Schöner feiern ohne Böller
Warum wollen wir weniger Böller?
Jahr für Jahr führen wir nach Silvester die gleichen Debatten, beklagen Verletzte und teils tragische Unfälle, Krankenhäuser sind überlastet, Einsatzkräfte werden angegriffen, Tiere geraten in Panik, kommen zu Tode oder werden verletzt. Viele Menschen fragen sich, warum wir es nicht schaffen, Silvester endlich anders zu feiern.
Zahlreiche Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Menschen für ein Böllerverbot ist.[1] Bundesweite Petitionen zu einem Böllerverbot haben mehr als 2,6 Millionen Unterschriften erhalten (Stand 16.1.25). [2]
Zwar liegt die Verantwortung für die Anpassung der Sprengstoffverordnung beim Bund und muss dort dringend angepasst werden. Jedoch nutzen bereits heute viele deutsche Städte die Möglichkeit in bestimmten Stadtteilen ein Böllerverbot zu verhängen.
Feuerwerke sind eine erhebliche Belastung für die Umwelt. Sie verschmutzen die Luft, verursachen tonnenweise Sondermüll und Lärm und bedeuten erheblichen Stress für Menschen und Tiere. Mit einem Verbot von pyrotechnischen Gegenständen mit ausschließlicher Knallwirkung (Böller) können auch wir den Rahmen nutzen, den uns die Sprengstoffverordnung gemäß § 24 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 bereits heute für dicht besiedelte Gebiete gibt. Dies bestätigt auch die Vorlage „Prüfung von Beschränkungen des Silvesterfeuerwerks“ (VII-A-08120-Ifo-02) vom Dezember 2024. Raketen, Vulkane, Fontänen u.ä. wären weiterhin erlaubt, die Einschränkung gilt nur für Böller.
Das immer wieder angebrachte Argument der schlechten Durchsetzbarkeit eines Böllerverbots steht den bereits bestehenden Böllerverboten in zahlreichen anderen deutschen Innenstädten gegenüber (Berlin (Alexanderplatz & Brandenburger Tor), Hannover, Bremen, Hamburg, München, Stuttgart u.a.).[3]
Eine attraktive und moderne Lichtshow als Alternative: nachhaltig und inklusiv
Parallel zur Einführung eines Böllerverbots in der Innenstadt fordern wir die Verwaltung auf die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) zu beauftragen, ein attraktives alternatives Angebot mit einer oder mehreren Lichtshows, begleitet von einem künstlerischen (z.B. Konzerte, Straßentheater, Kunstinstalllationen) und gastronomischen Angebot, ggf. per Ausschreibung, zu schaffen. Dabei ist auch ein Konzept für eine nachhaltige An- und Abreise per ÖPNV, Rad- und Fußverkehr sowei eine barrierefreie Gestaltung der Silvesterfeier zu entwickeln, um die Teilnahme aller Bürger*innen zu ermöglichen.
Der Augustusplatz scheint als zentraler Platz dafür gut geeignet. Eine zentrale, umweltfreundliche Silvesterfeier steigert nicht nur die Akzeptanz des Böllerverbots in der Innenstadt, sondern hat zahlreiche weitere Vorteile:
- Umwelt- und Klimaschutz: Lichtshows sind eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichem Feuerwerk. Sie produzieren keinen Feinstaub und hinterlassen keine Abfälle.
- Lärmschutz: Im Gegensatz zu lauten Feuerwerken verursachen Lichtshows keinen lärmbedingten Stress für Menschen und Tiere.
- Sicherheit: Lichtshows reduzieren die Verletzungsgefahr, die mit dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern einhergeht.
- Inklusivität: Durch die Auswahl verschiedener Uhrzeiten (17 Uhr, 21 Uhr, 0 Uhr) können unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, wie Familien mit Kindern oder ältere Menschen, an den Feierlichkeiten teilnehmen, die sich bislang Silvester gar nicht in die Innenstadt getraut haben
- Tourismus: Professionell gestaltete Lichtshows bieten ein einzigartiges visuelles Erlebnis und können zu einem Alleinstellungsmerkmal von Leipzig werden, das den Tourismus und das Ansehen der Stadt Leipzig befördert.
- Kosteneffizienz: Langfristig können zentral organisierte Lichtshows kostengünstiger sein als die Beseitigung von Feuerwerksrückständen und mögliche Folgeschäden.
Die LTM (oder ein Auftragnehmer) soll mit einer zielgerichteten Öffentlichkeitsarbeit für die Bekanntheit der Silvester-Lichtshows sowohl in der Stadtbevölkerung als auch im touristischen Marketing sorgen. Die Öffentlichkeitsarbeit zielt dabei ebenfalls darauf ab, über die Vorteile dieser umweltfreundlichen Alternative zum traditionellen Feuerwerk aufzuklären (bewusster und freiwilliger Verzicht auf Feuerwerkskörper, finanzielle Einsparungen, Umwelt- und Lärmschutz, Gesundheitsschutz).
Aufklärung und Transparenz: Eine Karte von Leipzig wo Feuerwerk nicht oder nur unter Vorbehalt möglich ist
Außerdem wollen wir, dass die Stadt Leipzig eine Stadtkarte veröffentlicht, die Gebiete ausweist, in welchen bereits jetzt das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände untersagt ist. Dies betrifft zum einen gemäß 1. SprengV §23 (1) Gebiete, welche sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Krankenhäusern, Kirchen und Kinder- und Altersheimen sowie brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen befinden. Zum anderen betrifft dies Naturschutzgebiete und weitere Schutzgebiete (z.B. SPA Leipziger Auwald, FFH-Gebiet Partheaue), in welchen durch ein Erlaubnisvorbehalt der Unteren Naturschutzbehörde quasi ein Feuerwerksverbot gilt. Diese Karte soll zentral in die Informationskampagne der Stadt Leipzig aufgenommen werden.
Schutzgebiete auch tatsächlich schützen!
In einigen Leipziger Schutzgebieten ist Feuerwerk bereits ohnehin untersagt, bzw. unterliegt einem Erlaubnisvorbehalt der Unteren Naturschutzbehörde. Diese Tatsachen sind aber vielen Bürger*innen nicht bekannt. Um die Schutzzwecke umzusetzen, sollte daher besonders an Silvester auf bestehende Verbote oder Erlaubnisvorbehalte hingewiesen werden.
Prominentes Beispiel ist der Leipziger Fockeberg. Alljährlich ist dies ein beliebter Treffpunkt zu Silvester – der Ausblick ist einfach verlockend. Der Fockeberg liegt jedoch im Vogelschutzgebiet und Landschaftsschutzgebiet Leipziger Auwald, das Abbrennen von Feuerwerk ist dort nicht erlaubt bzw. nicht genehmigungsfähig.
Es ist an der Zeit, die Bevölkerung auf diese Schutzzwecke gezielt hinzuweisen, geltende Regelungen durchzusetzen und das LSG/SPA Leipziger Auwald und die dort lebenden Tiere effektiv zu schützen.
Illustration: Lisa Vogel (www.lisavogel-illustration.de)
[1] https://www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/pressemeldungen/umwelt-haushalt/mehrheit-deutschlandweit-fuer-verbot-privaten-silvesterfeuerwerks-88895
[2] https://innn.it/boellerverbot, Auskunft Deutsche Umwelthilfe (www.duh.de )
[3] https://www.reisereporter.de/reisenews/destinationen/silvester-2024-alle-boeller-verbote-in-der-uebersicht-YKHDHBCYDQJW72V5AZVMCSEMFN.html
Anregungen und Ideen nehmen wir gern unter gruenefraktion@leipzig.de oder über unser Kontaktformular entgegen.