Rede von Anne Vollerthun am 26. November 2025 zum Antrag "Weniger Böller – mehr Silvester für alle"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Beigeordnete, sehr geehrte Stadträt*innen,
liebe Gäste,
Wir haben jetzt schon viele sehr gute Argumente gehört, die für eine Einschränkung von Silvesterfeuerwerk sprechen. Das möchte ich nun nicht nochmal alles wiederholen.
Ich möchte an dieser Stelle nochmal kurz den Fokus auf diejenigen lenken, die in der Debatte oft gar nicht gehört werden: Die Tiere.
Für viele Haustiere ist die Silvesternacht ein einziger Ausnahmezustand. Jedes Jahr berichten Tierärzt*innen von panischen Hunden, orientierungslosen Katzen, fluchtartigen Reaktionen, Erbrechen, Dauerzittern. Einige verlassen mit ihren Tieren vorsorglich die Stadt, schlafen aus Angst mit ihren Tieren im Bad, im Keller — oder, sogar auf dem Leipziger Flughafen, weil dort die Akustik gedämpft ist. Der Aufenthalt dort ist allerdings kostenpflichtig.
Wenn wir ehrlich sind: Das ist kein „Spaß“ mehr. Das ist Leid, das wir verursachen, obwohl es vermeidbar wäre.
Wildtiere hingegen sind völlig schutzlos.
Vögel steigen aufgrund der Explosionen auf über 100 Meter Höhe, aus purer Panik. Viele sterben dabei an Erschöpfung oder Kollisionen.
Tierschutzorganisationen melden jedes Jahr zahlreiche verletzte und tote Tiere. Meist sind es Arten, die ohnehin zurückgehen, die unter Lebensraumverlust und Klimakrise leiden — und wir setzen dem in einer einzigen Nacht noch Stress, Lärm und Lebensgefahr oben drauf.
Viele Tiere werden in der Silvesternacht aus ihrem Winterschlaf gerissen, was bedeuten kann, dass sie den Winter nicht mehr überstehen.
Wie zeitgemäß ist ein Brauch, der Leben gefährdet?
Das Leid der Tiere wird leider meist kaum wahr- oder gar ernst genommen.
Was ich mir wünsche ist: Empathie, Mitgefühl und Vernunft.
Deutschlandweite Umfragen und Petitionen zeigen Jahr für Jahr: Die Mehrheit will einen Wandel.
Und wir sollten diese Mehrheit ernst nehmen.
Halten wir also an einem lauten, zerstörerischen Ritual fest, das wir Menschen selbst konstruiert haben und deshalb auch jederzeit verändern können — oder entwickeln wir eine gemeinschaftliche, moderne und verantwortungsvolle Art des Feierns, die Menschen zusammenbringt, Tiere schützt und Umwelt schont.
Wir können versuchen bewusst eine nachhaltige, sichere und rücksichtsvolle Tradition für die Zukunft zu kreieren.
Ja, auf kommunaler Ebene haben wir nur begrenzte Möglichkeiten, einen neuen Umgang mit Silvester zu gestalten, aber wir sollten sie unbedingt nutzen und so einen Prozess des Wandels anstoßen und in Leipzig ein Zeichen setzen.
Ich bitte Sie daher: Stimmen Sie dem Antrag zu.
Vielen Dank.