"Ja, aber" zur Olympiabewerbung

Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Leipzig im Rahmen von „Berlin+“ nur mit verbindlichen Nachhaltigkeits- und Beteiligungskriterien

Leipzig hat sich im Rahmen von „Berlin+“ als Austragungsort für Teile der Olympischen und Paralympischen Spiele positioniert. Unsere Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN begleitet diesen Prozess konstruktiv, aber nicht bedingungslos. Leipzigs weitere Unterstützung kann es nur geben, wenn die Bewerbung zu einem Motor für sozial-ökologische Stadtentwicklung wird, die Stadt und die Region langfristig stärkt und zugleich finanziell verantwortbar bleibt.

Olympische und Paralympische Spiele können große Begeisterung auslösen, Menschen verbinden und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Sie können insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Lust auf Bewegung wecken, neue Sportarten erlebbar machen und den Einstieg in Vereine erleichtern. Das kann auch mehr Menschen motivieren, sich im Ehrenamt einzubringen, zum Beispiel als Trainerinnen und Trainer oder in der Vereinsarbeit. Gerade die Paralympischen Spiele können Inklusion und Barrierefreiheit sichtbarer machen und dauerhaft voranbringen. Diese Chancen entstehen jedoch nicht automatisch. Ohne verbindliche Leitplanken drohen hohe Folgekosten, zusätzliche Umweltbelastungen und Fehlentwicklungen im Wohnungsmarkt.

Deshalb gilt für uns: Leipzig unterstützt „Berlin+“ nur, wenn die Verwaltung bis zum 30. Juni 2026 ein verbindliches Nachhaltigkeits- und Beteiligungskonzept vorlegt, das klare Zielstellungen verfolgt. Das Olympische und Paralympische Dorf muss auf einer geeigneten, verkehrlich gut an den Umweltverbund angebundenen Fläche so errichtet werden, dass es für eine Nachnutzung auf dem Mietwohnungsmarkt attraktiv ist. Dabei sollen möglichst 70 Prozent, idealerweise 100 Prozent, der Wohnungen nach den Spielen als mietpreisgebundener, bezahlbarer Wohnraum durch die LWB bereitgestellt werden können. Statt neuer Sportstätten sollen bestehende Anlagen ertüchtigt, modular erweitert und unter der Bedingung einer gesicherten Nachnutzung qualifiziert werden. Neubauten sind auf das zwingend Notwendige zu begrenzen und müssen vorab ein tragfähiges Betriebs- und Folgekostenkonzept nachweisen.

Jede im Zuge der Bewerbung notwendige Flächenversiegelung ist durch mindestens gleich große Entsiegelungsmaßnahmen zu kompensieren. Ziel ist die Netto-Null-Versiegelung entsprechend des Stadtratsbeschlusses. Zusätzlich soll ein Olympischer Wald angelegt werden, als dauerhaftes Projekt für Klimaanpassung, Biodiversität und Stadtnatur. Für eine klimaneutrale und barrierefreie Mobilität müssen (Schnell)radwege als Olympisches Fahrradnetz ausgebaut werden, das Sportstätten, Olympisches und Paralympisches Dorf sowie die Region verbindet. Gleichzeitig ist der ÖPNV durch zusätzliche Investitionsmittel vor allem auf den Hauptachsen zu verstärken, durch innovative Angebote wie autonome Shuttles zu ergänzen und durch eine Verbesserung der S-Bahn-Taktung zu optimieren.

Für das Leipziger Bewerbungskonzept muss ein verbindliches Nachhaltigkeitskapitel zu Klimaneutralität, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, sozialer Fairness, Barrierefreiheit und Transparenz verankert werden. Die Zielerreichung ist regelmäßig zu überprüfen und öffentlich nachvollziehbar zu dokumentieren, einschließlich eines jährlichen Berichts an den Stadtrat. Bis spätestens 30. Juni 2026 ist außerdem ein angemessenes Bürgerbeteiligungsverfahren durchzuführen, zum Beispiel mit Werkstätten, Online-Plattform, Kritikerinnendialogen und Bürgerinnenrat. Dabei geht es nicht um Begleitkommunikation, sondern um echte Mitgestaltung und das Aufnehmen von Bedenken. Zum Abschluss des Prozesses ist auch die Option eines Bürgerentscheids zu prüfen, sofern Zeit- und Finanzplanung dies sinnvoll ermöglichen.

Olympische und Paralympische Spiele dürfen nicht zu einem finanziellen Risiko ohne klare Grenzen werden. Leipzig steht wie viele Kommunen unter massivem finanziellem Druck. Deshalb fordern wir eine belastbare Gesamtkosten- und Folgekostenrechnung, einen klaren Kostendeckel und eine transparente Mittelherkunft. Bund, Land, IOC und Sponsoren müssen substanziell beitragen. Angesichts der Neuverschuldung der Stadt muss jede Investition nachvollziehbar, dauerhaft tragfähig und in Folgekosten beherrschbar sein.

Leipzig hat im Rahmen von „Berlin+“ die Chance, ein neues Modell für verantwortungsbewusste Olympische und Paralympische Spiele mitzugestalten. Diese Chance nutzen wir, aber nur unter Bedingungen, die Nachhaltigkeit, Transparenz sowie soziale und ökologische Gerechtigkeit verbindlich sichern.

 

Bild von MasterTux auf Pixabay

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