Rede von Tobias Peter am 25. März 2026 zum Antrag "Anwendung des digitalen Vegetations- und Flächenmonitorings Urban Green Eye in der Verwaltung sicherstellen"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, werte Beigeordnete, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Gäste,
Leipzig steht vor drängenden Herausforderungen: Hitzeinseln, versiegelte Flächen und der Verlust von Grünräumen belasten unsere Stadt und ihre Bewohner:innen. Besonders betroffen sind dicht bebaute Stadtteile wie die Innenstadt, Grünau oder Plagwitz. Das Projekt „Urban Green Eye“ hat gezeigt, wie Satellitendaten helfen können, diese Probleme zu beobachten und zu analysieren – der Verwaltungsstandpunkt führt dazu aus. Doch damit die gewonnenen Erkenntnisse nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch in der Praxis wirken können, haben wir mit dem vorliegenden gemeinsamen Antrag mit der SPD einen Vorschlag gemacht, wie das Projekt konkret für unser Verwaltungshandeln genutzt werden kann.
Konkret geht es uns zunächst darum, diese Daten öffentlich bereitzustellen, um die Veränderungen sichtbar zu machen. Die Verwaltung sichert dies im Verwaltungsstandpunkt zu, das übernehmen wir in unserer Neufassung. Vor allem geht es uns aber darum, diese Daten auch konkret zu nutzen, ins Handeln zu kommen.
Uns ist ja als Grüne Fraktion das Thema Versiegelung und Entsiegelung wichtig. Die Auswertung der Satellitendaten bei Urban Green Eye zeigt, dass besonders die Leipziger Innenstadt, Teile von Grünau und Plagwitz von Hitze betroffen sind. Fast die Hälfte des Stadtgebiets ist versiegelt, im Innenstadtbereich bis zu 90%. Im Sommer werden auf dem Augustusplatz Oberflächentemperaturen von über 45°C gemessen, während begrünte Gebiete wie der Clara-Zetkin-Park oder der Auwald deutlich kühler bleiben. Gebiete mit hohem Grünvolumen können bis zu 8°C kühler sein als versiegelte Flächen. Wir haben als Stadtrat bereits in der letzten Wahlperiode ein Versiegelungs- und Entsiegelungsmonitoring beauftragt - mit den Daten von Urban Green Eye kann dies nun aufwandsarm umgesetzt werden. Auch hier sichert die Verwaltung eine Umsetzung in Verbindung mit einem Vegetationsmonitoring zu - dafür vielen Dank, das übernehmen wir in unserer Neufassung. Damit schaffen wir eine Grundlage, um konkrete Ziele und Handlungsmaßnahmen beim Thema Entsiegelung und Begrünung zu erarbeiten, aber auch allem was mit Schwammstadt, grün-blauer Infrastruktur und Klimaanpassung zu tun hat. Um eine sinnvolle Information des Rats, insbesondere des Fachausschusses Umwelt zu gewährleisten, schlagen wir in der Neufassung eine jährliche Berichterstattung vor.
Ein weiterer Punkt ist uns aber noch wichtig. Denn wir haben ja nicht nur ein Problem mit dem Versiegelung und dem Verlust von Bäumen und Grünflächen. Wir haben auch ein Problem, den Bestand und die Pflege neuen Grüns nachzuhalten. Das gilt nicht nur für das städtische Grün in Parks und Straßen, sondern auch das Grün von Privaten, Stichwort Baumschutzsatzung. Vor allem das Nachhalten der Verpflichtungen aus Bauleitplanungen und städtebaulichen Verträgen zu Baumpflanzungen und erhalt, Ausgleichsmaßnahmen fällt uns als Stadt schwer. Der Verwaltungsstandpunkt zeigt das Potential von Urban Green Eye dafür auf, aber es ist auch klar, dass hier noch geprüft und ggf. auch noch mal Fachanwendungen entwickelt werden müssen. Dafür wollen wir mit unserer Ergänzung in der Neufassung sorgen, denn es lohnt sich. Denn auf diese Weise können wir digital unterstützt ohne personalintensive Kontrolle vor Ort anzeigen, wo ein Problem durch fehlendes Grün besteht, wo aber auch alles in Ordnung ist. Damit können sich die Mitarbeiter auf die Dokumentation der tatsächlichen Problemfälle vor Ort konzentrieren. Diese digitale Unterstützung – wir haben den Antrag in der Neufassung noch mal angepasst – ist gerade in Zeiten einer angespannten Personaldecke richtig wertvoll. Wir werden damit in die Lage versetzt, Verpflichtungen besser zu kontrollieren und entsprechend Nachpflanzungen und ähnliches einzufordern – ein Mehrwert für das Stadtklima und die Artenvielfalt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
lassen Sie uns jetzt handeln – für ein grüneres Leipzig. Die Neufassung des Antrags ist ein wichtiger Schritt, um die Ergebnisse von „Urban Green Eye“ nicht nur zu kennen, sondern auch zu nutzen. Lassen Sie uns die verbindliche Nutzung der Daten zügig umzusetzen – für unser Stadtklima und einen effizienteren Einsatz unserer knappen Personalressourcen.
Daher bitten wir Sie, den Antrag zu unterstützen.
Vielen Dank.