Rede von Tobias Peter am 26. November 2025 zum Antrag "Quartiersgarage im alten Kaufhaus Held"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das alte Kaufhaus Held ist eines der markantesten Gebäude im Leipziger Westen – ein städtebaulicher Identifikationspunkt mit enormem kulturellem, sozialem und entwicklungsstrategischem Potenzial. Der SPD-Antrag greift die verkehrlichen Herausforderungen im Leipziger Westen zu Recht auf. Eine Quartiersgarage in der vorhandenen Tiefgarage zu realisieren, ist ein innovativer und zugleich ressourcenschonender Ansatz, den auch wir ausdrücklich begrüßen.
Gleichzeitig bietet das Gebäude natürlich weit mehr Möglichkeiten. Besonders das Erdgeschoss und die oberen Etagen verfügen über große, zusammenhängende Flächen, wie sie im Leipziger Westen kaum noch zu finden sind. Diese Räume wären ideal für kulturelle Nutzungen, kreative Wirtschaft, soziale Einrichtungen, Start-ups oder Werkstätten und könnten Impulse setzen, die weit über das unmittelbare Quartier hinaus wirken. Genau solche offenen, vielfältigen Räume sind es, die Stadtentwicklung lebendig machen und Menschen anziehen.
Deshalb haben wir unseren Änderungsantrag eingebracht. Wir wollen die Quartiersgarage prüfen lassen – verbunden mit einer genauen Betrachtung des tatsächlich realisierten Stellplatzbedarfs. Gleichzeitig sollen die oberen Etagen für Kultur, Nachbarschaft und Kreativwirtschaft gesichert und möglichst bald durch Zwischennutzungen aktiviert werden. Auch die Aktivierung der Wohnungen im Gebäude ist aus unserer Sicht dringend notwendig.
Ja, es fanden bereits Gespräche des Liegenschaftsamts mit dem Eigentümer statt, die jedoch fruchtlos blieben. Dabei ging es vor allem um einen Ankauf, den wir uns mittlerweile zweifellos nicht leisten können. Neue Gespräche können aber sinnvoll sein, wenn ihr Fokus darauf liegt, die Flächen überhaupt wieder in Nutzung zu bringen. Hier sehen wir insbesondere die Wirtschaftsförderung und die Stadterneuerung in der Verantwortung und wünschen uns eine koordinierte Zusammenarbeit.
Zwischennutzungen sind aus unserer Sicht eine große Chance. Gerade weil die endgültige Perspektive des Gebäudes noch offen ist, können solche temporären Nutzungen das Haus beleben und es für dauerhafte Projekte attraktiver machen, bevor größere Investitionen erfolgen. Das gilt besonders für das Erdgeschoss. Beispiele aus Leipzig und anderen Städten zeigen, dass Zwischennutzungen häufig der Türöffner für tragfähige, langfristige Konzepte sind. Und wir haben angesichts schwindender Flächen für Kleingewerbe, Künstlerinnen, Künstler und die Kreativwirtschaft einen enormen Bedarf. Das Kaufhaus Held könnte jetzt schon ein Ort sein, der Kultur, Nachbarschaft und Gewerbe anzieht – wenn wir es zulassen und aktiv fördern. Nötige Investitionen lassen sich bei Zwischennutzungen oft niedrigschwellig realisieren, teils sogar durch Eigenleistung der Nutzerinnen und Nutzer.
Entscheidend bleibt jedoch die Rolle des Eigentümers. Es kann nicht sein, dass ein Schlüsselgebäude im Leipziger Westen über Jahre hinweg ungenutzt bleibt, während das Quartier dringend Räume braucht. Der Eigentümer trägt Verantwortung, der er aktuell nicht gerecht wird. Wir als Stadt müssen hier stärker steuern: klare Erwartungen formulieren, konsequent auf deren Einhaltung drängen, Zwischennutzungen aktiv einfordern und rechtliche Mittel, Anreize oder Auflagen prüfen. Das Ziel muss sein, dass dieses Gebäude nicht weiter brachliegt.
Ja, es braucht Lösungen für den Parkdruck – und eine Quartiersgarage ist sinnvoll. Aber ebenso wichtig ist: Zwischennutzung statt Leerstand, Entwicklung statt Abstellfläche, Zukunftschancen statt Blockade. Unser Änderungsantrag ermöglicht genau diesen Weg – und ich danke der SPD dafür, dass sie bereit ist, ihn gemeinsam mit uns zu gehen. Wir bitten um Ihre Zustimmung.