Leipzig braucht mehr Einnahmen – nicht nur neue Kürzungen
Pressemitteilung vom 28. August 2026
Foto: Martin JehnichenDie Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Leipziger Stadtrat will die Beherbergungssteuer von derzeit fünf auf acht Prozent erhöhen. Nach unseren Berechnungen könnten dadurch 2027 rund 8,3 Millionen Euro und 2028 rund 8,4 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen für den Leipziger Haushalt entstehen.
Sylvia Herbst-Weckel, finanzpolitische Sprecherin der Fraktion:
„Seit Monaten reden wir darüber, wo Leipzig noch sparen kann. Aber eine seriöse Haushaltspolitik darf nicht nur aus Kürzungslisten bestehen. Wir müssen Ausgaben kritisch prüfen, und gleichzeitig verantwortbare Möglichkeiten zur Steigerung unserer Einnahmen nutzen. Sonst fehlt am Ende das Geld bei Vereinen, Kultur, sozialen Angeboten oder bei Kindern und Jugendlichen.“
Die zusätzliche Belastung für Leipzig-Gäste bleibt dabei überschaubar. Ein Übernachtungsgast in einem gewerblichen Beherbergungsbetrieb gibt in Leipzig durchschnittlich rund 200 Euro pro Tag aus. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 1,9 Tagen. Damit stehen rechnerisch rund 380 Euro Ausgaben während eines durchschnittlichen Aufenthalts einer zusätzlichen Beherbergungssteuer von etwa 5,70 Euro gegenüber.
„Wir reden über weniger als sechs Euro zusätzlich für einen durchschnittlichen Aufenthalt – und auf der anderen Seite über mehr als acht Millionen Euro für Leipzig. Das ist eine Abwägung, die für uns angesichts unserer Haushaltslage klar ausfällt“, so Sylvia Herbst-Weckel.
Seit Einführung der Beherbergungssteuer im Jahr 2023 bewegt sich Leipzig weiterhin auf historisch hohem touristischem Niveau. 2023 wurde ein damaliger Übernachtungsrekord erreicht, 2024 kamen so viele Gäste wie nie zuvor nach Leipzig und auch 2025 war trotz eines leichten Rückgangs das drittbeste Tourismusjahr seit Beginn der Statistik.
Sylvia Herbst-Weckel: „Natürlich wollen wir einen starken und attraktiven Tourismusstandort. Aber die Vorstellung, dass jemand wegen drei Euro pro Nacht auf die Buchmesse, das Bachfest, ein Fußballspiel, einen Kongress oder ein Wochenende in Leipzig verzichtet, überzeugt nicht.“
Die bündnisgrüne Fraktion verbindet die Erhöhung mit einer sozialen Ausnahme: Auszubildende und Studierende, die aufgrund ihrer Ausbildung oder ihres Studiums nachweislich in Leipzig übernachten müssen, sollen von der Beherbergungssteuer befreit werden. Dies betrifft schätzungsweise weniger als ein Prozent der Übernachtungen und führt zu einer Minderung der maximal Mehreinnahmen von rund 150.000 Euro.
Zugleich soll die Satzung an die steigende Bedeutung des Wassertourismus angepasst werden. Künftig sollen auch Gewässerliegeplätze und sonstige schwimmende Unterkünfte ausdrücklich als Beherbergungseinrichtungen erfasst werden.
Sylvia Herbst-Weckel betont: „Wer zusätzliche Einnahmen ablehnt, darf das tun. Aber dann muss bei den nächsten Haushaltsberatungen auch die Frage beantwortet werden, woher diese acht Millionen Euro stattdessen kommen sollen. Haushaltsverantwortung heißt nicht nur, abstrakt Einsparungen zu fordern. Sie heißt, die Konsequenzen dieser Entscheidungen offen zu benennen – auch gegenüber den Vereinen, Kultureinrichtungen und sozialen Trägern, die die Leidtragenden sind.“
„Die diskutierte Gästekarte mit möglichen Vorteilen etwa im ÖPNV oder bei touristischen Angeboten halten wir grundsätzlich für eine interessante Idee, die unabhängig von der Steuererhöhung geprüft werden sollte. Am Ende wird Politik nicht daran gemessen, was sie verspricht, sondern daran, was sie entscheidet. Leipzig braucht beides: einen attraktiven Tourismusstandort und einen Haushalt, der unsere Stadt handlungsfähig hält“, so Sylvia Herbst-Weckel abschließend.