Rede von Michael Schmidt in der Ratsversammlung am 27. Juni 2018 zur Vorlage „Ausbildung und Gewinnung von Erzieherinnen und Erziehern in der Stadt Leipzig“

(es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
werte Damen und Herren Stadträte,
liebe Gäste,

die Vorlage schlägt einen richtigen Weg ein. Bereits vor sechs Jahren hatte meine Fraktion einen Antrag gestellt „Ausbildungsoffensive für Erzieher*innen in Leipzig“ und darin auf den riesigen Bedarf aufmerksam gemacht und Strategien eingefordert, die Kapazitäten zu erhöhen. Auch die berufsbegleitende Ausbildung wurde in diesem Zusammenhang von uns thematisiert.

Damals gab es neun Fachschulen, die Ausbildungen zur staatlich anerkannten Erzieher*in angeboten haben, heute haben wir bereits 16. Etwa 2.000 Absolventen haben wir aktuell jährlich, 2012 waren dies noch 350 weniger. Die Erhöhung der Ausbildungskapazitäten spiegeln also schon auch den gewachsenen Bedarf wieder, müssen aber auch künftig weiter anwachsen. Denn entsprechend Ihrer Antwort, Herr Hörning, auf eine Anfrage der SPD-Fraktion vom August vergangenen Jahres benötigen wir zwischen 200 und 400 weitere Fachkräfte jährlich, um die neu dazukommenden Kitaplätze sowie die Altersabgänge zu kompensieren. Eine berufsbegleitende Ausbildung ist daher eine wunderbare Möglichkeit, bereits erfahrenes und wechselwilliges Personal für den Kitabereich zu gewinnen und von Beginn der Ausbildungszeit an die Stadt oder auch die Freien Träger als Arbeitgeber zu binden.

Warum dies dann so zaghaft mit jährlich 25 Stellen angegangen wird, leuchtet mir noch nicht so recht ein. Sowohl der Bedarf als auch das Angebot liegt deutlich darüber. Klar, es kostet Geld, dies zu tun und erhöhen wir die Ausbildungskapazitäten, dann müssen wir auch mehr Geld zur Verfügung stellen. Aber die Vorteile überwiegen doch deutlich die Kosten, meine Damen und Herren. Ständig hören wir, wie schwer es bereits heute ist, unterjährig eine Kita zu eröffnen und ans Netz zu bringen, weil außerhalb der Absolventenzeiten kaum Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind. Beim runden Tisch Kita, der am Montag zusammenkam, wurde auch gesagt, dass die dann benötigten Ausbildungsplätze an den Berufsschulen fehlen würde, wenn man jetzt die Zahl der Berufsbegleitenden einfach erhöhen würde. Ich muss Ihnen sagen, dass ich das für ein vorgeschobenes Argument halte und möchte da nochmal Ihre Antwort auf die besagte Anfrage vom August zitieren. Dort sagten Sie „Die berufsbegleitende Ausbildung wird derzeit an sechs Fachschulen in Leipzig angeboten. Dies entspricht dem derzeitigen Bedarf. Die exemplarische Nachfrage bei einer Fachschule ergab, dass diese flexibel auf ein Ansteigen des Bedarfs an berufsbegleitenden Ausbildungen reagieren könnte.“  

Insofern schlagen wir vor, dies offensiv anzugehen. Nutzen Sie die Bewerberlage und erhöhen Sie die Ausbildungszahlen, die Bewerberinnen und Bewerber befinden sich ja aktuell noch im Verfahren. In dem Zusammenhang möchte ich den Änderungsantrag der SPD-Fraktion zu unserem Änderungsantrag übernehmen. Dieser trägt unserem Anliegen Rechnung die Ausbildungszahlen deutlich zu erhöhen, ermöglicht aber der Verwaltung zumindest im anstehenden Ausbildungsjahr eine Übergangslösung, die über 25 aber ggf. auch unter 50 Plätzen liegen könnte.

Hinsichtlich den Antrages des Jugendhilfeausschusses möchte ich auch noch einige Worte verlieren, die mir in dem Zusammenhang wichtig sind. Freie Träger betreiben etwa drei Viertel aller Kitas in Leipzig, sie sind unverzichtbar. Mit ihnen wurden in den vergangenen Jahren und vor allem Monaten harte Verhandlungen hinsichtlich der Finanzierung des Leistungsbereiches geführt, neue Verträge geschlossen, die ihnen eine Ausfinanzierung, eine Wirtschaftlichkeit garantieren, aber eben auch nicht darüber hinaus. Sie agieren gemeinnützig und haben bei der Absicherung dieser für die Stadt so enorm wichtigen Aufgabe der Kinderbetreuung  mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wie die Stadt selbst. Sie stehen genauso vor den Herausforderungen des Fachkräftemangels und haben daher in weiten Teilen den TVÖD übernommen, um in der Konkurrenz um die Fachkräfte mithalten zu können.

Auch diese zahlreichen Träger bekommen regelmäßig Anfragen nach berufsbegleitender Ausbildung oder von BA-Studierenden. Die Stadt will die Träger nun dabei auch unterstützen, allerdings eben nur mit 50% der anfallenden Kosten. Da muss man sich schon fragen, wie und woher die Träger die andere Hälfte finanzieren soll. Die zu erarbeitende Förderrichtlinie muss dazu Antworten finden und aus meiner Sicht auch einen deutlich geringeren Eigenanteil als bisher geplant ansetzen.

Meine Fraktion jedenfalls, das kann ich hier schon ankündigen, werden uns dafür einsetzen. Wir werden die Fachkräfteherausforderung nur mit den Freien Trägern gemeinsam lösen können, deshalb müssen wir sie dabei auch tatkräftig unterstützen, statt sie schlechter zu stellen und ihnen Steine in den Weg zu legen.
Lassen Sie uns die Chancen, die uns geboten werden nutzen statt diese nur zaghaft zu verfolgen, wie jahrelang beim Kitabau selbst. Sie wissen, wohin das Gegenteil führen würde.

Bitte unterstützen Sie daher unseren Änderungsantrag!

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