Anfrage zur Kostensteigerung in den kommunalen Museen

Anfrage vom 14. Oktober 2015

In Beantwortung unserer OB Anfrage Nr.V/OB-00939 zu Informationen der vier städtischen Leipziger Museen in den letzten 5 Jahren ergeben sich offene Fragen zu den berichteten Kostensteigerungen : Diese betrifft vor allem die beiden Positionen Betriebskosten und Reinigung/Bewachung - so stiegen in den Jahren 2010 – 2014 die Betriebskosten im

●  Museum für angewandte Kunst von 170.735,00 € auf 296.600,00 €
●  Museum der bildenden Künste von 745.328,59 € auf 1.045.142,43 €
●  Stadtgeschichtliches Museum von 45.574,00 € auf 64.900,00 €
●  Naturkundemuseum von 30.400,00 € auf 36.300,00 €

Die Kosten für Bewachung und Reinigung erhöhten sich im selben Zeitraum wie folgt

●  Museum für angewandte Kunst von 544.308,00 € auf 917.000,00 €
●  Museum der bildenden Künste von 794.926,70 € auf 1.038.001,33 €
●  Stadtgeschichtliches Museum von 366.286,00 € auf 512.497,00 €
●  Naturkundemusem von 88.200,00 € auf 143.600,00 €.

Fragen ergeben sich besonders aufgrund des Kostenanstiegs beim Museum der bildenden Künste.
Neben möglicher tariflicher Gründe interessiert auch in den kulturellen Häusern der Stadt,  inwieweit z.B. durch energetische Maßnahmen allgemeinen Kostensteigerungen entgegen gewirkt wird. Laut Klimaschutzprogramm der Stadt, soll der Gesamtenergieverbrauch der Stadt gesenkt werden.

Aus diesem Grund fragen wir wie folgt an:

  1. Worauf sind die Kostensteigerungen bei den Museen im Detail zurückzuführen und welche Ursachen haben sie?
  2. Mit welchen Maßnahmen soll der fortlaufenden Steigerung der Betriebskosten (Strom, Wasser, Wärme) sowie Reinigungs- und Bewachungskosten zukünftig entgegen gewirkt werden? Warum sind Ergebnisse eines Energiemanagements und Facility Management  bisher in diesem Zusammenhang nicht sichtbar?
  3. Wurde zu einzelnen kulturellen Einrichtungen schon ein Energieausweis erstellt? Gibt es aktuell ein Konzept zur Erhöhung der Energieeffizienz und –einsparung im Rahmen von Umbauten, Sanierungen und Neubau städtischer Kulturbauten? 
  4. Einige Gebäude sind erst vor wenigen Jahren gebaut, bzw. restauriert worden. Der Stand der Technik hätte es ermöglicht, gerade energiesparend – und auch personalsparend – zu planen und zu projektieren. Aus welchen Gründen wurde dies unterlassen? Sofern angedacht ist, Gebäude und Technik entsprechend nachzurüsten, mit welchen Kosten wird für die jeweiligen Maßnahmen kalkuliert?
  5. Wie schnell würden sich die Maßnahmen aufgrund eingesparter Betriebskosten rechnen?


schriftliche Antwort der Verwaltung:

Frage: Worauf sind die Kostensteigerungen bei den Museen im Detail zurückzuführen und welche Ursachen haben sie?

GRASSI Museum für Angewandte Kunst

Die Kostensteigerungen bei den Betriebskosten und den Kosten für Reinigung und Bewachung sind sowohl auf Steigerungen der Tarife als auch auf die Intensivierung der Nutzung des Gebäudes durch Fertigstellung der Bereiche der Dauerausstellung zurückzuführen.

Seit der Eröffnung des 3. Rundgangs der Dauerausstellung im März 2012  wird eine Fläche von 4500 qm bespielt. Die Dauerausstellung ist von Dienstag - Sonntag von 10:00 - 18:00 Uhr für das Publikum geöffnet. Museumspädagogische Veranstaltungen finden zum Teil bereits ab 8:00 Uhr statt. Montags werden Wartungsarbeiten und ebenfalls Reinigungsarbeiten durchgeführt. Neben der Dauerausstellung werden seit 2006 in weiteren Räumen zu denselben Zeiten Sonderausstellungen gezeigt, die ebenfalls Kosten verursachen.

Die Verträge für Bewachung wurden entsprechend der Vergrößerung der genutzten Flächen angepasst.

Naturkundemuseum

Im November 2011 wurde die Dauerausstellung im Museum infolge nicht ausreichenden Brandschutzes zunächst auf unbestimmte Zeit für Besucher geschlossen. Dadurch kam es  2012 gegenüber 2011 zur Senkung der Betriebskosten und der Kosten für Reinigung und Bewachung.

Im März 2013 wurde die Dauerausstellung von Dienstag bis Sonntag wieder für bis zu 30 Personen (in der Woche für angemeldete Gruppen bis 30 Personen) geöffnet. Aus der intensiveren Nutzung des Gebäudes resultiert die Erhöhung der Betriebskosten sowie der Kosten für Reinigung und Bewachung.

Stadtgeschichtliches Museum

Die Kostensteigerungen in den Bereichen Betriebskosten, Reinigung und Bewachung resultieren einerseits aus der Eröffnung des Teils der Dauerausstellung "Moderne Zeiten" im 2. OG des Alten Rathauses im Dezember 2011. Für diese neu hinzugewonnene Ausstellungsfläche von ca. 1200 m² wurde das Aufsichtspersonal entsprechend der Vorgaben der Versicherung erweitert und die Verträge für die Reinigung auf die vergrößerte Fläche angepasst. Anderserseits haben sich die Tarife bei den Dienstleistern erhöht. Durch die Ausstattung/Betrieb der Ausstellung mit notwendiger Technik (z. B. PC-Stationen,  Beamer, Beleuchtung usw.) erhöhte sich auch der Stromverbrauch, Kostensteigerungen sind aber im Wesentlichen auf die Erhöhung der Stromtarife zurückzuführen.

Museum der bildenden Künste

Bewachung:

Das Sicherheitskonzept des MdbK sieht auf der Grundlage der Zusammenwirkung von Technik, Organisation und Personal den Einsatz von Aufsichten im Ausstellungsbetrieb und Wachdienst für das Gebäude in Vollzeit vor. Die Ursache für Kostensteigerungen ist die kontinuierliche Tarifsteigerung im Bewachungsgewerbe.

Reinigung:

Der Tarif im Reinigungsgewerbe hat sich von 6,18 € im Jahr 2004 auf aktuell 8,50 € (Mindestlohn) erhöht, das entspricht einer Steigerung von 37,5 %. Für 2016 und 2017 sind Tarifsteigerungen von 2,4 % bzw. 4 % auf dann 9,05 € bereits angekündigt worden. Für eine Vertragsfläche von ca. 12.000 m² stehen derzeit 73 Wochenstunden zur Verfügung. Dabei werden weitgehend Sonderleistungen vermieden und es erfolgt eine Unterstützung punktuell mit eigenen Handwerkern. Im Zuge der Vertragsverlängerungen wurde die Gesamtstundenzahl mehrfach reduziert. Seit 2009 wird die nachträglich montierte Außenhaut der Vorhangglasfassade in festgelegten Abständen gereinigt. Es sind 31.514 m² Reinigungsfläche (vertikale und horizontale Glasflächen) zu bearbeiten.

Strom:

Die Stromverbrauchswerte wurden seit dem Erstbetriebsjahr 2005 bis 2012 kontinuierlich gesenkt. In den Jahren 2013 und 2014 kam es zu einem Anstieg, jedoch liegt der Verbrauch nach wie vor weit unterhalb vorheriger Jahreswerte. Der Stromverbrauch hängt unter anderem von den Anforderungen der Klimatisierung und damit von Außentemperaturen und Umgebungsluftfeuchte ab. Maßnahmen der Optimierung haben sich in den ersten Jahren des Gebäudebetriebs niedergeschlagen. Folgende Einflüsse können den Stromverbrauch unabhängig vom Energiemanagement beeinflussen:

•          Außentemperaturen und Umgebungsfeuchtigkeit

•          Besucherzahlen (resultierende Häufigkeit der Aufzugnutzung sowie Einfluss auf die Klimatisierung)

•          Veranstaltungen außerhalb der Öffnungszeiten

In den Kosten ist auch ein Wartungs‐ und Instandhaltungsbudget enthalten.

Fernwärme:

Neben dem Verbrauch und den finanziellen Auswirkungen wurden die Verbrauchswerte „witterungsbereinigt.“ Zwischen 2010 und 2013 gab es nur geringfügige Verbrauchsschwankungen nach oben und unten, die Verbrauchswerte der Fernwärme lagen 2006 bis 2013 mit Schwankungen unterhalb des Niveaus des Inbetriebnahmejahres 2005. Im Jahr 2014 kam es zu einem Sprung von +18 % und es wurde erstmals der Wert des Inbetriebnahmejahres deutlich überschritten. Die Ursachen dieses Anstiegs werden aktuell untersucht. Hierzu gab es bereits Vorabsprachen zu einer entsprechenden Zusammenarbeit mit dem SG Energetik des AGM. Da das MdbK einen Zusammenhang zwischen erhöhter Leistungsaufnahme des Stromverbrauchs der Kälteanlagen in den Jahren 2013 und 2014 und dem erhöhten Fernwärmeverbrauch in den gleichen Jahren feststellt, liegt es nahe, dass Klimaeinflüsse einen maßgeblichen Anteil an der Verbrauchssteigerung haben.  

Frage: Mit welchen Maßnahmen soll der fortlaufenden Steigerung der Betriebskosten (Strom, Wasser, Wärme) sowie Reinigungs- und Bewachungskosten zukünftig entgegen gewirkt werden? Warum sind Ergebnisse eines Energiemanagements und Facility Management bisher in diesem Zusammenhang nicht sichtbar?

Für alle Museen gilt, dass Bewachungsleistungen entsprechend der Auflagen der Versicherer vorgehalten werden müssen. Verträge für Reinigungsleistungen müssen einem Standard entsprechen, der sowohl die Gebäudesubstanz erhält als auch die Aufenthaltsqualität für die Besucher sichert, sie entsprechen dem Facility Managementkonzept der Stadt Leipzig. Die Verträge mit den Dienstleistern werden in regelmäßigen Abständen neu ausgeschrieben. Die Tarife können vom Auftragnehmer nicht beeinflusst werden.

Außer im Museum der bildenden Künste kam es zu keinen wesentlichen Verbrauchssteigerungen.

In allen Museen soll nach Möglichkeit in den kommenden Jahren eine schrittweise Umrüstung der Ausstellungsbeleuchtung auf energiesparende (LED) Leuchten umgesetzt werden. Damit können auch die klimatischen und konservatorischen Bedingungen in den Ausstellungen verbessert werden.

Frage: Wurde zu einzelnen kulturellen Einrichtungen schon ein Energieausweis erstellt? Gibt es aktuell ein Konzept zur Erhöhung der Energieeffizienz und –einsparung im Rahmen von Umbauten, Sanierungen und Neubau städtischer Kulturbauten? 

Für  das Museum der bildenden Künste, das Naturkundemuseum und das gesamte Gebäude Grassimuseum wurden Energieausweise erstellt.

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Gebäudemanagement werden die Verbrauche laufend analysiert (jährlicher Energiebericht) und bei Bedarf entsprechende Konzepte erstellt.

Energieeffizienz ist Thema bei Planungen für Umbauten, Sanierungen und Neubauten.

Frage: Einige Gebäude sind erst vor wenigen Jahren gebaut, bzw. restauriert worden. Der Stand der Technik hätte es ermöglicht, gerade energiesparend – und auch personalsparend – zu planen und zu projektieren. Aus welchen Gründen wurde dies unterlassen? Sofern angedacht ist, Gebäude und Technik entsprechend nachzurüsten, mit welchen Kosten wird für die jeweiligen Maßnahmen kalkuliert?

Museumsneubauten sind meistens Stadtbild prägend. Ihre Entwürfe gehen aus Wettbewerben hervor. Bei der Auswahl werden u.a. architektonische und gestalterische Maßsstäbe angesetzt, die Auswirkungen auf die Raumstruktur und Größe haben. Die Planung der Gebäude erfolgte auf der Grundlage der Aufgabenstellung nach jeweils aktuell geltenden rechtlichen Anforderungen und dem Stand der Technik. Allerdings kam es  immer wieder auf Grund der Haushaltssituation zu Standardabsenkungen z. B. bei der Klimatisierung im Grassimuseum oder im Museum der bildenden Künste durch das Weglassen der inneren Verglasung der Fassaden in den Höfen, Terrassen und Terrassenköpfen, die sich negativ auf die Bedingungen im Museum auswirken bzw. zu einem erhöhten Energieverbrauch führen.

Als Beispiel für eine Nachrüstung bzw. Standardanhebung nach aktuellem Stand der Technik kann das Grassimuseum angesehen werden. Hier wurde sich in der Eigentümergemeinschaft darauf verständigt, ein Konzept zu entwickeln. Die Stadt Leipzig muss sich entsprechend ihrer Anteile am Gemeinschaftseigentum prozentual an den Kosten beteiligen. Bisher wurde die energetische Ertüchtigung der Außenhülle (Gemeinschaftseigentum) mit Folierung der Fenster und Dämmung der Dachgeschossdecke umgesetzt. Der finanzielle Anteil der Stadt Leipzig betrug 190 T€. Über weitere Maßnahmen wird im Zusammenhang mit der Haushaltsaufstellung 2017/2018 beraten und entschieden.

Frage: Wie schnell würden sich die Maßnahmen aufgrund eingesparter Betriebskosten rechnen?

Dafür liegen zurzeit noch keine Berechnungen vor.

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