Rede von Katharina Krefft am 25. März 2026 zum gemeinsamen Antrag mit der SPD-Fraktion "Einsamkeit kann jede/n treffen"

Foto: Martin Jehnichen

- es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Herren und Damen Stadträt*innen und Gäste,

Einsamkeit findet sich als Begriff ein einziges Mal im Sozialreport und hier im Kontext Hochbetagte. Aber Einsamkeit kann jeden treffen, vorrangig Alleinlebende, aber eben auch Menschen, die von Menschen umgeben sind. Am 1. März schrieb Alexandra Steinberg im Stadtmagazin über das Phänomen „Einsam in der Großstadt“, dass sich inzwischen mehr junge Menschen einsam fühlen als Ältere. Auch in Leipzig wird der weltweite, von der UN dokumentierte Befund beobachtet. Auch wenn die Einsamkeitsdaten gegenüber den Pandemiejahren rückläufig sind, die langjährigen Trends bestehen fort: Ärmere sind stärker betroffen, Frauen mehr als Männer, Ostdeutsche mehr als Westdeutsche.

Einsamkeit ist das leidvolle Schicksal des auf sich selbst zurückgeworfenen, trotz Digitalisierung und potenziell unbegrenzter Kommunikationsmöglichkeiten hilflosen Individuums. Es ist ein schmerzhaftes, subjektives Gefühl, das auch in Gegenwart anderer auftreten kann. Einsamkeit bedeutet nicht Alleinsein, sondern das Gefühl des Alleingelassenseins. Es gibt verschiedene Thesen, warum sich ausgerechnet in unserer kommunikativen Gesellschaft Einsamkeit Bahn bricht – ganz vorne dabei ist das Smartphone, das Gemeinschaft vorgibt und doch alleinlässt.

Es gibt Theorien, wozu das Einsamkeitserleben führen kann - genannt wird hier auch reduziertes Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen und Empfänglichkeit für Verschwörungserzählungen.

Und schließlich gibt es Ansätze, wie mehr Gemeinschaftsgefühl erreicht werden kann, tatsächlich genau eine soziale Infrastruktur, die Orte, Engagement und professionelle Hilfe bietet.

Wir machen mit dem Antrag eine Reihe von Vorschlägen für konkrete Angebote und ihre Sichtbarkeit. Wesentlich ist, niedrigschwellige Angebote zu machen, die einfach nutzbar sind, wie Plauderbänke, Selbsthilfe und Telefonnummern. Für Menschen, die die Wohnung nicht verlassen, braucht es ein aufsuchendes Angebot – unabhängig vom Alter der Person! Damit das Thema mehr Bewusstsein bekommt, müssen wir darüber ins Gespräch kommen. Dafür eignen sich Aktionstage, Netzwerke und öffentliche Botschaften, beispielsweise zur Woche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ vom 22. bis 29. Juni 2026. Die Idee, jemanden hilfreich anzusprechen oder ansprechbar zu sein, ist gesellschaftlich ungewohnt. Mit etwas Offenheit lassen sich Hürden überwinden, genau das wollen wir für unsere Stadt bewirken. Wir haben verschiedene Vorschläge aufgezählt, die auf der persönlichen Ebene ansetzen. Tatsächlich kann auch Stadtgestaltung dazu beitragen, Wohlbefinden im öffentlichen Raum zu bewirken. Freundliche Plätze, einladende Möblierung, sichere Orte, wo mensch gerne verweilt und darüber auch in Kontakt und aufeinander zukommt.

Die effektivste Prävention von Einsamkeit sind soziale Räume und Begegnungsorte im Wohnumfeld. Heißt: jede Kürzung in Jugendhilfe, Sport, psychosozialer Gemeinschaft oder Gemeinwesenarbeit befeuert die Segmentierung und Fragmentierung, befördert Einsamkeit und Vereinzelung. Wir haben in unserem Antrag auf haushaltsneutrale Maßnahmen gesetzt. In der Hauptsache der Prävention von Einsamkeit stelle ich für meine Fraktion klar: soziale Infrastruktur ist für uns #unkürzbar.

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