Rede von Chantal Schneiß am 29. April 2026 zum Antrag "Einführung einer klimasensiblen Gesundheitsberatung in Leipzig nach bayerischem Vorbild"

Foto: Martin Jehnichen

- es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Beigeordnete,
liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, liebe Zuschauer*innen auf der Tribüne und im Stream,

die Klimakrise ist die größte gesundheitliche Herausforderung unserer Zeit und sie findet auch direkt hier in Leipzig statt. Sie ist kein abstraktes Gebilde sondern auch bei uns sehr greifbar.

Wir alle spüren die heißeren Sommer in unserer Stadt, nachts kühlt es gar nicht mehr richtig ab. Doch für viele Menschen geht es dabei nicht nur um schlaflose Nächte in der heißen Dachgeschosswohnung. Wenn die Temperaturen über Tage nicht mehr unter 20 Grad sinken, gerät das Herz-Kreislauf-System unter massiven Stress, es muss Höchstleistungen erbringen um die Körpertemperatur zu regulieren.Für ältere Menschen, Schwanger, kleine Kinder oder Vorerkrankte kann das lebensbedrohlich sein. Das RKI schätzt: Im vergangenen Sommer gab es in Deutschland rund 2600 hitzebedingte Todesfälle. Dicht bebaute Städte wie Leipzig die sich wie Wärmeinseln aufheizen sind besonders betroffen.

Zur Hitzeerschöpfung kommen noch komplexe medizinische Zusammenhänge dazu, die im Alltag oft übersehen werden. Wenn es heiß ist, weiten sich unsere Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Nimmt ein Patient unverändert seine Blutdrucksenker weiter, drohen lebensgefährliche Kreislaufabfälle. Entwässernde Medikamente, sogenannte Diuretika,  können bei unveränderter Einnahme zu massiven Elektrolytentgleisungen und zu Flüssigkeitsmangel führen. Parkinsonmedikamente haben als Nebenwirkung ein verringertes Durstgefühl was bei Hitzetagen auch sehr gefährlich werden kann. Schmerzpflaster geben bei Hitze schneller ihren Wirkstoff ab, was zu Medikamenten Überdosierung führen kann. Und dann ist da noch die Lagerung von Medikamenten: Auf fast jedem Beipackzettel steht „Nicht über 25 Grad lagern”  doch beim mir im Dachgeschoss, in Pflegeheimen oder manchen Medikamentenräumen von Kliniken wird dieser Wert im Sommer regelmäßig überschritten. Insulin verliert dann seine Wirksamkeit, Asthmasprays versagen und so weiter und so fort. Das ist ein massives Sicherheitsrisiko.

Anders als einige von Ihnen vielleicht denken, wollen wir niemanden bevormunden, wir wollen die Menschen befähigen und unsere Bürger*innen bestmöglich schützen. Doch das spezifische Wissen über klimabedingte Gesundheitsrisiken ist auch in der Ärzteschaft noch nicht flächendeckend vorhanden. Das ist kein Vorwurf, wie gesagt, nicht mal alle Kliniken lagern ihre Medikamente vorschriftsmäßig, da müssen hier und da noch Wissenslücken geschlossen  und Bewusstsein geschaffen werden.
Viele Ärztinnen und Ärzte wünschen sich hier auch selbst mehr Unterstützung und gezielte Fortbildungen.

Bayern zeigt, dass es geht: Seit Oktober 2025 können sich Ärztinnen und Ärzte sich dort online fortbilden, klimasensible Beratungsgespräche führen und diese abrechnen, gefördert von den gesetzlichen Krankenkassen. Denn wir wissen ja alle Prävention ist immer günstiger und entlastet Perspektivisch Praxen und Notaufnahmen.

Die Verwaltung hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der Antrag in die ärztliche Selbstverwaltung fällt und wir keinen Unmittelbaren Einfluss darauf nehmen können. Wir übernehmen den VSP, der besagt, dass man mit Kassenärztlicher Vereinigung, Landesärztekammer und den Krankenkassen ins Gespräch kommen will um auf die Notwendigkeit eines solchen Angebotes hinzuweisen.

Bitte stimmen Sie dem VSP zu.

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