Rede von Katharina Krefft am 29. Oktober 2025 zum Antrag "Zusammen Wohnen – Gemeinsam weniger einsam, günstiger und besser leben"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Herren und Damen Stadträte, werte Gäste und Medienvertreter*innen,
Gemeinsam weniger einsam, günstiger und besser wohnen – darum soll es gehen
Leipzig wächst weiter und die Wohnprobleme sind bereits prekär, oder wie der Sozialreport darstellt: der Wohnungsmarkt ist angespannt. Der Sozialreport weist aus, dass die Erteilung eines Wohnberechtigungsscheines von 2021 zu 2022 um 81% stieg – und weniger als 33% konnten mit Wohnraum versorgt werden. Gerade Ältere sind von Entmietungen betroffen und gerade Jüngere finden keinen Wohnraum, sie alle brauchen kleinen Wohnraum. Daran mangelt es. Verfügbar ist überwiegend die 3-4 Raum Wohnung. Denn zwei Drittel des Leipziger Wohnungsbestandes sind Wohnungen mit 3-4 Räumen. Viele gerade Ältere leben allein, sind belastet von der Miete, ihr Haushaltseinkommen geht mit 35% am höchsten von allen Altersgruppen in die Miete! Aktuell bekommen die Menschen zudem noch Nachzahlungsaufforderungen für die Warmmiete, und die Beratungsstellen melden uns einen dramatischen Anstieg der Fälle.
Umziehen lohnt nicht, die kleinere Wohnung ist teurer als die alte, denn neu fertiggestellte Wohnungen sind relativ teuer. Wohnungstausch gelingt nicht, das haben wir mit dem wohnungspolitischen Konzept bereits versucht.
Wohnen für Hilfe, Mitwohnen oder Tandemwohnen heißen Modelle aus anderen Großstädten. Gleichaltrige oder junge Menschen ziehen mit ein. Zum Semesterbeginn hatte das Studentenwerk mit Raumteiler genau das beworben. Uns ist klar: Zusammen wohnen muss gut überlegt sein, immerhin ist die eigene Wohnung ein intimer Ort. Mit dem Antrag wollen wir erreichen, dass die Option Wohngemeinschaft stärker betrachtet wird. Während die Untervermietung an eine Studierende eher kurzzeitig mit wenigen Jahren angelegt ist, wäre ein Mitwohnen mit jemanden Gleichaltriges von Dauer. Und dann gilt, was für alle Partnerschaften gilt: Prüfe, wer sich bindet.
Die Wohnberatung der Stadt bietet Beratung zu allen Fragen des Wohnens und damit auch grundsätzlich Beratung zum Zusammenwohnen; aber ausrechnet hier wurde die zusätzliche 0,75 Stelle gekürzt, entgegen des Stadtratsbeschlusses zum Fachplan Älter werden in Leipzig. Das soll mit diesem Antrag erinnert werden! Damit sich Menschen überhaupt finden, kennenlernen und einigen können, meinen wir, wäre ein Verein hilfreich. Natürlich können neue Mitbewohner sich auf diversen Plattformen finden, für ein gutes Matching und auch rechtssichere Beratung wäre es günstig, jemanden Dritten einzubeziehen. Darum wollen wir einen Verein beauftragen. Das wäre auch mit Blick auf Raumteiler vom Studentenwerk zu begrüßen, denn das Projekt ist befristet! Das zum Beispiel verschweigt der Verwaltungsstandpunkt.
Meine Damen, meine Herren, wir haben in unserem Antrag keine Zeitschiene festgelegt. Wir gehen davon aus, dass in einer konsolidierten Haushaltssituation freiwillige Aufgaben wie gewohnt wieder möglich sein werden. Für diese nahe Zukunft denken wir diesen Antrag. Die Zeit bis dahin kann gut genutzt werden. Der Verwaltungsstandpunkt schlägt eine Befragung vor, sinniger Weise würde die Stadt zuvor auf geeignete Weise erklären, was Zusammenwohnen bedeutet. Wir haben in der Antragsdiskussion teilweise auch putzige Missverständnisse gehört.
Letztlich können wir gebauten Wohnraum viel besser nutzen, für weniger Mietbelastung und mehr soziales Miteinander. Wer weniger Geld fürs Wohnen aufbringen muss, kann mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben; wer zusammen wohnt, hat mehr Chance auf Geselligkeit und im Notfall auch gleich jemanden zu Hilfe. – und darum bitte ich Sie um ihre Zustimmung. Wir haben in der Neufassung den Verwaltungsstandpunkt übernommen. Alleine mit dem Verwaltungsstandpunkt würde wenig erreicht. Bedenken Sie dies bitte bei Ihrer Entscheidung. Wir schlagen selbst eine getrennte Abstimmung unserer Punkte vor.