Tiefe Trauer und Anteilnahme nach der Amokfahrt – und die Frage nach den Ursachen

Pressemitteilung vom 8. Mai 2026

Foto: Martin Jehnichen

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist nachhaltig erschüttert von der Amokfahrt am 4. Mai 2026 in der Leipziger Innenstadt, bei der zwei Menschen ihr Leben verloren haben und viele teils schwer verletzt wurden.

Chantal Schneiß, Stadträtin und gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, erklärt: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Unser tiefster Dank gilt den Ersthelfer*innen, all jenen, die Zivilcourage bewiesen haben, den Rettungskräften und dem Klinikpersonal, die am Montag noch Schlimmeres verhindert und Leben gerettet haben. Unser besonderer Respekt gebührt all denjenigen, die selbst unter Gefahr für ihre eigene Sicherheit geholfen haben, den Täter festzusetzen. Wir hoffen, dass alle Verletzten schnell und vollständig genesen und die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten können!“

Nach der Tat wurden Fragen nach dem „Warum“ laut. Wie konnte so etwas Schreckliches passieren? Hätte man es verhindern können? Diesen Fragen muss sich die Politik von Stadt bis Bund stellen – und dabei doch besonnen reagieren. Denn es ist klar – eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben.

Foto: Martin Jehnichen

Anne Vollerthun, ordnungspolitische Sprecherin der Fraktion, sagt: „Wir sind es den Opfern, Angehörigen und allen Leipziger*innen schuldig, genau zu schauen, was für die Zukunft verbessert werden muss. Insofern begrüßen wir auch die Zusagen des Oberbürgermeisters, die Zufahrten zur Innenstadt sorgfältig zu überprüfen.

Dazu gehört aber eben auch - und das ist für uns der Kern - die Frage nach dem Ursprung einer solchen Tat! Die Diskussion darf nicht auf Poller und Zufahrtsbeschränkungen begrenzt werden. Denn Gewalt kann auf viele Arten und Weisen ausgeübt werden, wo Poller und Sperren keinen Schutz bieten. Wer will, kann fast überall großen Schaden anrichten. Wir müssen deshalb auch auf die Ursachen von – häufig wie im vorliegenden Fall männlicher - Gewalt schauen und Präventionsangebote stärken. Wir brauchen Gewaltschutz für Frauen, Kinder und Männer, wir müssen die Gesellschaft besser über patriarchale Strukturen aufklären und häusliche Gewalt und Stalking ernst nehmen. Zur Prävention gehört es auch, dass männlich sozialisierte Menschen darin bestärkt und ermutigt werden, ihre Sozialisierung durch patriarchale Strukturen zu erkennen und zu reflektieren. Gerade auch Männer sollen sich Hilfe suchen können – wie zum Beispiel ab Sommer in der neu eingerichteten Männerberatungsstelle bei lemann e.V.“

Chantal Schneiß erklärt: „Die Tat führt uns deutlich vor Augen: Wir dürfen die Psychiatrie nicht kaputtsparen, das gefährdet die öffentliche Sicherheit. Zwar kann auch eine psychiatrische Behandlung keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Aber in vielen Fällen kann Betroffenen von psychischen oder psychiatrischen Problemen geholfen werden, was Gewalttaten verhindert. Dass die Bundesregierung plant ein Sparpaket zu schnüren, welches Kliniken und ambulante Therapien massiv beschneidet, ist ein fatales Signal. Wir brauchen keine Kürzungen, sondern ein lückenloses, gut finanziertes Hilfesystem, damit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen nicht durchs Raster fallen.“

Foto: Martin Jehnichen

Katharina Krefft, Stadträtin und Mitglied im Beirat für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Versorgung, ergänzt: „Es besteht die Gefahr in medialer Aufregung pauschal alle episodisch oder chronisch psychisch kranken Menschen zu stigmatisieren. Dabei wird übersehen, was die Folgen der Stigmatisierung sind: Isolation und Ausgrenzung. Genau das Gegenteil brauchen wir aber für Prävention! Das ganze Spektrum der Hilfsangebote, niedrigschwellige Zugänge und die Verfügbarkeit von Krisenhilfe müssen betrachtet und gestärkt werden.“

Im Oktober 2019 gab es in Halle einen Anschlag auf eine Synagoge mit zwei Todesopfern. Im Zuge der engeren Zusammenarbeit der beiden Großstädte regt die Fraktion einen Austausch zum Umgang mit solch erschütternden Gewalttaten an, damit die Hinterbliebenen und Betroffenen nicht allein gelassen werden.

Leipzig steht zusammen.

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