Wer will schon Gift im Garten haben? - Leipzig auf dem Weg zur pestizidfreien Kommune

Gib der Vielfalt eine Chance!

Im Garten wie im Park - Leipzig pestizidfrei!

Leipzig grüner machen!

Überall wildes Grün? Vielfalt im eigenen Garten? Der Löwenzahnsamen fliegt herum? Schnell ist darüber ein Streit mit den Gartennachbarn vom Zaun gebrochen. Es prallen scheinbar Welten aufeinander. Es geht bei diesem Streit um die Entscheidung, der Natur im Kleinen und Großen wieder einen Platz zu geben. Insbesondere in Kleingartenanlagen kann man diesen Wandel erleben. Es gibt jetzt eine andere Art des Gärtnerns. Quasi eine Graswurzelrevolution, die den Nachbarn schon mal zu schaffen machen kann. Wenn die Natur nicht mehr in die Reihe gezwungen wird und wenn zwischen den Nutzpflanzen wachsen darf, was sich dort auch wohlfühlt, wenn Insektenhotels und Kompostklos das Natürliche auf die Spitze treiben, dann muss man doch mal was sagen dürfen...

Wir freuen uns über diese Gärtnerinnen und Gärtner sehr, denn sie bieten der Natur und der Naturerfahrung Platz. Deswegen gibt es auf unsere Initiative hin seit 2014 alle zwei Jahre den Wettbewerb „Naturnaher Kleingarten des Jahres“. Dafür kann man sich mit seinem Gartenprojekt bewerben. Und wird von einer kritischen Jury besucht, die diesen Wettbewerb von Naturschutz-verbänden, der Stadt Leipzig und dem Kleingartenverband durchaus aufwertet.

Zugleich wissen wir, dass immer noch 40 Tonnen des Unkrautvernichters Glyphosat in Gärten in Deutschland ausgebracht wird. Unliebsame Pflanzen werden damit vernichtet. Zugleich schädigt Glyphosat die Bodenorganismen, fördert dadurch krankheitserregenden Pilze und reduziert die Artenvielfalt in Flora und Fauna. Die europa- und bundespolitische Diskussion über das Verbot von Glyphosat hat gezeigt, wie schwer es ist, ein eingeführtes Pflanzenschutzmittel wieder vom Markt zu bekomme. Es werden weitere Gutachten verlangt, bevor man den Gesundheitsschutz von Menschen und Umwelt ernst zu nehmen beginnt. Ungeachtet dessen, dass dieser Wirkstoff der WHO als nachweislich für den Menschen krebserregend eingestuft wird, dass er Einfluss auf den Hormonhaushalt des Menschen nimmt und sogar in der Muttermilch nachgewiesen ist – alles das waren keine ausreichenden Gründe für ein Verbot.

Wir haben 2015 allerdings für Leipzig einen Beschluss im Stadtrat herbeiführen können, der als Ziel die Vermeidung der Anwendung von Pestiziden auf allen kommunalen Flächen beschreibt. Dazu zählen Kindergärten, Schulen, Sportplätze, Parkanlagen etc. Auf versiegelten Flächen ist die Anwendung von Pestiziden sowieso nur mit einer Sondergenehmigung gestattet, ansonsten generell verboten. Es stehen giftlose Alternativen zur Verfügung: mechanische oder thermische Behandlung, durch Mulchen und Anpflanzen von Mischkulturen.

Wenn wir es schaffen, dass Flächen wieder einfach natürlich sein dürfen, dann ist diese Fläche vielleicht nicht perfekt in mancher Mitmenschen Augen. Aber nützliche Insekten, auf die wir nicht verzichten wollen, wie Schmetterlinge und Wildbienen, werden dann wiederkommen.

Grafik: Schwarwel