Parkraumbewirtschaftung für eine gerechte und nachhaltige Mobilität in Leipzig
Foto: Martin JehnichenPressemitteilung vom 25. November 2025
Leipzig steht vor der Herausforderung, die wachsende Verkehrsbelastung und den steigenden Parkdruck in den Griff zu bekommen – insbesondere in dicht besiedelten Stadtteilen, wo Anwohnende und Gewerbetreibende zunehmend mit der Knappheit an Parkflächen umgehen müssen. Gleichzeitig muss die Stadtentwicklung den Bedarfen nach mehr Freiräumen und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sowie nach mehr Verkehrssicherheit Rechnung tragen, was tendenziell mit einer Reduzierung der öffentlichen Stellplätze einhergehen wird.
Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Antrag ins Stadtratsverfahren eingebracht, der die schrittweise Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung sowie eine sozialverträgliche Anpassung der Parkgebühren vorsieht. Ziel ist es, den öffentlichen Raum fairer zu verteilen, den Parksuchverkehr zu reduzieren und gleichzeitig dringend benötigte Mittel für die Finanzierung der Mobilitätswende zu generieren.
„Leipzig hinkt im bundesweiten Vergleich bei der Parkraumbewirtschaftung deutlich hinterher – mit gerade einmal 2,3 % öffentlich bewirtschafteter Flächen“, erklärt Kristina Weyh, Fraktionsvorsitzende und verkehrspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Fraktion. „Nicht nur Städte wie München oder Stuttgart zeigen, dass eine gut regulierte Parkraumbewirtschaftung nicht nur die Parksituation entspannt, sondern auch die Lebensqualität in den Vierteln steigert. Auch unsere eigenen Erfahrungen im Waldstraßenviertel, wo die anfänglichen Probleme und enormen Vorbehalte einer weitgehenden Zustimmung gewichen sind, zeigen den Mehrwert einer Parkraumbewirtschaftung. Unser Antrag zielt darauf ab, diese positiven Effekte flächendeckend zu nutzen – ohne Menschen mit weniger finanziellen Mitteln zu überfordern.“
Der Antrag sieht vor, den Anteil bewirtschafteter Parkflächen in Leipzig schrittweise zu erhöhen: bis 2030 auf mindestens 5 %, bis 2035 auf 10 % und bis 2040 auf 20 % des gesamten Parkraums. Parallel sollen die Gebühren für Bewohner- und Anwohnerparkausweise vereinheitlicht und schrittweise auf 365 € pro Jahr angehoben werden – ein Betrag, der im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten wie Amsterdam (567 €) oder Stockholm (bis zu 1.309 €) moderat bleibt. Zudem wird eine Kopplung der innerstädtischen Parkgebühren an den Preis eines LVB-Einzeltickets vorgeschlagen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen und den Umstieg auf den ÖPNV weiter zu forcieren.
„Die aktuellen Bewohnerparkgebühren von 8 Cent pro Tag decken nicht einmal die Instandhaltungskosten“, so Weyh. „Eine Anpassung ist überfällig – nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch, um Anreize für klimafreundliche Alternativen zu schaffen. Wer ein zweites oder drittes Auto besitzt, sollte sich fragen, ob das wirklich notwendig ist, wenn Carsharing und ÖPNV gute Optionen bieten und zu einem deutlich geringeren Stellplatzbedarf führen, der dann wiederum Potenzial für eine höhere Aufenthaltsqualität durch mehr öffentliche und grüne Freiräume vor der eigenen Haustür mit sich bringt.“
Die Fraktion betont, dass die Gebührenerhöhung sozial abgefedert werden muss: Ermäßigungen für einkommensschwache Haushalte und Menschen mit Schwerbehinderung sollen geprüft und berücksichtigt werden. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung sollen laut Antrag in die Finanzierung der Mobilitätswende, insbesondere in den Ausbau des ÖPNV und der Radinfrastruktur fließen.
„Die kommunale Haushaltskrise erfordert Lösungen“, unterstreicht Kristina Weyh. „Mit diesem Modell schaffen wir eine Win-Win-Situation: Wir entlasten die Stadtteile vom Parkchaos, generieren Mittel für klimafreundliche Verkehrsalternativen und sorgen gleichzeitig für mehr Gerechtigkeit bei der Nutzung des öffentlichen Raums und eine höhere Aufenthaltsqualität.“
Der Antrag wird in den kommenden Wochen im Stadtrat beraten.
Für Rückfragen erreichen Sie Kristina Weyh 0176/20311858.