Rede von Michael Schmidt am 21. Juli 2021 zur Petition "Einrichtung eines FKK-Strandes am Cospudener See"

Foto: Fraktion

- es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen des Petitionsausschusses, liebe Stadträte, liebe Gäste und vor allem sehr geehrte Petentin,

Meine Damen und Herren,

kommen wir nun zu den freizügigeren Seiten des Lebens, zur Freikörperkultur. Zunächst mal eine kurze Erklärung zu meinem T-Shirt:
Seit einem Monat ist ja auch hier im Rathaus FKK möglich, deshalb wollte ich dem Thema angemessen eigentlich nackt kommen. Bis mir ein Kollege sagte, Du hast da etwas falsch verstanden, der Spruch lautet „Ohne Maske ist das neue FKK “. Deshalb dachte ich, muss ich meine Kompetenz im Thema anders unter Beweis stellen. So kam das T-Shirt ins Spiel.

Aber Textilien und Spaß beiseite, wir reden hier schließlich vom Recht auf Nacktheit, ohne sich dabei unwohl zu fühlen. Sie kennen das sicher alle. Man läuft nackt durch die Straßen der Stadt, fühlt sich dabei total unwohl, weil alle um einen herum bekleidet sind. Bis man wach wird und feststellt, dass alles zum Glück nur ein Traum war. Jetzt nicht falsch verstehen. Da geht’s nicht unbedingt darum, dass man sich wohler gefühlt hätte, wenn man ein paar Kleridungsstücke zur Hand gehabt hätte. Stattdessen hätte man sich doch auch viel wohler gefühlt, wenn alle oder zumindest die meisten um einen herum ebenfalls nackt gewesen wären. Sind sie aber nicht, zumindest nicht alle oder die meisten.

Im Gegenteil, es werden gerade unter den jungen Menschen offenkundig immer weniger, die selbstbewusst genug sind, nackt unter den Blicken oder der schieren Anwesenheit anderer Menschen baden zu gehen. Und weil das so ist, gibt es unter diesen FKK-Fans den Wunsch, doch endlich mal einen offiziellen FKK-Strand auszuschildern. Weil man nämlich die Hoffnung hat, dass man sich dann dort unbeschwert Sonne, Wind und Wasser hingeben kann, ganz wie Mutter Natur einen geschaffen hat. Ohne dass man das Gefühl hat, man ist ein Exot.

Und diejenigen, die sich sagen, sie sind immer schon nackt baden gegangen und werden das auch weiterhin an verschiedenen Orten am Cospudener See oder an anderen Seen tun, denen sei gesagt: richtig so! Tut es! Denn so soll es sein und genau dies drückt der letzte nicht unwichtige Satz des Beschlussvorschlages aus. Denn die Einrichtung eines FKK-Strandes besagt eben nicht, dass es dafür an allen anderen Stellen des Sees nicht möglich sein soll, nackt baden zu gehen oder sich zu sonnen.
Ich bin meinen Kolleginnen und Kollegen im Petitionsausschuss dankbar, dass man sich sehr ernsthaft dieser Thematik gewidmet hat und auch bereit war, noch vor der Sommerpause zu einem Beschluss zu kommen. Nur selten haben wir Themen auf dem Tisch gehabt, über die so intensiv, lang und konstruktiv, freizügig und verschlossen diskutiert wurde.

Wo Verwaltung zwischen Juristen verschiedenster Ämter die Fallstricke des nackten Badens diskutieren, trifft der Stadtrat eben eine Entscheidung im Sinne des Pragmatismus. Manchmal ist es eben besser, die Juristerei ein Stück zur Seite zu schieben und Herz und Verstand sprechen zu lassen. Und Vertrauen in den gesunden Menschenverstand, in die Selbstregulierung der Menschen die sich am See aufhalten, zu haben.

Aber na gut, ich habe auch lernen müssen, dass es ganz so einfach dann doch nicht geht. Allerdings nicht wenn es um die beschriebene Frage des „ob“ geht, sondern des „wo“. Denn die favorisierten Strandabschnitte von Nord- bis Hundestrand und alles was so an Strand dazwischen liegt, hat die Stadt langfristig verpachtet. Man müsste also in bestehende Mietverträge eingreifen (was so natürlich nicht funktioniert) oder eben ein Verständnis und Interesse beim Pächter hervorrufen. Das habe ich aus den Äußerungen von Herrn Conrad aus der LVZ nicht herauslesen können und offenbar hat er sich auch gegenüber einer ersten Anfrage der Verwaltung ablehnend geäußert. Dabei wurden offenbar unbestimmte Konflike und Sicherheitsbedenken geäußert. Und an der Stelle habe ich mich dann wirklich gefragt, wie er das denn dann am Hundestrand macht und dort keinerlei rechtliche oder Sicherheitsbedenken sieht. Aber sei es drum. Ich möchte Herrn Conrad nochmal aufrufen, die Wünsche der Menschen und des Stadtrates ernst zu nehmen und über eine bloße Beschilderung des Strandes nachzudenken. Niemand erwartet dort regelmäßige Kontrollgänge und eine konsequente Durchsetzung der Nacktheit, sondern lediglich gesunden Menschenverstand, gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme der Menschen am Strand.
Insofern müsste der Beschlussvorschlag korrekterweise so formuliert sein, dass der Oberbürgermeister aufgefordert wird,

Der Oberbürgermeister wird beauftragt Verhandlungen mit dem Pächter zu führen, um am Cospudener See, zwischen Nordstrand und dem sogenannten Hundestrand, einen offiziellen FKK-Bereich anzulegen bzw. entsprechend zu beschildern. Die Kontrolle der Einhaltung beschränkt sich zugunsten der gegenseitigen Rücksichtnahme auf die regelmäßige Wartung und Pflege der aufgestellten Markierungsschilder.

Die Badegewohnheiten an allen anderen Bereichen des Cospudener Sees bleiben unverändert.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch einen Satz sagen zu dem von der Verwaltung vorgeschlagenen alternativen Strandabschnitt südwestlich des Hundestrandes, der in Verantwortung der Stadt liegt. Wobei in meinem Satz der gleiche Fehler steckt, wie im Verwaltungsvorschlag. Es ist kein Strand. Wir haben es dort mit einem Stieleichenwald zu tun, der sich zwischen Cospudener Rundweg und Wasser befindet. Natürlich gehen die Menschen auch in diesem Wald ins Wasser, geschützt zwischen Stieleichen finden sich Hängematten und Handtücher, Nieschen zwischen dem Schilf ermöglichen Zugang zum Wasser. Und trotzdem können wir nicht ernsthaft diesen Abschnitt als Strand bezeichnen und schon gar nicht als FKK-Strand markieren, da kommen sich die Menschen veralbert vor. Denn wo Strand ist, da ist auch Sonne. Wer sich aber in einem Stieleichenwald sonnen will, behält auf Dauer eine vornehme Blässe, auch ohne Sonnencreme. Das hat Dauerschatten nunmal so an sich, dafür sind wir den Bäumen dort im Übrigen auch dankbar.

Und wenn man noch weiter südlich guckt, wo sich dann die Wiesen und nur noch vereinzelte Bäume zeigen, da haben wir dann schon wieder neue Nutzungskonflikte und hätten unter Umständen einen mit Strom umzäunten FKK-Bereich, an dem sich die FKK-Fans ihr Handtuch mit Schafen teilen müssen, wenn sie denn auf dem im Hochsommer verbrannten Gras noch eine saubere Stelle finden.

Insofern, lassen Sie uns bitte im Sinne der Förderung der Freikörperkultur so entscheiden, wie ich es vorhin umformuliert habe. Und, lieber Herr Conrad, seinen Sie vernünftig, lenken Sie ein, Vielen Dank.

 

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