Rede von Sylvia Herbst-Weckel am 30. September 2026 zum Antrag zum Schutz der Privatsphäre in Leipziger Schwimmhallen, Freibädern und Saunen – Smart Glasses klar regeln

Foto: Martin Jehnichen

- es gilt das gesprochene Wort -

Eine Brille, die aussieht wie jede andere – und trotzdem filmen, fotografieren und Ton aufnehmen kann. Genau da beginnt das Problem. Denn ob gerade gefilmt oder fotografiert wird, ist für viele häufig kaum zu erkennen.

Und in einem Schwimmbad oder Freibad ist das eben auch ein sensibles Thema.

Dass das kein theoretisches Problem ist, zeigt auch eine aktuelle Untersuchung von 350 öffentlich zugänglichen Instagram-Videos. Darin wurden Smart Glasses genutzt, um Frauen diskret aufzunehmen. In rund 43 Prozent der untersuchten Videos waren die Frauen zusätzlich abwertenden Online-Kommentaren ausgesetzt, teilweise wurden sogar persönliche Informationen über sie veröffentlicht.

Auch in Deutschland sind bereits mehrere Fälle öffentlich geworden. Eine Frau in Hamburg wurde am Alsterufer im Bikini heimlich mit Smart Glasses gefilmt und das Video landete später auf TikTok. Auch Lisa Damm wurde in der Innenstadt heimlich mit Smart Glasses gefilmt und die komplette Unterhaltung später als Reel veröffentlicht.

Wie hoch die Dunkelziffer ist, wissen wir natürlich nicht. Aber wenn man einer Brille kaum ansieht, ob sie gerade filmt, liegt nahe, dass längst nicht jede Aufnahme überhaupt bemerkt wird.

Natürlich gibt es bereits ein Foto- und Filmverbot. Aber die Technik entwickelt sich in diesem Bereich rasend schnell. Und wenn sie immer unauffälliger wird, müssen auch die Regeln entsprechend klar sein.

Wir wollten das Thema – wie andere Städte auch – frühzeitig aufgreifen und drei Dinge erreichen: Smart Glasses ausdrücklich in der Haus- und Badeordnung benennen, das Personal für dieses Thema sensibilisieren und medizinisch notwendige beziehungsweise barrierebezogene Hilfsmittel vernünftig und diskriminierungsfrei berücksichtigen.

Und genau deshalb können wir mit dem Verwaltungsstandpunkt gut mitgehen.

Die Sportbäder nehmen Smart Glasses künftig namentlich in die Haus- und Badeordnung sowie in die Saunaordnung auf. Das Personal wurde bereits sensibilisiert, eine Schulung ist im Aufbau und auch der Umgang mit medizinischen und barrierebezogenen Hilfsmitteln soll berücksichtigt werden.

Vielen Dank auch an die Sportbäder Leipzig GmbH dafür.

Und damit ist im Grunde genau das erreicht, was wir mit unserem Antrag wollten.

Deshalb übernehmen wir den Verwaltungsstandpunkt und bitten um Zustimmung zu unserem Antrag in Form des Verwaltungsstandpunktes.

Vielen Dank.

 

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