Rede von Tobias Peter am 27. Mai 2026 zum Antrag "Keine Motorboote auf dem Cossi"
Foto: Martin Jehnichen- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Oberbürgermeister, werte Beigeordnete, liebe Kolleginnen und Kollegen, werte Gäste,
der Cossi ist seit der Jahrtausendwende aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken – ein Ort der Erholung, des Miteinanders und der Natur. Das ist so, weil auf dem See vieles, aber eben nicht alles geht. Bereits heute ist der Nutzungsdruck auf den See groß, viele und auch ich persönlich würde sagen: zu groß. Deshalb gab es einen großen Konsens in Leipzig wie in Markkleeberg, vor allem eine wesentliche geltende Beschränkung beizubehalten: keine Motorboote mit Verbrenner auf dem Cossi!
Denn Lärm, Wellenschlag und Emissionen würden nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen, sondern auch die Menschen, die hier Ruhe und Natur suchen. Laute Verbrennerboote drohen nicht nur hier lebende geschützte Vogelarten, wie das Blesshuhn und den Drosselrohrsänger zu vertreiben. Luftschadstoffe und Einträge von Öl und Kraftstoff sind auch eine Bedrohung des noch vergleichsweise jungen Ökosystems an Ufern, Böschungen und den angrenzenden Wald- und Wiesenbereichen. Über 10.000 Menschen haben eine entsprechende Petition des Ökolöwen unterzeichnet, um diese Entwicklung zu verhindern. Dementsprechend hat die Stadt eine Stellungnahme zur Allgemeinverfügung abgegeben und der Stadtrat im Juni 2024 in der Form das SPD-Änderungsantrages zu unserem Antrag seine ablehnende Haltung zur Zulassung von Motorbooten auf dem Cospudener See bekundet. Die Stadt sollte diesbezüglich “alle möglichen und nötigen Schritte” unternehmen. Dies war – wie wir wissen - leider nicht erfolgreich.
Wir alle hatten gehofft, dass mit dem Verfahren der Landesdirektion zur Feststellung der Fertigstellung des Sees unsere Bedenken gehört werden. Das war leider nicht der Fall. Der Freistaat Sachsen hat im Dezember 2025 per Allgemeinverfügung mit der Feststellung der Fertigstellung des Cospudener Sees erklärt, dass der nördliche Teil des Cospudener Sees für die Schifffahrt freigegeben ist. Naturschutzverbände haben hierzu Widerspruch eingelegt, so dass zunächst der Status Quo in Kraft bleibt. So sehr wir die Daumen drücken, müssen wir aber über kurz oder lang davon ausgehen, dass die Fertigstellung an sich festgestellt wird.
Und damit gilt die Schiffahrtsverordnung des Freistaates. Der Verwaltungsstandpunkt führt noch einmal sehr klar aus, dass diese Verordnung zwar Beschränkungen zulässt, aber eben keine Beschränkung der Motorenart der Wasserfahrzeugs. Wir haben keine Handhabe, Verbrennerboote vom See zu verbannen. Und deshalb stellt die Verwaltung zu Recht fest, dass nur eine Novellierung der Schiffahrtsverordnung, die eine Beschränkung der Motorenart ermöglicht, uns in die Lage versetzt, unser gemeinsames Ziel zu erreichen. Eine solche Novellierung würde übrigens nicht nur für den Cospudener See, sondern auch für andere Seen des Neuseenlands und des Freistaats die kommunalen Spielräume zum Schutz von Natur und Erholung erweitern.
Wir schlagen zweitens auch eine Erweiterung des Landschaftsschutzgebietes "Leipziger Auwald" auf den gesamten Cospudener See als eine Möglichkeit vor, unser Ziel zu erreichen. Gleichwohl sehen wir gerade im Vergleich zur Änderung der Schiffahrtsverordnung, dass dies der deutlich aufwändigere Weg wäre, wie die Verwaltung auch ausführt. Auch vor dem Hintergrund angespannter Personalressourcen bei der Stadtverwaltung ist es sinnvoll, sich zunächst zu fokussieren.
Gleichwohl ist muss die Erweiterung des Landschaftssschutzgebietes zumindest mittelfristig auf der Agenda bleiben. Denn der Cospudener See ist längst ein wichtiges Refugium für viele geschützte Arten. Ein Teil der Seefläche wird vom Vogelschutzgebiet Leipziger Auwald umschlossen. Für viele Vogelarten ist er eines der bedeutendsten Rast-, Nahrungs- und Brutgebiete Sachsens.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
lassen Sie uns gemeinsam dem Freistaat zeigen, dass uns der Schutz von Natur und Lebensqualität auf dem Cossi wichtig ist. Geben wir unserem Oberbürgermeister eine klare Rückendeckung, sich bei der Staatsregierung für eine Änderung der Schiffahrtsverordnung einzusetzen. Mit Ihrer Zustimmung können wir einen wichtigen Schritt machen, um den See als Rückzugsort für Mensch und Natur sichern. Wir stimmen den Verwaltungsstandpunkt ab und bitten um ihre Zustimmung!