Haushaltsantrag 2027/28: Wiederaufführung von ‘LEIPZIG 1813 – in den Wirren der Völkerschlacht’ im Panometer Leipzig
Änderungsantrag zum Haushaltsplanentwurf 2027/28
Personenantrag eingereicht von den Stadträt*innen Sylvia Herbst-Weckel, Marco Götze, Sascha Jecht
Beschlussvorschlag:
Die Stadt Leipzig tritt mit dem Panoramakünstler Yadegar Asisi in Verhandlung, um das Ziel zu realisieren, das Panorama ‚Leipzig 1813 – in den Wirren der Völkerschlacht‘ ab möglichst Oktober 2028 anlässlich des 215. Jahrestag der Völkerschlacht und dem 25. Jahrestag des Panometers für mindestens 1,5 Jahre im Panometer Leipzig wiederaufzuführen. Hierzu werden 500.000 EUR aus dem Haushalt zur Überarbeitung und Neuherstellung des Kunstwerks zur Verfügung gestellt. Die Verwaltung wird zudem beauftragt, eine Refinanzierung über eine Umsatzbeteiligung in 2029/30 auszuhandeln und daraus einen Erhaltungsfonds für eine dauerhafte Heimat des Panoramas aufzubauen.
Begründung:
Mit der aktuellen Ausstellung ANTARKTIS verzeichnet das Panometer Leipzig seit Januar 2026 erneut einen großen Publikumserfolg. Bereits im August wurden rund 200.000 Besucherinnen und Besucher begrüßt; im ersten Jahr der Präsentation voraussichtlich rund 300.000. Parallel plant Yadegar Asisi bereits das Ausstellungsprogramm im Panometer Leipzig bis weit über das Jahr 2030 hinaus.
Nach derzeitiger Planung endet die Ausstellung ANTARKTIS im Herbst 2028. Im selben Jahr feiert das Panometer Leipzig sein 25-jähriges Bestehen. Yadegar Asisi erwägt, dieses Jubiläum mit einer Retrospektive seiner bisherigen insgesamt 17 Panoramen zu begehen und diese Werke in der begleitenden Ausstellung als großformatige Bildinszenierungen zu präsentieren.
LEIPZIG 1813 nimmt innerhalb dieses Gesamtwerkes für die Stadt Leipzig eine ganz besondere Stellung ein. Das Panorama ist nicht nur ein bedeutender Meilenstein im künstlerischen Schaffen Asisis, sondern zugleich ein herausragender Beitrag zur Leipziger Stadtgeschichte sowie zum Kultur- und Tourismusstandort Leipzig.
Das Jubiläumsjahr bietet daher die einmalige Gelegenheit, LEIPZIG 1813 für einen begrenzten Zeitraum – üblicherweise 1,5 Jahre, also von etwa Oktober 2028 bis März 2030 – erneut im Panometer zu zeigen. Die Stadt Leipzig könnte dieses Projekt als Partnerin unterstützen und damit zugleich den bestehenden Stadtratsbeschluss zum dauerhaften Erhalt des Panoramas mit einem ersten konkreten Schritt umsetzen.
Eine erneute Präsentation von LEIPZIG 1813 im Panometer ist dabei ausdrücklich keine Selbstverständlichkeit. Das Leipziger Panometer dient dem Künstler als Premierenhaus, in dem bislang kein Panorama doppelt ausgestellt wurde. Auch für die Zeit nach ANTARKTIS liegen bereits zwei konkrete alternative Panorama-Projekte vor. Ohne eine gemeinsame Initiative mit der Stadt Leipzig würde LEIPZIG 1813 daher voraussichtlich nicht erneut im Panometer Leipzig gezeigt werden.
Für eine Beteiligung der Stadt im Sinne der Wiederaufführung des 1813-Panoramas sprechen insbesondere folgende Gründe:
- Umsetzung eines bestehenden Stadtratsbeschlusses
Der Stadtrat hat den dauerhaften Erhalt von LEIPZIG 1813 von Yadegar Asisi bereits zweimal beschlossen.
- Ratsbeschluss vom 28.10.2015
- Ratsbeschluss vom 22.08.2018
Die Wiederaufführung im Panometer Leipzig bietet die Chance, diesen politischen Willen - unter Berücksichtigung der vorherigen Hinderungsgründe zur Umsetzung der vorangegangenen Ratsbeschlüsse - erstmals sichtbar umzusetzen und zugleich den Weg zu einer dauerhaften Lösung einzuleiten.
- Anerkennung eines außergewöhnlichen Leipziger Kulturguts
LEIPZIG 1813 wurde 2013 von Yadegar Asisi auf eigenes unternehmerisches Risiko geschaffen und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kunst- und Kulturprojekte zur Leipziger Stadtgeschichte. Die Ausstellung prägte Leipzig kulturell und touristisch weit über ihre eigentliche Laufzeit hinaus.
Mit den Stadtratsbeschlüssen wurde der besondere kulturelle Wert des Panoramas wiederholt anerkannt. Eine Beteiligung der Stadt an einer Interimsausstellung wäre daher zugleich ein klares Bekenntnis zum Erhalt dieses außergewöhnlichen Kulturguts und zur Wertschätzung des Gesamtwerks von Yadegar Asisi, das weit über Leipzig hinaus – von Frankreich über Österreich bis nach Kolumbien – internationale Beachtung gefunden hat.
Mit seinen Panoramen hat Yadegar Asisi von Leipzig aus zugleich ein vielbeachtetes Experiment für das Museum der Zukunft geschaffen: Auf eigenes unternehmerisches Risiko erprobt er seit mehr als zwei Jahrzehnten neue Formen der Wissensvermittlung.
- Hohe Hebelwirkung einer städtischen Anschubfinanzierung
Mit einer Anschubfinanzierung von 500.000 EUR ermöglicht die Stadt ein Kulturprojekt mit einem Gesamtvolumen von rund 2,8 Mio. EUR. Dieses umfasst Überarbeitung und Produktionskosten von etwa 1 Mio. EUR sowie Betriebskosten von rund 1,8 Mio. EUR für 18 Monate Laufzeit.
Der überwiegende Teil der Finanzierung sowie das wirtschaftliche Risiko verbleiben weiterhin bei der Panometer GmbH. Mit vergleichsweise begrenzten öffentlichen Mitteln kann somit ein Projekt von erheblicher kultureller, stadthistorischer und touristischer Bedeutung realisiert werden. Der hierfür erforderliche öffentliche Aufwand ist auch im Vergleich zu anderen Panorama-Projekten überschaubar: Städte wie Konstanz (Vernissage am 10.09.2026), Wittenberg (seit 2016) oder Rouen (2016-21) haben für entsprechende Projekte einen erheblich größeren Aufwand betrieben.
- Grundstein für den dauerhaften Erhalt und mögliche Refinanzierung
Die Wiederaufführung kann den Auftakt für eine dem Stadtratsbeschluss entsprechende langfristige Lösung zum Erhalt von LEIPZIG 1813 ermöglichen. Während der Laufzeit können bspw. durch freiwillige Fördertickets, Sponsoring, Crowdfunding sowie weitere Partner und Paten erhebliche Mittel für den dauerhaften Erhalt des Panoramas an anderer Stelle eingeworben werden.
Ergänzend sollte bei einer öffentlichen Förderung ein erfolgsabhängiges Beteiligungsmodell vereinbart werden, beispielsweise über einen Besucherbeitrag ab einer definierten und gemeinsam verhandelten Besucherzahl und einer gesicherten Gesamtfinanzierung des Projektes. Dadurch bestünde die Möglichkeit, einen Teil der städtischen Anschubfinanzierung zu refinanzieren und gleichzeitig einen Erhaltungsfonds für eine dauerhafte Heimat des Panoramas aufzubauen.
- Gemeinsame Vermarktung stärkt den Standort Leipzig
Das Panometer erzeugt seit seinem Bestehen (4-5 Mio. Besucher) für eine enorme Umwegrentabilität (schätzungsweise 100-150 Mio. EUR), ohne dass die Stadt Leipzig je hat eine finanzielle Unterstützung/Förderung leisten müssen. Etwa 60 Prozent bis 70 Prozent der Besucherinnen und Besucher sind auswärtige Tagestouristen und Übernachtungsgäste. Neben der Förderung der Hotels, Gastronomie und lokaler Handwerksfirmen, fließt auch über die Umsatzsteuer, Gewerbesteuer der Dienstleister sowie die Einkommenssteuer der Angestellten ein erheblicher Teil der Umsätze direkt als Steuereinnahme an die Stadt zurück.
Durch die Beteiligung der Stadt (etwa über die Beherbergungssteuer für das 1813-Projekt) kann die Wiederaufführung in das Kultur- und Tourismusmarketing der Stadt Leipzig eingebunden werden. Erneute Kooperationen mit der Stiftung Völkerschlachtdenkmal, Museen, Schulen, der LTM sowie weiteren Einrichtungen erhöhen die Reichweite der Ausstellung und schaffen zusätzliche wirtschaftliche Effekte für die Stadt. Die Wiederaufführung von LEIPZIG 1813 bietet damit nicht nur einen kulturellen Mehrwert, sondern stärkt zugleich Leipzig als Kultur-, Geschichts- und Tourismusstandort.
Fazit
Die Wiederaufführung von LEIPZIG 1813 verbindet die Umsetzung eines bestehenden Stadtratsbeschlusses mit der Würdigung eines herausragenden Leipziger Kulturguts 25 Jahre nach seiner Gründung. Mit einer vergleichsweise geringen Anschubfinanzierung kann die Stadt ein Projekt mit hoher kultureller, touristischer und wirtschaftlicher Wirkung ermöglichen und zugleich den Grundstein für den möglicherweise dauerhaften Erhalt des Panoramas legen. Das 25-jährige Jubiläum des Panometers bietet hierfür ein einmaliges und zeitlich passendes Momentum. Eine Refinanzierung über die Beherbergungssteuer und eine erfolgsabhängige Umsetzbeteiligung machen das ganze Projekt umso attraktiver für die Stadt.
Verwaltungsstandpunkt vom 9. Oktober 2026
Der Antrag wird abgelehnt.
Begründung
Das mit dem Antrag verfolgte Anliegen ist nachvollziehbar und geeignet, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der historischen Präsentation der Stadt Leipzig zu leisten. In der Vergangenheit wurden dazu auch bereits mehrfach Gespräche mit der Stiftung Völkerschlachtdenkmal und dem Team Asisi geführt und dazu auch detaillierte Machbarkeitsüberlegungen angestellt. Diese haben allerdings einen erheblichen Finanzbedarf für die Errichtung und Betreibung eines eigenen Panoramastandortes zum Thema 1813 ausgewiesen, der daher auf absehbare Zeit nicht in Betracht kommt.
Eine Berücksichtigung des beantragten zusätzlichen Budgetbedarfs im Doppelhaushalt 2027/2028 ist unter den derzeitigen haushaltswirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch ebenfalls nicht möglich.
Die Stadt Leipzig befindet sich in einer außergewöhnlich angespannten Haushaltslage. Eine Genehmigung des Haushaltes 2027/2028 kann nur unter Berücksichtigung des Erlasses zur Bewältigung der außergewöhnlichen Haushaltslage vom 21.07.2025 erreicht werden erreicht.
Aufgrund der strukturellen Haushaltsprobleme ist die Stadt zudem verpflichtet, ein Haushaltsstrukturkonzept (HSK) aufzustellen und umzusetzen.
Vor diesem Hintergrund ist für die Ausweitung bestehender Budgetansätze oder die Begründung zusätzlicher freiwillige Verpflichtungen kein finanzieller Spielraum vorhanden. Solche zusätzlichen finanziellen Belastungen des Haushalts sind zu vermeiden, da diese die Genehmigungsfähigkeit des Doppelhaushalts 2027/2028 gefährden könnten.
Die Ablehnung ist nicht als Bewertung der inhaltlichen Zielsetzung des Antrags zu verstehen, sondern ergibt sich aus der aktuellen Haushaltslage sowie den haushaltsrechtlichen und konsolidierungspolitischen Anforderungen. Zudem wird das Thema der Erinnerung an die Ereignisse von 1813 durch das Völkerschlachtdenkmal und das angeschlossene Forum 1813 bereits in vorbildlicher und durch laufende Ausstellungserweiterungen noch weiter qualifizierter Weise vertreten, sodass in diesem Bereich bei aller Wünschbarkeit zusätzlicher Angebote keine erinnerungskulturelle Lücke besteht.