Rede von Anna Lisa Möbius am 29. April 2026 zum Antrag "Einrichtung von Stillräumen in Bürgerbüros und Wartebereichen der bürgernahen Dienstleistungen"
- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Bürgermeister*innen
sehr geehrte Kolleg*innen der demokratischen Parteien,
liebe Besucher*innen hier und im Livestream
unser Antrag ist eigentlich sehr schlicht:
Stillende Eltern sollen in unseren Bürger*innenbüros nicht zwischen Hunger und Öffentlichkeit wählen müssen.
Wir reden hier nicht über Wellnessoasen im Verwaltungsdesign.
Wir reden über einen Stuhl, einen Sichtschutz – und ein Mindestmaß an Würde.
Ja, es gibt bereits einzelne Standorte in Leipzig, an denen Still- und Wickelräume vorhanden oder geplant sind. Das ist gut. Aber „vereinzelt vorhanden“ ist noch kein Standard. Und Familienfreundlichkeit sollte kein Zufallsprodukt einzelner Immobilien sein.
Die Verwaltung verweist auf Brandschutz, Arbeitsstättenverordnung, geeignetes Mobiliar. Selbstverständlich gelten hier diese Regeln, das ist mir bewusst und ja normal in Deutschland. Aber sie gelten auch für jede Spielecke und jeden Wartebereich. Ein Stillbereich ist kein Hochsicherheitslabor.
Unser ursprünglicher Antrag wollte deshalb eine klare, verbindliche Umsetzung – haushaltsneutral, pragmatisch, mit vorhandenen Räumen und einfachen Mitteln. Denn ein Baby wartet nicht auf das Standortkonzept der Bürger*innenbüros.
Der Verwaltungsstandpunkt ist vorsichtiger formuliert: Es soll geprüft werden, wo stillfreundliche Wartezonen im Rahmen der Möglichkeiten eingerichtet werden können. Das ist weniger ambitioniert, aber es bewegt das Thema strukturell in die richtige Richtung.
Deshalb werden wir den Verwaltungsstandpunkt zur Abstimmung stellen – verbunden mit der Erwartung, dass aus „Prüfen“ dann auch „Einrichten“ wird.
Denn Familienfreundlichkeit zeigt sich nicht nur im Leitbild einer Stadt, sondern auch in ihren Wartebereichen.
Vielen Dank.