Rede von Kristina Weyh am 3. September 2026 zum Bau- und Finanzierungsbeschluss Ausbau Georg-Schumann-Straße von Böhmestraße bis Delitzscher Straße (Chausseehaus)
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Oberbürgermeister,
werte Bürgermeister*innen und Kolleg*innen,
liebe Gäste,
endlich geht der Ausbau der Georg-Schumann-Straße weiter.
Das bringt Lebensqualität für Alle vor Ort und im Umfeld.
Wir werden dem Beschluss natürlich zustimmen.
Werte CDU Fraktion,
wenn die Bürger*innen in Beteiligungsverfahren leider immer die falschen sind, dann fällt mir nichts mehr ein.
Sie wollen also die Georg-Schumann-Straße nicht für Menschen bauen.Ihr oberstes Ziel sind stattdessen KfZ-Stellplätze.
Sie wollen eine Georg-Schumann-Straße für Autos: fahrend und parkend.
Und darunter kann sich dann unterordnen, wofür der Platz eben noch so ausreicht.
Die Straßenbahn darf fahren, wobei wir heute noch sehen werden, dass Sie mittlerweile sogar das scheinbar anfangen in Frage zu stellen.
Der Radverkehr darf sich vielleicht einordnen, gern soll er aus Ihrer Sicht ja auch ganz weg und die Radfahrenden dürfen die Nebenstraßen nutzen.
Sicherheit für Radfahrende: bei Ihnen immer Fehlanzeige.
Der Fußverkehr darf sich an den Häusern entlang einfinden, eingegrenzt von parkenden Autos.
Sicherheit für zu Fuß gehende: bei Ihnen wieder Fehlanzeige.
Und die Aufenthaltsqualität spielt bei Ihnen dann gar keine Rolle mehr.
Warum auch: Straßen sind für Autos da und die brauchen keine Aufenthaltsqualität.
Leipzig braucht aber eine Georg-Schumann-Straße für Menschen. Denn die leben, wohnen, arbeiten dort.
Besonders beschämend ist nach dem aktuellen Hitzesommer und den viel zu vielen Hitzetoten, dass Sie diesen Leipziger Hitze-Hot-Spot beibehalten wollen.
Die Georg-Schumann-Straße ist der heißeste Bereich Leipzigs.
Erinnern Sie sich noch an die stadtweiten Temperaturmessungen der LVZ im Sommer 2025 war das glaube ich?
Über 56 Grad Celsius.
Und dabei wollen Sie es absichtlich belassen und nichts dagegen tun.
Da frage ich mich tatsächlich:
Wollen wir als Leipziger Stadtrat solche Entscheidungen gegen das Wohl unserer Bevölkerung treffen?
Ist es wirklich schon soweit?
Was ist denn mit der CDU passiert, dass Sie solche menschenfeindlichen Anträge stellen?
Unser gemeinsamer Auftrag ist es, die Interessen aller Leipzigerinnen und Leipziger bestmöglich zu vertreten und Ihnen und dieser Stadt eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
Und das tun wir nicht, wenn auf der Georg-Schumann-Straße nicht alle Verkehrsarten Sicherheit finden.
Und das tun wir ebenfalls nicht, wenn sich die Georg-Schumann-Straße im Sommer immer wieder über 55 Grad Celsius aufheizen wird, weil dort nur noch Beton und Autos sind.
Wer soll und kann dann noch vor die Tür gehen?
Und hinzu kommt, dass wir mit Beschluss dieses Änderungsantrags den Ausbau nicht beginnen können, sondern vielmehr neu planen müssen.
Also die Verwaltung etwas umsonst erarbeitet hätte, was wir per Stadtratsbeschluss beauftragt haben.
So blockieren Sie die Entwicklung Leipzigs.
Ihre seltsamen Ideen haben wir bereits in der Planung diskutiert, wo sie auch hingehört haben.
Am Ende wurde hier im Stadtrat ein Planungsbeschluss gefällt, der nun heute zum Baubeschluss vorliegt.
Bitte erkennen Sie demokratische Entscheidungen dieses Stadtrats an und hören endlich damit auf, das Rad immer wieder zurück drehen zu wollen.
Gern zitiere ich den Bürgerverein Gohlis, der einen Offenen Brief geschrieben hat und bereits in der Überschrift bittet: ‚Verlässlichkeit von Diskussionsprozessen wahren’.
Und: ‚Ein solches Vorgehen entwertet die investierte Zeit und das Engagement vieler Menschen vor Ort.‘
Ihr Änderungsantrag würde zu mindestens 18 Monate Verzögerung führen und eine völlig neue Fördermittel- und damit Finanzierungssituation bringen. Unklar, wann es dann überhaupt kommt.
In der Folge könnte die Linie 11 dann doch nicht mit den neuen Straßenbahnen betrieben werden und auf Grund des schlechten baulichen Zustands der Gleisanlagen der LVB droht eine temporäre Einstellung des Straßenbahnbetriebs.
Denn es hat ja seinen Grund, warum wir jetzt hier bauen müssen.
Tun wir es nicht, produzieren wir trotzdem Kosten.
Diese Folgen haben dann alle im Stadtrat zu verantworten, die hier zustimmen.
Und auch für die sehr kurzfristige Neufassung des Antrags, die nun zurück rudert und nur noch 80% der Parkplätze erhalten möchte und nicht mehr 100%, stimmt all das von mir vorher gesagt immer noch. Es wird nicht besser.
Ich appelliere an den gesamten Stadtrat, diesen Änderungsantrag der CDU abzulehnen und der Vorlage zuzustimmen, damit Menschen auf der Georg-Schumann-Straße wohnen, leben, arbeiten und einfach sein können.