Gartenfachberater der Leipziger Kleingartenverbände fordert die Mitglieder zum Pestizid-Gebrauch auf

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zeigt sich schockiert ob des gänzlich fehlenden Problembewusstseins

Foto: Martin Jehnichen

Pressemitteilung vom 17. Januar 2019

Es erfüllt uns mit großer Freude, dass es inzwischen in großer Breite zu erleben ist, dass die Kleingärtner*innen unserer Stadt immer mehr ökologisch verantwortungsbewusst gärtnern und so einen wichtigen Beitrag für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt in unserer Stadt leisten. Immer mehr Kleingartenvorstände und ihre Gärtnerinnen und Gärtner gehen in diesem Sinne vorbildlich vor, wie sich auch im Wettbewerb Naturnaher Kleingarten zeigt, der mit jedem Wettbewerbsjahr mehr Interesse findet.

Umso entsetzter waren wir in der Januar-Ausgabe 2019 des „Leipziger Gartenfreund“ (Mitteilungsblatt der Leipziger Kleingartenverbände) auf Seite 17 zu lesen:
Über den Gartenzaun gefragt: Garten-Olaf (Olaf Weidling): „In der letzten Januarwoche wird gegen die Kräuselkrankheit gespritzt, da die Knospen nun allmählich anschwellen. Als Pflanzenschutzmittel empfehle ich Ihnen „Duaxo Universal Pilz-frei“ von Compo. Es hilft auch gegen Birnengitterrost, Monilia Spitzedürre, Echten Mehtau, Schorf im Gemüseanbau sowie an Rosen und Zierpflanzen“

Norman Volger, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist verärgert:

„Das ist einer Aufforderung zur flächenhaften Ausbringung des Pestizides gleichzusetzen. 

Der Beitrag enthält keine Hinweise zu alternativen, naturverträglichen Maßnahmen zur Vorbeugung von Pilzerkrankungen im Kleingarten. Und dies ist so ärgerlich, da der Leipziger Stadtrat mit dem Antrag „Leipzig - auf dem Weg zur pestizidfreien Kommune“ die Richtung eindeutig vorgegeben hat.

Ich darf mich fragen, wieso vier Jahre nach diesem Stadtratsbeschluss zum wiederholten Male im Gartenfreund eine direkte Aufforderung zur Anwendung von Pestiziden zu lesen ist – hier vom Gartenfachberater, der die fachlichen Autorität der Kleingartenvereine schlechthin sein sollte! Es gibt Empfehlungen zur Vorbeugung und Stärkung Pflanzen vor Pilzerkrankungen, darüber muss zuvorderst informiert werden! Auch in Leipzig sollte entsprechend der guten fachlichen Praxis und gemäß des Pflanzenschutzgesetzes immer erst dann erfolgen, wenn die vorbeugenden (sachgerechte Pflege) sowie alle sonstigen, nicht-chemischen Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes nicht zum Erfolg führten.

Stattdessen wird in einem Vereinsmitteilungsblatt mit einer der größten Reichweiten, alleine die chemische Keule beworben, die Anwendung von Giften befürwortet, als gäbe es nicht auch naturverträgliche Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen (siehe Anlage).

Wir lehnen den Einsatz von Pestiziden entschieden ab und fordern von allen Bürgern und Bürgerinnen vor allem aber auch von den Verbandsfunktionären einen verantwortlichen Umgang mit ihren gepachteten Grundstücken in Kleingärten.“


Anlage:

Quelle: https://www.gartentipps.com/kraeuselkrankheit-an-pfirsichen-bekaempfen-7-effektive-tipps-vorgestellt.html

Vorbeugung/Bekämpfung der Kräuselkrankheit

Tipp 1 – den richtigen Standort auswählen:
Schon beim Pflanzen der Bäume können Sie etwas für die Vorbeugung gegenüber Pilzerkrankungen tun, indem Sie einen sonnigen, luftigen Standort auf Ihrem Grundstück auswählen.

Tipp 2 – Krone regelmäßig auslichten:
Außerdem ist es gut, wenn Sie die Krone regelmäßig auslichten, denn je dichter sie ist, umso schlechter trocknet sie nach einem Regenguss ab. Und das wiederum kann die Verbreitung der Kräuselkrankheit begünstigen.

Tipp 3 – Pfirsichbäume düngen:
Versorgen Sie die Pfirsichbäume von Zeit zu Zeit immer mal wieder mit einem mineralischen oder organischen Langzeitgdünger, damit sie schön widerstandsfähig werden. Zur Stärkung können Sie die Bäume auch regelmäßig mit einem Ackerschachtelhalmtee besprühen.

Tipp 4 – Pfirsichbäume unterpflanzen:
Zur Vorbeugung hat sich auch eine Unterpflanzung der Pfirsichbäume mit Kapuzinerkresse, Meerrettich oder Knoblauch bewährt.

Tipp 5 – biologisches Stärkungsmittel einsetzen:
Die Kräuselkrankheit bekommen Sie besonders gut mit einem biologischen Stärkungsmittel in den Griff. Empfehlenswert ist beispielsweise der Neudo-Vital Obst-Pilzschutz von der Firma Neudorff.

Da die Infektion der Blätter bereits sehr früh im Jahr erfolgt (sobald die Knospen schwellen), ist es ratsam die ganze Baumkrone Ende Januar bei trockener Witterung mit solch einem Mittel einzusprühen. Vorher ist es jedoch wichtig, dass Sie die verkrüppelten Triebspitzen sowie alle Fruchtmumien entfernen und diese nicht über den Kompost, sondern über den Hausmüll entsorgen. Anschließend den Baum gleichmäßig einsprühen. Im Abstand von zwei bis drei Wochen diese Prozedur dann drei bis vier Mal wiederholen.

Tipp 6 – chemisches Pflanzenschutzmittel einsetzen:
Es gibt auch ein chemisches Pflanzenschutzmittel, das als einziges gegen die Kräuselkrankheit zugelassen ist. Dabei handelt es sich um Duaxo Universal Pilz-frei, welches von der Firma Compo angeboten wird. Duaxo ist ein Breitbandfungizid gegen die verschiedensten Pilzkrankheiten an Rosen, Zierpflanzen- und gehölzen, frischen Kräutern, Obst- und Gemüsekulturen. Es stoppt die Ausbreitung der Kräuselkrankheit und schützt vor einem Neubefall. Dennoch sollten Sie es wirklich nur einsetzen, wenn die anderen Bekämpfungstipps überhaupt keine Wirkung zeigen.

Tipp 7 – Blätter und Triebspitzen entfernen:
Stellen Sie den Befall mit dem hartnäckigen Pilz erst spät fest, gilt es alle Blätter und Triebspitzen so schnell wie möglich zu entfernen, damit zumindest keine weitere Verbreitung erfolgen kann. Schneiden Sie die Triebe bis ins gesunde Holz zurück und vernichten Sie das Schnittgut bzw. entsorgen Sie es über den Hausmüll.

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