Anfrage: Für die beidseitige Befahrbarkeit der Berhard-Göring-Straße für den Radverkehr

Anfrage vom 23. November 2015

Mit der Öffnung der Karl-Liebknecht-Straße wurde zugleich für den Radverkehr wieder die Einbahnstraßenregelung in der Bernhard-Göring-Straße angeordnet. Während der Bauphase der Karl-Liebknecht-Straße war für den Radverkehr diese Einschränkung der Richtungsführung in der Bernhard-Göring-Straße aufgehoben worden.

Die Straße hat sich als Verbindungsstraße für den Radverkehr aus dem Süden kommend Richtung Zentrum und Universitäten und auch in stadtauswärtiger Richtung als eine wichtige Route etabliert.

Nach Aussagen des ADFC hatte das Verkehrs- und Tiefbauamt zuletzt am 20.10.15 noch die Beibehaltung der beidseitigen Befahrbarkeit der Straße für den Radverkehr zugesagt.
Eine Änderung dieser Regelung für den Radverkehr erscheint uns unnütz. Zudem ist für die Bernhard-Göring-Straße in der Diskussion, diese zukünftig als Fahrradstraße umzuwidmen. Dafür war die zuletzt bestehende und etablierte Regelung schon eine sehr gute Vorbereitung.


Wir fragen an:

1. Warum wurde in der Bernhard-Göring-Straße die Einbahnstraßenregelung für Radverkehr wieder aufgehoben?
2. Wie ist die Bilanz der Öffnung in beide Richtungen bzgl. Unfallaufkommen mit Beteiligung von Radfahrenden?
3. Wird die Verwaltung ihr Handeln überdenken und die Öffnung in beide Richtungen weiter ermöglichen?


Antwort der Verwaltung in der Ratsversammlung am 16. Dezember 2015:

Zu den Fragen 1 und 2:
Während des Umbaus der Karl-Liebknecht-Straße war der Radverkehr dort nicht oder nur eingeschränkt möglich. Diejenigen, die das Rad nutzen, wissen, welche Schlängellinien man dort fahren musste. Damit war die wichtigste Radwegeverbindung aus dem Leipziger Süden in Richtung Innenstadt nicht mehr benutzbar. Um eine Alternative anzubieten, wurde für die Zeit der Baumaßnahme mit der Anordnung eines stadteinwärts führenden Radstreifens entgegen der Einbahnstraße in die Bernhard-Göring-Straße eine temporäre Ersatztrasse geschaffen.
Verkehrsbeobachtungen sowie eine Vielzahl von Bürgerbeschwerden belegen, dass es in den Einmündungen häufig zu Konflikten zwischen Radfahrern und Kraftfahrern gekommen ist. Glücklicherweise konnte für diese Zeit keine Unfallhäufung festgestellt werden. Allerdings kam es an jeder Kreuzung der Bernhard-Göring-Straße zu Unfällen zwischen Radfahrern und abbiegenden bzw. querenden Fahrzeugen. Das ist eine ziemlich missliche Situation.
Besonders problematisch war auch die Vielzahl an Geisterfahrern, die den Radfahrweg in landwärtiger Richtung benutzten und damit entgegenkommende Radfahrer behinderten und damit wiederum unfallträchtige Situationen an den Einmündungen verursachten. Da auf der Fahrbahn fahrende Radfahrer in landwärtiger Richtung Geschwindigkeitsbestimmungen unterlagen, überholten die Kraftfahrer häufig die Radfahrer verkehrswidrig: mit einem viel zu geringen Sicherheitsabstand und wiederum unter Mitbenutzung des stadtwärtigen Fahrradweges, obwohl ihnen das eigentlich wegen der durchgezogenen Linie untersagt ist.
Auch die Verkehrsführung am Knoten Bernhard-Göring-Straße / Ecke Hohe Straße erwies sich aufgrund der schwierigen Sichtbeziehungen zwischen Radfahrern und Kraftfahrern als problematisch. Hinzu kam, dass an dieser Stelle durch die mit der Einmündung des Radweges notwendige bauliche Fahrbahneinengung die Querung über die östliche Hohe Straße für Fußgänger noch schwieriger und für Behinderte praktisch nicht mehr möglich war.
Da nun mit der Karl-Liebknecht-Straße wieder eine attraktive durchgängige Route für den Radverkehr zur Verfügung steht, wurde wegen der eben erläuterten Sicherheitsdefizite entschieden, die als temporäre Lösung angedachte provisorische Verkehrsführung nicht beizubehalten. Wer jetzt die Liebknecht-Straße befährt, wird feststellen, dass das wirklich eine sehr gute Trasse ist.

Zur Frage 3:
Unstrittig ist, dass die Bernhard-Göring-Straße eine wichtige Radverkehrsverbindung ist. Ziel der Verwaltung ist, die Netzlücke aus Richtung Süden zu schließen und den Radfahrern das Befahren in beide Richtungen zu ermöglichen. Ebenso ist seit längerem eine Verkehrsberuhigung der Bernhard-Göring-Straße nach Öffnung der Arthur-Hoffmann-Straße für den Verkehr aus Richtung Norden im Zusammenhang mit dem angedachten Umbau geplant.
Es wird seitens der Verwaltung eingeschätzt, dass es sinnvoll ist, den geplanten Zustand schon jetzt durch eine veränderte Verkehrsregelung herzustellen. Die Verkehrsbelastung der Bernhard-Göring-Straße kann so deutlich reduziert werden, und sie kann entsprechend ihrer Bedeutung als Wohnstraße, als Tempo-30-Zone, mit Zweirichtungsverkehr und einer Rechts-vor-links-Regelung ausgewiesen werden. Neben den Bedingungen für den Radverkehr, den man damit verbessern kann, werden so auch die Verhältnisse für die Fußgänger und die Anwohner verbessert. Derzeit werden die Randbedingungen insbesondere im Bereich der Lichtsignalanlage Kurt-Eisner-Straße / Ecke Bernhard-Göring-Straße untersucht und abgestimmt sowie notwendige Änderungen in der Verkehrsregelung geplant. Ziel ist, die veränderte Verkehrsführung so schnell wie möglich umzusetzen. Aber ein bisschen dauert das noch.

Stadtrat von der Heide (Bündnis 90/Die Grünen): Nur noch einmal zum Verständnis: Die Verkehrsberuhigung Bernhard-Göring-Straße wird jetzt doch unabhängig geplant von den Veränderungen an der Arthur-Hoffmann-Straße, kann also vorweg genommen werden?

Bürgermeisterin Dubrau: Ja, sie könnte vorweg genommen werden.

Stadtrat Schlegel (DIE LINKE): Herr Oberbürgermeister! Frau Bürgermeisterin! Meine Damen und Herren! Meine Frage geht in dieselbe Richtung. Wäre es, wenn die Bernhard-Göring-Straße vornehmlich für den Radverkehr in zweispuriger Richtung gestaltet werden soll, nicht erforderlich, dann auch die Arthur-Hoffmann-Straße vorzeitig freizugeben? Wir können dort doch nicht ständig ein neues Problem schaffen. Dass die Lösung jetzt nicht anders ging, wie sie ging, war ja völlig klar.

Bürgermeisterin Dubrau: Die Kollegen sind intensiv dran, eine endgültige Lösung für die Bernhard-Göring-Straße zu schaffen. So wie sie es mir aufgeschrieben haben, können sie das, bevor die andere Straße fertig ist. Aber wir können das gerne im Detail noch einmal im Ausschuss diskutieren.

Stadtrat Schlegel (DIE LINKE): Das sollte noch einmal besprochen werden.

Bürgermeisterin Dubrau: Wenn es dort weitere Nachfragen gibt, können wir Ihnen auch gern die Pläne vorlegen.

Stadtrat Schlegel (DIE LINKE): Die Karl-Liebknecht-Straße soll ja nach Eröffnung weiter so funktionieren, wie sie jetzt funktioniert.

Bürgermeisterin Dubrau: Ja, natürlich.

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