Rede von Anne Vollerthun am 24. September 2025 zum Antrag "Katzenschutzverordnung"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Beigeordnete, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,
sehr geehrte ZuschauerInnen auf der Tribüne und im Livestream,
auch von meiner Seite möchte ich nochmal kurz mit Nachdruck die Wichtigkeit dieses Antrags betonen.
Die Einführung einer Katzenschutzverordnung sehen wir als überfällig – nicht nur aus Sicht des Tierschutzes, sondern auch im Sinne einer klaren Verantwortungsübernahme durch uns als Stadt und durch die Katzenhalterinnen und -halter selbst.
Es geht im Kern darum, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für Tiere, die domestiziert sind, die auf den Menschen angewiesen sind. Wer sich entscheidet, eine Katze zu halten, übernimmt eben auch die Pflicht, für deren Wohlergehen zu sorgen. Dazu gehört auch die Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht und eben die Kastration, um Leid zu verhindern – bei den Tieren selbst und beim Nachwuchs.
Denn: Eine unkastrierte Freigängerkatze kann pro Jahr Dutzende Nachkommen verursachen. Diese Tiere landen oft auf der Straße – ungeschützt, oft krank, hungernd, viele sterben an vermeidbaren Krankheiten oder unter schlimmen Umständen.
Es sind dann meist ehrenamtliche Tierschützerinnen und Tierschützer, Vereine, Organisationen – Menschen, die ihre Zeit, Kraft und oft auch eigenes Geld investieren, um zu retten, was zu retten ist. Ich habe in den letzten Monaten mit vielen dieser engagierten Menschen gesprochen. Die Rückmeldungen sind deutlich: Die Situation spitzt sich zu. Eben gerade in den Randgebieten Leipzigs, in Ortschaften und im ländlichen Raum nimmt das Problem überhand.
Es ist ein stilles Leid, das nicht im inneren Stadtbild zu sehen ist - aber es ist da. Und es ist groß.
Ich selbst war bei der (Katzenschutz) Konferenz in Delitzsch. Dort wurde mir erstmals das gesamte Ausmaß dieser Problematik bewusst. Und es war beeindruckend zu sehen, wie viele verschiedene Akteurinnen und Akteure sich für eine Katzenschutzverordnung stark machen – von Tierärztinnen und Tierärzten bis hin zu lokalen Initiativen.
Auch Notpfote Animal Rescue e.V., eine international aktive, anerkannte große Organisation, war vertreten. Und - wer ihn vielleicht kennt - auch Malte Zierden, einer der bekanntesten Tierschützer Deutschlands, war vor Ort – und hat sich klar für eine Katzenschutzverordnung ausgesprochen. Gemeinsam mit Notpfote e.v. hat er einen Aufruf dazu gestartet, der vor allem in den sozialen Medien viral ging.
Diese breite Unterstützung zeigt: Wir sind nicht allein mit unserem Anliegen.
Wir sehen: Tierschutzvereine und politische Initiativen fordern seit Langem eine landesweite Katzenschutzverordnung – aktuell liegt dazu auch ein Antrag der Linksfraktion im Sächsischen Landtag vor. Das Staatsministerium für Soziales sagt, ich zitiere:
„Auch wenn das SMS die bisher auf Grundlage der Förderrichtlinie Tierschutz erfolgte Finanzierung der durchgeführten Katzenkastrationen für einen erfolgreichen Ansatz hält, steht es einer landesweiten Katzenschutzverordnung durchaus offen gegenüber.“
Zur Klärung der benötigten Datenlage würde derzeit eine Erhebung zur Situation freilebender Katzen vorbereitet – unter Einbindung von Tierheimen, Behörden und Tierärzt:innen.
Und, bei einer Katzenschutzverordnung geht es nicht nur um Katzenschutz. Auch im Bereich Vogelschutz ist das Thema relevant. Laut der Wildvogelhilfe sind Katzenangriffe die dritthäufigste Ursache für verletzte oder getötete Vögel in Leipzig. Auch hier sehen wir: Eine unkontrollierte Vermehrung von Freigängerkatzen hat auch ökologische Auswirkungen.
Unser Antrag setzt auf Verantwortung – ohne Katzenhalterinnen und -halter zu gängeln, sondern sie in die Pflicht zu nehmen.
Wir bitten sehr um Ihre Zustimmung.
Vielen Dank.