Rede von Chantal Schneiß am 27. August 2025 zum Antrag "Einführung eines standardisierten Überlastungsmanagements in der Stadtverwaltung Leipzig"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, liebe Zuschauer*innen auf der Tribüne und im Stream,
Jeden einzelnen Tag fehlen 900 Mitarbeitende aufgrund von Krankheit.
Das ist ein Alarmsignal.
Ein täglicher Hilferuf. Und ein Spiegel unserer Verwaltungsrealität: Überlastung ist die Regel und nicht die Ausnahme. Schon lange schlagen Beschäftigte und der Personalrat Alarm.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende sagte kürzlich in der LVZ: „Böse könnte man nun formulieren: Und es läuft trotzdem. Irgendwie.“
Herr Weickert: Wenn das Ihr Maßstab für funktionierende Verwaltung ist – dann gute Nacht Leipzig.
Denn nein:
Es läuft eben nicht.
Bürger*innen warten Wochen auf Termine,
Bürgerbüros sind teilweise geschlossen,
Einbürgerungen dauern Jahre,
Beschlüsse des Stadtrates werden verschleppt oder gar nicht umgesetzt.
Die Verwaltung fährt auf Verschleiß – und wir tun so, als sei das normal.
Und währenddessen?
Versickern Überlastungsanzeigen im nirgendwo.
Ein systematisches Verfahren? Gibt’s nicht.
Eine zentrale Datenerfassung? Fehlanzeige.
Verbindliche Reaktionszeiten? Auch nicht.
Nicht einmal eine Flächendeckende elektronische Erfassung der Arbeitszeiten und mehrarbeitsstunden erfolgt.
Der Verwaltungsstandpunkt sagt, man habe bereits Maßnahmen entwickelt.
Zentrale Erfassung sei geplant, man sei dran. Klingt erstmal gut. Das nehmen wir zur Kenntnis, aber das reicht uns nicht.
Wir wollen eine klare Zeitschiene und regelmäßige Informationen zu Umsetzung, Ergebnissen und ergriffenen Maßnahmen.
Das ist dringend nötig – und es geht nicht nur um Fürsorge, sondern auch um ökonomische Vernunft:
Wenn Ihnen die Gesundheit der Beschäftigten egal ist, dann handeln Sie wenigstens aus wirtschaftlichen Gründen!
Denn eine überlastete Verwaltung kostet Geld, bremst Projekte, vertreibt Fachkräfte und sorgt für frustrierte Bürger*innen.
Deshalb sagen wir als bündnisgrüne Fraktion klar:
Wir brauchen endlich ein verbindliches, digitales und transparentes Überlastungsmanagement, das nicht irgendwann kommt, sondern jetzt auf den Weg gebracht wird – mit klaren Fristen, nachvollziehbaren Prozessen und einer regelmäßigen Berichtspflicht.
Nicht weil’s nett ist. Sondern weil es nötig ist.
Denn wenn wir weiter nur „irgendwie“ funktionieren, verlieren wir nicht nur die Beschäftigten –
sondern auch das Vertrauen der Bürger*innen in eine handlungsfähige Stadtverwaltung.
Stimmen Sie unserem Antrag zu.
Für gesunde Arbeitsbedingungen.
Für eine leistungsfähige Verwaltung.
Und für eine Stadt, die nicht auf dem Rücken ihrer Beschäftigten „irgendwie weiterläuft“,
sondern nachhaltig und verantwortungsvoll gestaltet wird.
Vielen Dank.