Räumen ist keine Lösung – Bündnisgrüne fordert Zwischenlösung für Wohnungslose
Pressemitteilung vom 4. Dezember 2025
Foto: Martin JehnichenSeit einigen Monaten hat sich an der Nürnberger Straße ein "Zeltplatz Mitte" gebildet, der am heutigen Donnerstag geräumt wird. Vorausgegangen war eine für die Nachbarschaft unerträgliche Situation. Verschmutzung, Lärm und gewaltvolle Auseinandersetzungen haben die auch mediale Aufmerksamkeit auf diesen Ort gelenkt. Mit der Räumung wird dieses Problem zwar an diesem Ort aufgelöst, die prekäre Situation von obdachlosen Menschen in unserer Stadt aber mitnichten gelöst, sondern einmal mehr nur verlagert.
Zuvor entstanden Zeltplätze wie dieser an mehreren Orten von Jahrtausendfeld, Astoriatunnel, East Park Volkmarsdorf über Westseite Hauptbahnhof bis jüngst im Seeburgviertel. Der Stadtordnungsdienst reagierte mit Räumung, flankiert vom Sozialamt, welches Ansprache, Sozialberatung, Transfer in die Übernachtungshäuser und vorübergehende Lagerung von persönlichen Gegenständen bis zu ihrer Abholung gewährleistete.
"Im Ergebnis sind die Menschen in alle Richtungen versprengt und aufgebaute Streetwork-Kontakte abgebrochen. So sehr die Räumung an diesem Ort richtig ist, so nötig ist die Schaffung eines Angebots!" erklärt Katharina Krefft, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Mitglied der AG Recht auf Wohnen.
Darum beantragt die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Leipziger Stadtrat erneut, den Astoriatunnel als Schutzort wieder zu öffnen. "Hier sind keine privaten Nachbarschaften berührt und die Nähe zum Hauptbahnhof unterstützt die Annahme dieses Ortes. Mit Toilettenanlage, Anlaufen durch Streetwork, Unterstützung bei der selbstorganisierten Ordnung und Moderation für respektvolles Miteinander sollen Sicherheit und störungsfreies Nächtigen ermöglicht werden", so Katharina Krefft.
Realistischerweise ist davon auszugehen, dass teilweise auch mit städtischen Ressourcen Entsorgungen und Reinigung zu planen sind. Krefft: "Wir stellen uns der Realität und wollen ein niedrigschwelliges temporäres Angebot unterhalb der Standards der Wohnungslosenhilfe, um obdachlosen Menschen, die die Übernachtungshäuser nicht anlaufen (können), gerade in der kalten Jahreszeit Schutz in ihrer Not zu geben."
Der Stadtrat hat bereits Vorsorge getroffen und die Schaffung eines Ortes in Hauptbahnhofsnähe mit dem Wohnungslosenhilfekonzept 2018-2022 beauftragt; den Ankauf eines Hostels in der Kurt-Schumacher-Straße bereits Ende 2022 bestätigt und zuletzt Anfang 2025 auch die Mittel für die Herrichtung des Hauses freigegeben. Die Eröffnung ist jedoch erst im Jahresverlauf 2026 geplant.
"Die lange Zeit bis zur Umsetzung der Notschlafstelle zeugt von mangelndem Problembewusstsein an der Stadtspitze“, so Katharina Krefft. „Sparen ist keine Lösung für existentielle Notlagen!"