Rede von Katharina Krefft am 27. Mai 2026 zum Antrag "Leipzig wird altersfreundliche Stadt"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, werte Gäste,
30 % der LeipzigerInnen sind Alte, also Menschen über 65 Jahre. Der Antrag altersfreundliche Stadt blickt auf diese Bevölkerungsgruppe, auf den demographischen Wandel und auf die Ressourcen, die das Alter mit sich bringt. Unsere AG 60plus im Kreisverband der Grünen Leipzig hat sich mit den age-friendly Cities befasst und als Instrument vorgeschlagen, um unsere Stadt lebenswerter zu gestalten. Von einem strategischen Ziel der Altersfreundlichkeit profitieren alle Generationen, denn die Teilhabe Älterer ist eine Teilhabe aller: barrierearme öffentliche Räume und Mobilität, stärkerer sozialer Zusammenhalt und gesellschaftliche Vernetzung.
Genau: Altersfreundlichkeit soll nach unserem Vorschlag strategisches Ziel werden! Die zwei vor über 20 Jahren aufgestellten zentralen Leitlinien unserer Stadtpolitik sind in einem Ziel auf Familienfreundlichkeit ausgerichtet. Ich habe nie verstanden, warum Alte und damit der demographische Wandel hier nie mit angezielt wurden.
Selbstredend hat die Stadt mit dem hochengagierten Seniorenbeirat an ihrer Seite umfassend die Lebensgestaltung der Seniorinnen und Senioren in allen Aspekten vorangebracht. Der Verwaltungsstandpunkt umreißt das zutreffend, aber leider auch defizitorientiert. Das schon ideenalte Dorf für Ältere aus dem Arbeitsprogramm zu zitieren geht hart am Thema vorbei.
Aber auch der Verwaltungsstandpunkt hebt die Fachplanungen hervor. Für Fachplanung braucht es dann aber genau diese Zielstellung: die übergreifende und generationenverbindende Arbeitsgrundlage.
Leipzig kann als erste ostdeutsche Stadt Mitglied im WHO-Netzwerk werden, die fundierten Erfahrungen einbringen und am Wissenstransfer partizipieren. Zu meinen, das ginge auch ohne Mitgliedschaft, erteilt kommunalen Netzwerken grundsätzlich eine Absage, das sei hier mal sehr deutlich gesagt!
Es braucht ja gerade mehr Austausch, mehr voneinander wissen, und dazu soll die breite Dialogoffensive beitragen, die alle Akteure einbindet. Das würde möglich machen, die Gesellschaft umfassend in den Blick zu nehmen und Fachplanung genau daran auch zu prüfen. Es würde möglich machen, dass demographische Themen nicht nur in der Befragung Älterer in Leipzig abgefragt würden, sondern genauso auch in Befragungen zu allen anderen Erhebungen!
In der Ausschussberatung wie auch im Seniorenbeirat fand der Antrag klare Zustimmung.
Und Herr Jung, wir können nach 21 Jahren strategische Ziele endlich die Alten mit in die Familienfreundlichkeit inkludieren! Und damit die Verbindung zum strategischen Ziel „Schaffung von Arbeitsplätzen“ herstellen: als altersfreundliche Stadt wären wir ausgezeichnet interessant für best ager, können wir touristisch werben. Damit machen wir dann auch die Kosten für die Mitgliedschaft im Netzwerk rentierlich.
Ich bitte um Zustimmung zum Antrag und erinnere Sie gerne daran, dass wir alle älter werden!