Anfrage: Ladestationen für Elektrofahrzeuge

Anfrage vom 2. Oktober 2015

Der Erfolg der Elektromobilität und der damit verminderte CO2-Austoß in Städten ist von der Ladeinfrastruktur abhängig. Die Ladeinfrastruktur muss zugänglich, unkompliziert und kostengünstig sein. Auch in der Stadt Leipzig ist die Suche nach einer Ladesäule mit dazugehörigem (freiem) Parkplatz immer wieder ein Problem (siehe Anfrage der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Elektrostellplatzbeschilderung). Die Akzeptanz der Elektromobilität wird maßgeblich durch wiederholte Falschparker mit Verbrennungsmotor auf aufgewiesenen E-Fahrzeugparkplätzen, fehlende Kontrollen seitens des Ordnungsamtes, inkompatiblen Ladekabeln oder Ineffizienz im Ladevorgang in Leipzig gesenkt.

Am 09.01.2015 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie einen Entwurf für eine Ladesäulenverordnung vorgelegt, wonach der europäische CCS-Standard (Combined Charging System) für alle neu zu errichtenden Ladepunkte festgelegt werden soll. Verbessert und vereinfacht werden könnte der Ausbau der Ladeinfrastruktur jedoch auch durch ein einheitliches Lade- und Abrechnungsverfahren und durch Ideen wie Strom aus Straßenlaternen.

In Städten wie Berlin, München, Jena u.a. wird bereits über die Initiative www.ladennetz.de z.B. ein standardisiertes Lade- und Abrechnungsverfahren betrieben, welches das Laden von E-Fahrzeugen einfach und überregional mittels Roaming-Kooperationen ermöglicht.

Weiterhin versieht das Unternehmen Ubictricity in Berlin die Straßenlaternenmasten, die an das  Stromverteilnetz angeschlossen sind, mit einer Steckdose zum Laden. Dies ermöglicht das Laden an diversen Straßenlaternen mit Parkbuchten. Hierzu entwickelte das Unternehmen ein Kabel als mobilen Stromzähler. Statt mehrere 1.000 EUR für eine Ladesäule wird die Umrüstung der Straßenlaterne mit 400 EUR beziffert.

Die Stadt Leipzig begrüßt in ihrem Energie- und Klimaschutzprogramm 2014-2020 mit der Maßnahme 4.4 „Ladeinfrastruktur für individuelle Elektromobilität“ den Ausbau der Elektromobilität und ist hierzu in mehreren Projekten involviert (Schaufenster Elektromobilität, Cluster Elektromobilität u.a.).

Wir fragen daher an:

  1. Wann werden welche Abrechnungssysteme in Leipzig an Ladepunkten im öffentlichen Raum geschalten und welche Hindernisgründe gibt es bis jetzt dazu?
  2. Wie wird gewährleistet, dass an Ladepunkten im öffentlichen Raum Grüner Strom angeboten wird?
  3. Wie stellt man sich in Leipzig zu Roomingpattformen wie Ladenetz und anderen gegenüber auf? Sind dergleichen Systemangebote für die Kunden auch in Leipzig mit geplant zusätzlich anzubieten?

 

Die Antwort der Verwaltung aus der Ratsversammlung am 28. Oktober 2015:

Bürgermeister Albrecht legt dar, der Ausbau der Elektromobilität biete Leipzig zahlreiche Chancen. Die Stadt könne sich hierbei schon heute als innovativer Industriestandort behaupten. Das Thema Elektromobilität verfüge zudem über ein umfangreiches Entwicklungspotenzial. Der Erfolg der Elektromobilität hänge allerdings von einer Vielzahl von Faktoren ab. Die Ladeinfrastruktur sei dabei nur ein sich ständig verändernder Faktor.

Der Stadtratsbeschluss vom 16. September 2015, Leipzig zu einer Stadt der intelligenten Mobilität zu entwickeln, schaffe weitere entscheidende Voraussetzungen, um das Thema Elektromobilität mit all seinen Aspekten in der Stadt weiter voranzubringen.

Die Elektromobilität sei ein Arbeitsschwerpunkt im Cluster Energie- und Umwelttechnik. Für die strategische Umsetzung von Zielen und Kooperationen sei ein Elektromobilitätsnetzwerk ins Leben gerufen worden. Clustermitglieder seien neben der Leipziger Wirtschaftsförderung kleine, mittlere und große Unternehmen aus der Region sowie Forschungsinstitute aus dem Energiebereich.

Bürgermeister Albrecht berichtet, die Stadtwerke Leipzig hätten durch ihr Engagement maßgeblich zum Aufbau der Ladeinfrastruktur und der technischen Lösungen, die dazu erforderlich seien, beigetragen. Seit 2010 hätten die Stadtwerke Leipzig durch die Teilnahme an sieben unterschiedlichen Forschungsprojekten ein umfangreiches Know-how im Themengebiet Elektromobilität aufgebaut. Inhaltlich sei dabei nicht nur eine Elektroautoflotte aufgebaut worden, sondern der Fokus sei insbesondere auf eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur einschließlich der damit verbundenen Themengebiete wie Zugangs- und Abrechnungssysteme, technologische Weiterentwicklung, Stichwort Laternenladen, und fortschreitende Standardisierung, insbesondere bei Ladekabeln und Ladesteckern, sowie Entwicklung von Geschäftsmodellen gelegt worden.

Im Rahmen der Projekte seien bisher inklusive der 50 Ladepunkte der neu errichteten 25 Mobilitätsstationen insgesamt 180 öffentlich zugängliche Ladepunkte errichtet worden. Zudem befänden sich in der Innenstadt weitere fünf Stationen mit insgesamt 20 Ladepunkten in der Umsetzung. Über die Stadt Leipzig verteilt, ermöglichten die Mobilitätsstationen und die weiteren öffentlichen Ladepunkte derzeit ein unkompliziertes Laden für die in Leipzig ansässigen Elektrofahrzeugflotten mithilfe einer Ladekarte.

Des Weiteren sei im Projekt SaxMobilität II gemeinsam mit den LVB, der Drewag und Enso aus Dresden sowie der HTW Dresden ein Zugangs- und Abrechnungssystem entwickelt worden, welches mittels Smartphone usw. auf der Basis der in Leipzig eingesetzten Ticketinglösungen im ÖPNV – easyGo – bis spätestens Juni 2016 Ladevorgänge abrechnen solle. Derzeit sei das Laden für den privaten Nutzer kostenfrei.

Darüber hinaus hätten sich die Stadtwerke Leipzig und die LVB entschieden, eine Verknüpfung mit dem Produkt „Leipzig mobil“ anzustreben und damit die Bezahlfunktion mit einer zentralen Abrechnung über die neu geschaffene Mobilitätsplattform laufen zu lassen. Dem zukünftigen Nutzer des Stromtickets und/oder der Verknüpfung mit „Leipzig mobil“ werde somit ermöglicht, intermodale Angebote spontan oder regelmäßig zu nutzen sowie seinen Ladevorgang unkompliziert zu bezahlen.

Darüber hinaus bestehe für Elektromobilitätsnutzer derzeit schon die Möglichkeit, an fünf Ladestationen der Stadtwerke Leipzig über das Roamingsystem sein Fahrzeug zu laden. Bis Ende dieses Jahres werde das an allen öffentlich zugänglichen Ladepunkten möglich sein.

Der Erfolg der Elektromobilität sei nur zum Teil abhängig von der Ladeinfrastruktur. Eine Rolle spielten auch Faktoren wie Benutzerfreundlichkeit, Handhabbarkeit, Fahrzeugpreis, steuerliche Anreizsysteme, Gewohnheit, Fahrzeugreichweite, Bereitschaft zum leicht veränderten Nutzerverhalten usw.

Nach Einschätzung der Stadtwerke Leipzig müsse nach der Phase der Modell- und Pilotprojekte, in der Erfahrungen in der Handhabung sowie mit den technischen Parametern gewonnen werden konnten, ein weiterer Schritt folgen. In der nächsten Phase müssten wirtschaftliche Geschäftsmodelle entwickelt werden, damit diese im Alltagsgeschäft die normale tägliche Nutzung auch nachhaltig ermöglichen.

Im Rahmen der vertraglichen Regelungen zu den Mobilitätsstationen sei festzuhalten, dass die Station und der Ladestrom mit „grünem“ Strom, sprich aus erneuerbaren Energien, betrieben bzw. geladen werden. Auch die restlichen öffentlichen Ladestationen würden mit zertifiziertem Grünstrom betrieben. Momentan gebe es in Deutschland zwei Roamingsysteme. Die Entscheidung für das System Hubject sei durch einen direkten Vergleich beider Systeme getroffen worden.

Die Entscheidungsfaktoren seien neben der Wirtschaftlichkeit und dem technischen Entwicklungspotenzial auch die Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten gewesen. Ein Parallelbetrieb beider Systeme sei technologisch momentan nicht möglich und werde aus wirtschaftlichen Gründen auch nicht für sinnvoll angesehen. Wenn sich aus der zukünftigen Nutzung der Ladestationen oder aus dem aktuell begonnen Prozess der Beteiligung wichtiger Partner, die in der Stadtratsvorlage „Leipzig als Stadt für intelligente Mobilität“ benannt seien, Erkenntnisse ergeben sollten, würden die Stadtwerke diese berücksichtigen. Da durch neue Technologien und die fortschreitende Digitalisierung immer neue Abrechnungsverfahren möglich seien, könne noch nicht beurteilt werden, welche Systeme sich am Markt durchsetzen werden.

Stadträtin Ludwig (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) bezieht sich auf die Tatsache, dass in Leipzig zum Stromtanken an der Ladestation eine Ladekarte notwendig sei, und fragt, wie das für nicht aus Leipzig kommende Fahrzeuge geregelt sei.

Bürgermeister Albrecht antwortet, für die nicht aus Leipzig kommenden Fahrzeuge bestehe die Möglichkeit, sich über die Plattformen der Stadtwerke Leipzig, aber auch des Netzwerkes zu informieren. Es gebe noch keine endabgestimmte Variante, wie von außerhalb Kommende in den Besitz dieser Karte gelangen.

Auf eine entsprechende Nachfrage von Stadträtin Ludwig (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen antwortet Bürgermeister Albrecht, man habe schon geglaubt, damit fertig zu sein. Bei der Prüfung unter Praxisbedingungen habe man jedoch feststellen müssen, dass das Verfahren doch noch nicht markttauglich sei. Einen verbindlichen Termin könne er, Albrecht, leider nicht nennen.

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