Rede von Sylvia Herbst-Weckel am 27. Mai 2026 zu "Leipzigs Beteiligung an einer deutschen Konzeption um Olympische und Paralympische Spiele"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Oberbürgermeister (1. Bürgermeister), werte Bürgermeister*innen, liebe Kolleg*innen, Zuschauer und Gäste,
Olympische und Paralympische Spiele — das klingt groß. Nach internationaler Bühne, nach Sportbegeisterung, nach Bildern, Emotionen und Erlebnissen, die bleiben.
Aber für uns geht es heute nicht nur um große Bilder und Emotionen. Es geht um eine sehr konkrete Frage: Was bleibt am Ende für Leipzig?
Leipzig braucht bei dieser Bewerbung vor allem zwei Leitplanken: finanzielle Klarheit und nachhaltigen Nutzen. Denn Leipzig darf bei dieser Bewerbung nicht nur Kulisse sein. Nicht nur Austragungsort. Nicht nur ein schönes Bild im Bewerbungsvideo. Und genau aus diesem Grund haben wir unseren Antrag eingebracht. Dieser war kein Nein zur Bewerbung. Er war ein Ja unter klaren Bedingungen. Uns ging es darum, noch einmal deutlich zu machen, was eine Leipziger Beteiligung aus unserer Sicht leisten muss: Sie muss nachhaltig, transparent, finanziell verantwortbar und mit einem echten Mehrwert für die Stadt verbunden sein.
Leipzig ist Sportstadt. Wir haben starke Vereine, engagiertes Ehrenamt, erfolgreiche Athletinnen und Athleten, eine lebendige Sportlandschaft und Orte, die schon heute für große Sportereignisse stehen — vom Sportforum über die Messe bis zum Kanupark. Deshalb sehen wir vor allem die Chancen, die in dieser Bewerbung liegen.
Aber gerade weil wir diese Chancen sehen, müssen wir klar sagen: Olympia darf kein reines Imageprojekt werden. Es darf nicht nur um internationale Sichtbarkeit gehen. Es muss auch um die Menschen gehen, die hier jeden Tag Sport machen, die Hallenzeiten suchen, die Vereine tragen, Kinder trainieren, Ehrenamt leisten und Sport in den Stadtteilen möglich machen. Für uns ist entscheidend:
Wenn Leipzig Teil dieser Bewerbung ist, dann muss daraus ein konkreter Nutzen entstehen.
Bessere Sportstätten.
Mehr Barrierefreiheit.
Stärkere Bedingungen für Breiten- und Vereinssport.
Nachhaltige Mobilität.
Eine sinnvolle Nachnutzung.
Und ein guter Dialog mit der Stadtgesellschaft.
Die Vorlage greift viele dieser Punkte bereits auf und legt sie für das weitere Verfahren an. Sie beschreibt Leipzig als Partner im Konzept Berlin+, mit begrenzten Wettkampfformaten, vorhandener Infrastruktur, nachhaltiger Mobilität, Nachnutzung und der Prüfung von Finanzierungsmöglichkeiten. Außerdem soll nach Erreichen der nächsten Bewerbungsstufe ein Konzept für den weiteren Dialogprozess mit der Stadtgesellschaft vorgelegt werden. Dies ist unserer Meinung nach ein wichtiger Punkt.
Gleichzeitig bleibt für uns klar: Eine Erwartung an Bund, Freistaat oder private Investoren ist noch keine gesicherte Finanzierung. Und eine große sportliche Vision ersetzt keinen soliden Haushalt.
Gerade in der aktuellen Haushaltslage müssen wir sehr genau hinschauen, welche Verpflichtungen Leipzig eingeht, welche Folgekosten entstehen können und welche Prioritäten wir setzen.
Deshalb war uns nochmal wichtig die Leitplanken zu formulieren, unter denen wir eine Leipziger Beteiligung unterstützen können. Wir sehen, dass viele dieser Punkte in der Vorlage und im weiteren Verfahren aufgenommen sind und erklären unseren Antrag für erledigt.
Aber der Maßstab bleibt bestehen. Wir unterstützen die Leipziger Bewerbung mit dem Anspruch, dass Leipzig nicht nur Austragungsort ist, sondern Gewinner dieser Entwicklung wird.
Olympia kann ein Katalysator sein. Für Sport, für Infrastruktur, für Mobilität, für Teilhabe und für Stadtentwicklung.
Aber nur, wenn wir es richtig machen.
Nicht als Event, das nach wenigen Wochen vorbei ist. Sondern als Chance, die langfristig etwas verbessert.
Deshalb stimmen wir der Vorlage zu.
Vielen Dank.