierung einer Markthalle entwickeln soll, nun endlich ein weiterer Schritt in Richtung Umsetzung gegangen wird. Aktuelle Entwicklungen in anderen nordeuropäischen Städten zeigen, dass Markthallen immer mehr ins öffentliche Bewusstsein treten. Die Stadt Bochum plant ebenso wie in den Niederlanden Amsterdam nach Rotterdam den Bau einer Markthalle. Dies zeigt, wie fortschrittlich das Denken des Leipziger Stadtrates im Jahr 2008 bereits war, als der Grundsatzbeschluss zum Bau der Markthalle auf dem historischen Grundstück gefasst wurde. Auch der fortschreitende Klimawandel zeigt eindringlich, dass die wirtschaftliche Förderung von regionalen Erzeugern und damit verbundene kurze Lieferketten eine zentrale Aufgabe ist.“

Die weitere Entwicklung des Wilhelm-Leuschner-Platzes stellt sich derzeit trotz des Planentwurfs als insgesamt unübersichtlich dar:

Tim Elschner: „Der Stadtverwaltung ist in ihrer Aussage zuzustimmen, dass die qualitative Entwicklung des Gesamtareals für die Stadt eine hohe strategische Bedeutung hat und die Stadt Leipzig als Haupteigentümerin selbst die schrittweise Entwicklung und mögliche Ansiedlung steuern muss. Trotzdem hätte der Stadtrat in die Überlegungen hinsichtlich potentieller Nutzungen viel frühzeitiger eingebunden werden müssen. Stattdessen hat die interfraktionelle Arbeitsgruppe zum Wilhelm-Leuschner-Platz, die auf Initiative meiner Fraktion 2017 beschlossen wurde, erst auf mehrfaches Drängen des Stadtrates, nach ihrer letzten Sitzung vor über zwei Jahren, nun endlich wieder ihre Arbeit aufgenommen. Die weitere Entwicklung des Wilhelm-Leuschner-Platzes muss nun endlich mit maximaler Transparenz diskutiert werden!“

Lebendiges Viertel statt reiner Wissenschafts-/Verwaltungsstandort!

Der Platz wird nicht nur als Wissenschafts-, Kultur-, Bildungs- und Verwaltungsstandort, sondern auch für bezahlbares Wohnen und die Markthalle gebraucht. Die Überlegungen der Stadtverwaltung gehen offenbar in die Richtung, hier neben einer Verwaltungsunterbringung auch die Musikschule und die Volkshochschule unterzubringen. Zudem – und hier verfolgt die Verwaltung das gleiche Interesse wie der Freistaat Sachsen – sollen auch das Forum Recht, die Juristische Fakultät und das Global Hub auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz untergebracht werden.

Tim Elschner: „Meine Fraktion kann sich die Unterbringung der Juristischen Fakultät und des Forums Recht auf dem nördlichen Baufeld grundsätzlich gut vorstellen. Das überfrachten der bestehenden Flächenangebote auf den drei Baufeldern durch immer wieder neue Überlegungen der Stadtverwaltung hinsichtlich städtischer Nutzungsbedarfe wie Verwaltungsunterbringung, Volkshochschule oder Musikhochschule weckt eine kaum einzulösenden Erwartungshaltung. Und für die Grüne Fraktion ist bei allem klar: die Markthalle und der vom Stadtrat beschlossene Wohnungsbau sind gesetzt. Für meine Fraktion ist das vom Stadtrat 2015 beschlossenen städtebauliche Leitbild für den Wilhelm-Leuschner-Platz weiter von zentraler Bedeutung.“

Wesentliche Bestandteile der Städtebaulichen Leitlinien sind neben der Markthalle im mittleren Baufeld u.a. die Wohnanteile von 40% Bruttogeschossfläche im südlichen und 20 % im nördlichen Baufeld.

Tim Elschner: „Dieses Leitbild darf nicht filitiert werden. Es braucht weitere Aufklärung zu den angedachten Flächentauschgeschäften mit dem Freistaat, die auch in Zusammenhang mit dem Wilhelm-Leuschner-Platz zu sehen sind. Bei einer Entwicklung des Platzes zu einem Verwaltungs- und Wissenschaftstandort wurde die angestrebte Vielfalt und Urbanität verloren gehen. Transparenz ist deshalb eine exakte gebäude- und etagenscharfe Auflistung der Flächenbedarfe im Verhältnis zu den Flächenangeboten der jeweiligen Baufelder.“

Städtebauliches Leitbild sichern – sozialen Wohnungsbau umsetzen!

Zwar ist das Wohnen und der soziale Wohnungsbau neben der Markthalle im Planentwurf gesetzt und enthalten, trotzdem ist zweifelhaft, wie dies gelingen soll. Die Gründe dafür sind einerseits die angezielten Eigentümerstrukturen – so fehlt nach wie vor jede Aussage, wie und durch wen der Freistaat auf dessen möglicher Flächen den gewünschten Wohungsbau realisieren will - und andererseits die diskutierte Einordnung des Wohungsbaus im nördlichen Baufeld mit Ausrichtung zum lärmintensiven Ring.

„Wir begrüßen grundsätzlich, dass im Bebauungsplan für 30 % der vorgesehenen Bruttogeschossfläche auch sozialer Wohnungsbau vorgesehen ist. Es ist aber zu befürchten, dass das vom Stadtrat vorgeschriebene Ziel für den Wohnungsbau verfehlt werden könnte. Alle Beteiligten sind deshalb gefordert, dem städtebaulichen Leitbild für Wilhelm-Leuschner-Platz gerecht zu werden, damit der Wilhelm-Leuschner-Platz das erhoffte vielfältige, urbane und nachhaltige Quartier wird.“

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